Der memoirenschreibende Staatschef und seine französischen Leser

Von Armin Mohler

Paris, im November

In der Nacht zum Mittwoch voriger Woche wurde von dem Pariser Verlagshaus Plön eine generalstabsmäßig angelegte Aktion durchgeführt: Als die Pariser am Morgen zur Arbeit gingen, leuchtete ihnen aus den Fenstern aller Buchhandlungen der knallrote dritte Band von de Gaulle? „Kriegserinnerungen“ entgegen.

Die beiden ersten Bände hießen „Der Appell“ (1954) und „Die Einheit“ (1956) und umfaßten die Kampfjahre des „Freien Frankreich“ von 1943 bis 1944. Dieser letzte Band nun handelt von de Gaulles Ministerpräsidentenschaft. Er reicht vom Einmarsch in Paris im Spätsommer 1944 bis zu jenem Tag im Januar 1946, an dem er brüsk die Bürde der Regierung von sich warf und sich zum erstenmal in die Einsamkeit zurückzog. Daß dies, von Anfang an nur eine befristete Einsamkeit sein sollte, zeigt schon der stolze Titel, den der General diesem Band gegeben hat: „Le Salut“ – „Das Heil“.

Dieses Buch ist nicht nur der Abschlußband des Memoirenwerkes über die erste Epoche, in der de Gaulle das Schicksal Frankreichs in Händen hatte. Es soll auch das letzte Buch sein, das er über sich selbst geschrieben hat. „Von nun an sollen andere über mich schreiben.“ Der Band, dessen Manuskript schon seit längerer Zeit fertig ist, erscheint – klug gezielt – in dem Augenblick, in dem die Fünfte Republik aus ihrer pompösen Lethargie zu erwachen scheint und der General de Gaulle für unzählige Franzosen als das sichtbar wird, was sie von ihm erhofften: als der Chef, der sein Volk aus der algerischen Sackgasse herausführt.

Salut, mon General!