Der Streit um die Zukunft des Volkswagenwerkes geht zu Ende. Selten haben Politiker einen so vernünftigen Vergleich ausgearbeitet wie den, der zwischen Bundesschatzminister Dr. Lindrath und dem niedersächsischen Finanzminister Ahrens zustande gekommen ist. Der Millionenschatz von Wolfsburg wird drei Erben zufließen: dem Staat, der Wissenschaft und einigen hunderttausend Kleinaktionären. Der Wert dieses Automobilwerkes mit seinen annähernd 50 000 Beschäftigten ist so groß, daß alle seine „Erben“ auf ihre Kosten kommen.

Nach seinen letzten Verhandlungen mit dem niedersächsischen Finanzminister machte Lindrath in Hannover einige Zahlenangaben, allerdings mit dem Vorbehalt, daß es sich nur um Annäherungwerte handle. Trotzdem werden diese Zahlen nicht völlig aus der Luft gegriffen sein. Der Minister ging von einem Wert des VW-Werkes von 1 bis 1,2 Milliarden DM aus und von einem mutmaßlichen Aktienkapital von 600 Millionen DM.

Bei einem Ausgabekurs von 200 ergibt sich bei der vorgesehenen Privatisierung von 60 Prozent des Aktienkapitals ein Verkaufserlös von 720 Mill. DM. Diesen stattlichen Betrag will man doppelt nutzen. Zunächst soll er der Stiftung als Eigentum zufließen. Doch die Stiftung soll diese 720 Mill. DM gleich weitergeben an den Bund als langfristiges Darlehen. Während das Geld hier für die Erfüllung allgemeiner Staatsaufgaben zur Verfügung stünde, bekäme die Stiftung etwa 5 Prozent Zinsen für dieses Darlehen, also jährlich 36 Mill. DM.

Der Stiftung soll jedoch für ihren Zweck, Wissenschaft und Forschung zu fördern, noch mehr zukommen, nämlich auch, die Dividenden des Volkswagenwerkes für jene 40 v. H. des Grundkapitals, die sich je zur Hälfte im Besitz des Bundes und des Landes Niedersachsen befinden werden. Bei einer Dividende von 10 v. H. würden der Stiftung also weitere 24 Mill. DM zufließen, so daß jährlich 60 Mill. DM an die Wissenschaft verteilt werden könnten. Den relativ größten Anteil mit reichlich 20 Mill. DM soll davon Niedersachsen für die Förderung seiner Hochschulen bekommen.

Man kann dem Bund nicht vorwerfen, daß er mit der Durchführung dieses Vergleichs öffentliches Eigentum verschleudere; die öffentliche Hand kommt nicht zu kurz. Und die Niedersachsen können darüber zufrieden sein, daß nicht nur ihre Stiftungspläne zu einem erheblichen Teil verwirklicht werden, sondern daß dabei den niedersächsischen Hochschulen auch der Löwenanteil erhalten bleibt. Offensichtlich hat das auch im niedersächsischen Kabinett den Ausschlag gegeben, dem Vergleich in den Grundzügen zuzustimmen.

Selbst die sozialdemokratischen Minister waren nach langen Debatten mit von der Partie. Die Landesregierung hat zwar noch nicht endgültig den Vergleich mit Bonn gebilligt, sich aber bereits zustimmend geäußert.

Grundsätzliche Schwierigkeiten scheinen nicht mehr im Weg zu liegen, denn Bonn soll der niedersächsischen Landesregierung bereits früher ein Mitwirkungsrecht bei dieser Umwandlung zugesagt haben. Die niedersächsischen Wünsche würden also auch bei der Festsetzung des Grundkapitals und des Ausgabekurses der zu privat tisierenden Aktien berücksichtigt.