„Die gelegentlich aufgestellte Behauptung, die Kasse finanziere aus dem Beitragsaufkommen der versicherungspflichtigen Mitglieder die Versicherung der Nichtversicherungspflichtigen, entbehrt somit jeder Grundlage.“

(Aus einer Pressemitteilung der BEK zu ihrem Jahresbericht 1958.)

Die Barmer Ersatzkasse nennt sich stolz und mit Recht die größte Angestellten-Krankenkasse der Bundesrepublik. Über 2 Mill. Miglieder, drei Viertel davon wegen der geringen Höhe ihrer Gehälter pflichtversichert, ein Viertel freiwillig versichert, dazu noch weit über 1 Mill. Familienangehörige, erhoffen sich von ihr Hilfe im Krankheitsfall und – wie in gesetzlichen Sicherungsinstitutionen üblich – sozialen Ausgleich. Wegen dieses sozialen Ausgleichs kam es im März 1958 zwischen der BEK und der ZEIT zu Meinungsverschiedenheiten. Die ZEIT stellte damals an Hand des Jahresberichtes 1956 fest, daß die zum großen Teil höher verdienenden freiwillig Versicherten im Verhältnis zu den Pflichtversicherten zu geringe Beiträge in den gemeinsamen Topf taten, also von den Leistungen der Pflichtversicherten mit unterhalten wurden. Der Dachverband der Angestellten-Krankenkassen schob daraufhin die Schuld an diesen wenig erfreulichen Dingen auf die Preisbildungsbehörde im Bundeswirtschaftsministerium ab, die sich bislang uneinsichtig gegen notwendige Beitragserhöhungen gestellt habe.

Seit dem Jahr des Anstoßes 1956 erhöhte die BEK allerdings dann doch noch ihre Beiträge entsprechend ihren Schätzungen, und mit dem vor einigen Tagen vorgelegten Jahresbericht 1958 gibt sie nun Gelegenheit zu untersuchen, ob alles im rechten Lot sei. Die BEK selbst meint „ja“, denn im Jahre 1958 zahlten ihre versicherungspflichtigen Mitglieder nachweislich einen Durchschnittsbeitrag von 268,15 DM, die freiwillig Versicherten aber 360,21 DM, also nahezu 100 DM mehr. Aber diese Rechnung trügt.

Zum einen wird der Durchschnittsbeitrag der Pflichtversicherten durch die vielen Lehrlinge und jungen, gering verdienenden Angestellten stark herabgedrückt. Zum anderen sind auf der Seite der freiwillig Versicherten wesentlich mehr mitversicherte Familienangehörige mit Kassenleistungen zu versorgen als bei den Pflichtversicherten. Auf 100 freiwillig Versicherte entfallen 130,6 Familienangehörige, auf 100 Pflichtversicherte hingegen nur 36,1. Bei einer Überprüfung der beiden Gruppen auf Beitragsgerechtigkeit muß man daher von der Zahl der Anspruchsberechtigten (Versicherte plus Familienangehörige) ausgehen. Dann ergibt sich aber, daß vom Durchschnittsbeitrag eines Pflichtversicherten nur 1,361 Personen (man verzeihe die grausame Teilerei!), von dem eines freiwillig Versicherten aber 2,3065 Personen zehren. Und nun eine Erinnerung an die Quarta:

268,15 DM Beitrag des Pflichtversicherten

1,361 Anspruchsberechtigte