Glauben Sie nicht, meine verehrten Leser, daß ich mich in den Streit um die Schuldscheindarlehen einmischen will und Ihnen hier vorrechnen werde, wie sehr sich diese Art von Finanzierung durch die Änderung verkehrssteuerrechtlicher Vorschriften verteuert hat. Wenn ich heute mit Ihnen über Schuldscheindarlehen sprechen will, dann handelt es sich um einen speziellen Fall, der mir deshalb bedeutsam erscheint, weil sich hier ein Unternehmen an den „kleinen Sparer“ wendet und ihm kleingestückelte Schuldscheindarlehen anbietet. Das wirft besondere Probleme auf.

Kürzlich erschienen in einer Reihe von Tageszeitungen Meldungen, die davon berichteten, daß die Turol AG Kraftstoff-Vertriebs- und Handelsgesellschaft, München 13, Adelheidstraße 6, Schuldscheindarlehen anbietet, die mit einem attraktiven Zins ausgestattet sind. Er beträgt 7 v. H. bei einem Ausgabekurs von 98 v. H. Das sind ohne Zweifel Konditionen, die über den üblichen Sätzen liegen. Ganz grob gesagt: für „normale“ Schuldscheindarlehen wurden zur gleichen Zeit 6 1/4 bis 6 1/2 v. H. bei einem Ausgabekurs von 98 1/2 v. H. gezahlt.

Nun ist es in Finanzdingen in der Regel so, daß dort, wo ein großzügiges Angebot gemacht wird, auch handfeste Gründe für diese Generosität vorhanden sind. Zunächst muß man wissen, daß der Kapitalmarkt wohl angespannt ist, aber nicht in einem Maße, das die Aktivität der Finanzierungsinstitute so einengt, daß geradezu revolutionäre Sparformen entwickelt werden müssen, um Investitionskapital zu erhalten. Allerdings wird man einräumen müssen, daß es Außenseiter auf dem Gebiet des Treibstoffmarktes nicht ganz leicht haben, ihre Pläne zu verwirklichen, weil sie auf die harte Konkurrenz der großen Mineralölkonzerne stoßen, die es immer verstanden haben, von ihrer starken Marktstellung einen entsprechenden Gebrauch zu machen. Es mag deshalb auch verständlich erscheinen, wenn die Turol AG auf einen unüblichen Finanzierungsweg abgedrängt worden ist. Aber das entbindet den Sparer nicht von der Notwendigkeit, nachzuprüfen, ob sein Geld auch „sicher“ angelegt ist.

Zunächst nun ein paar Einzelheiten aus dem Zeichnungsangebot, soweit sie bekanntgeworden sind: Es soll ein kleingestückeltes Schuldscheindarlehen ausgegeben werden, wobei die Abschnitte nicht über 10 000 DM hinausgehen; der niedrigste Teilbetrag lautet auf 100 DM. Der Gesamtbetrag des Darlehens geht vermutlich über 1 Mill. DM. Er soll vorerst bei einem Treuhänder hinterlegt werden. Für die Mittel will man Tankstellen erwerben bzw. errichten, auf die der Treuhänder dann Grundschulden zur Sicherung des Darlehens eintragen läßt.

Diese Regelung bietet dem Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen nicht genügend Sicherheit. Sie hat deshalb diesen Schuldscheindarlehen die „Deckungsstockfähigkeit“ versagt. (Bei Versicherungsgesellschaften wird ein „Deckungsstock“ aus den eingehenden Prämien, also eine Rücklage, gebildet, die dazu dient, die Erfüllung der aus den Lebensversicherungsverträgen übernommenen Verpflichtungen zu sichern. Die Bestände des Deckungsstocks können in bestimmter Höhe auch in Wertpapieren und Schuldscheindarlehen angelegt werden).

Und tatsächlich ist hier die Sicherheit auch nicht frei von Problematik. Bei der Turol AG handelt es sich um ein kleines Unternehmen, dessen Aktienkapital nur 0,2 Mill. DM beträgt (wenn ich richtig unterrichtet worden bin). Im günstigsten Fall kommt man, addiert man Aktienkapital von 0,2 Mill. und das Schuldscheindarlehen von 1 Mill., auf ein Anlagevermögen von 1,2 Mill. DM. Davon sind mehr als 80 v. H. fremdfinanziert. In dieser Relation scheint mir doch ein erhebliche Risiko zu liegen.

Auch einige Begleitumstände stimmen bedenklich. So hieß es in einigen Veröffentlichungen: die Bankenaufsichtsbehörde hat ihr Einverständnis zu dem vorgesehenen Schuldscheindarlehen gegeben. Das ist insofern unrichtig, als eine Genehmigung nicht erforderlich, weil nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Von einer ausdrücklichen Genehmigung kann keine Rede sein. Weiter: Das Münchener Bankgeschäft Dr. Fischer & Co. hatte zunächst die technische Abwicklung der Ausgabe der Inhaberschuldscheine übernommen. Diese Firma hat den ihr von der Turol AG erteilten Auftrag aber inzwischen zurückgegeben. Sie reicht Anträge zur Zeichnung, die sie jetzt noch erreichen, ebenfalls zurück. Das Bankgeschäft Dr. Fischer. & Co. war niemals Treuhänder des Darlehens, sondern nur Ausgabe- und Zahlstelle.

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius