Von Eduard Trier

Im Leverkusener Museum zeigt Udo Kultermann, der vor einigen Monaten die Leitung von Schloß Morsbroich übernahm, sein erste selbständiges Programm, die Ausstellung „Kunstsammler an Rhein und Ruhr“. Diese Aktion hat zumindest den Reiz des Ungewöhnlichen, weil Ausstellungen von Privatbesitz von den Museumsdirektoren zumeist nur als Fazit einer langjährigen beratenden Tätigkeit veranstaltet werden. Vielleicht dachte der neue Museumsdirektor auch daran, mehr Besucher heranzulocken, denn Schaustellungen des privaten Kunstbesitzes sind besonders attraktiv, weil hier die Neugier den Kunstgenuß würzt.

Selbst Kenner der hiesigen Situation und der Ausstellungen, aus denen die Sammler gekauft haben, werden Kultermann bestätigen, daß er mit gutem Spürsinn mehrere Gemälde gefunden hat, die hier noch nicht öffentlich gezeigt worden sind. Als Repräsentation des Mäzenatentums an Rhein und Ruhr kann jedoch seine Auswahl nicht angesehen werden, denn es fehlen wichtige Sammlungen und auch manche Künstler von Rang, die als, Pioniere der Kunst dieser Landschaft gelten. Die Ausstellung ist daher weniger gültig für das traditionelle Sammlertum in Nordrhein-Westfalen als für die Sicht des Leverkusener Museumsleiters, der mit dem unbestrittenen Recht der subjektiven Wertung 65 Bilder ausgesucht hat.

Am aufschlußreichsten sind die Grenzmarkierungen seiner Auswahl, die mit Böcklin und Redon, also zwei Vorläufern der phantastischen Kunst im 19. Jahrhundert, beginnt und bei den „Monochromen“ Yves Klein, Piene und Mack endet. Auch das ist ungewöhnlich und angesichts der brodelnden Woge informeller Malerei schon aus dialektischen Gründen zu begrüßen.

Ich stelle nur diesem Vorschlag einer historischen Entwicklung von Böcklin bis zu den blauen oder weißen Flächen jener monoman-monochromen Bildproduktion die Frage entgegen, ob denn der Weg der modernen Kunst von der Phantasie zur Langeweile verlaufe? Sowenig ich gegen moderne Malerei bin, sosehr bin ich überzeugt, daß die einfarbigen Dekorationsflächen und Punktserien strapazierend monoton sind.

Weitaus interessanter ist der Überblick der vergangenen und gegenwärtigen (polychromen) Malerei, die fast lückenlos dargestellt wird. Kultermann hat auf gängige Namen (kein Picasso!) und regionale Klischees verzichtet, um mit Entdeckerlust die Bilder abseitiger Künstler oder nicht typische Werke herbeizuholen. Daß ich den einen oder anderen Maler vermisse oder für unterbewertet halte, soll nicht nachgerechnet werden, denn jeder wird mit persönlicher Vorliebe wählen.

Die Kritik betrifft nur das Gesamtbild, das sich durch Originalität der Akzentuierung auszeichnet, auch wenn hin und wieder bei der Realisierung der Absichten die malerische Qualität des Einzelwerkes zu wenig beachtet wurde und das monochrome Finale seiner Evolutionstheorie nicht überzeugen kann.