–ne, Arnsberg

Wer das südwestfälische Sauerland kennt, das „Land der tausend Berge“, der weiß, daß es wie geschaffen wäre, ein großes Schutzgebiet zu werden. Mit der herben Schönheit seiner Wälder, den stillen Tälern seiner Flüsse, seinen Talsperren und Wanderwegen ist dieses Land die glückliche Ergänzung zum Industriegebiet, vor dessen, Toren es liegt.

Die bemerkenswertesten Schönheiten des Sauerlandes finden sich wohl im Kreise Brilon. Hier liegen die Bruchhauser Steine, hier weitet sich, vom „Kahlen Asten“ überragt, das Hochplateau von Winterberg, zu dem das obere Ruhrtal heranführt. Brilon selbst war einst berühmt, weil seine Bürger keine Steuern an die Gemeinde zu zahlen hatten. Die Wälder machten die Gemeinde reich genug. Auch die „Hochheide“ bei Niedersfeld, ein Naturschutzgebiet von großem Reiz, liegt im Kreise Brilon.

Aber auch Steinbrüche und Sägewerke gibt es hier. Meist sind sie unauffällig angelegt. Der Berg dagegen, dem der Unternehmer Günther zu Leibe rücken will, ist die bei Hildfeld gelegene Nase eines Rückens, auf der sich die „Hochheide“ streckt. Der Berg besteht aus Gestein, das für den Straßen- und den Gleisbau besonders gut zu verwenden ist. Reiche Geschäfte winken. Wie eine große, offene Wunde in der Landschaft würde dieser Steinbruch wirken.

Unternehmer Günther denkt noch weiter. Geschäfte in „Steine und Erden“ sind immer ein Transportkostenproblem. Diese Steine hier müssen nach Siedlinghausen befördert werden. Dazwischen liegen, eines schöner als das andere, drei Täler, das, Grönebachtal, das Ruhrtal und das Negertal. Der zielstrebige Unternehmer wählt den kürzesten Weg: Er baut eine Seilbahn.

In einer neuen, den Landschaftsschutz betreffenden Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster findet sich der Satz: „Werke der Technik dagen stehen im Gegensatz zur Natur.“ Wer hätte das nicht schon angesichts der Seilbahnen im Gebirge empfunden? Immerhin, sie schmiegen sich meist ziemlich unauffällig an den Berg. Der Unternehmer Günther aber will seine Seilbahn – wie über ein Zechengelände – quer über die Taler führen. Es gibt wohl nichts, was die Landschaft mehr stören könnte. Welchen Aufstand hat der Plan des „Tausendfüßlers“, einer quer durch die Innenstadt von Düsseldorf führenden Hochstraße, verursacht. Sie zerreiße alle Linien, rief man.

Daß Günther weit Schlimmeres im Schilde führt, haben die Gemeinderäte offensichtlich nicht erkannt. Ihnen klarzumachen, das Wohl der Gemeinde werde durch ein blühendes wirtschaftliches Unternehmen nachhaltig gefördert, war vielleicht nicht allzu schwer. Auch die zweite Hürde, die amtliche, wird Günther so genommen haben. Aber daß er im Kreistag nicht gescheitert ist, das ist – ja, das ist es eben.