Wir leben, heißt es, in einer modernen Welt, in der überkommene Vorurteile mehr und mehr schwinden. Und wir leben in einer Wirtschaftsordnung, die durch die Gesetze des Freien Marktes bestimmt wird. Nun aber erregt in diesen Tagen eine Frage die Öffentlichkeit, bei der überkommene Vorurteile jene nüchternen Gesetze fatal beeinträchtigen.

Die Butter ist knapp geworden, und mit ärgerlichem Stirnrunzeln haben die Hausfrauen vermerkt, daß der Preis pro Pfund inzwischen auf vier Mark gestiegen ist. Aber sie kaufen weiter...

Dabei sind sich alle Fachleute darüber einig, daß der Butterpreis sogleich wieder fallen würde, wenn nur ein kleiner Prozentsatz der Hausfrauen „ausweichen“ würde. Ausweichen nämlich auf die Margarine.

Doch ach, die Hausfrauen wollen nicht so, wie sie nach der Wirtschaftstheorie sollten. Bei ihnen spukt noch immer die Vorstellung, daß es „feiner“ sei, Butter zu essen – Verzeihung, „gute Butter“. Und es macht ihnen offenbar auch wenig Eindruck, daß Ärzte längst erklärt haben, Butter und Margarine könnten sich, was ihren Wert für die Gesundheit anlange, gegenseitig den Rang nicht mehr streitig machen.

Es ist eben das Prestige, das zählt. Und das ist den Hausfrauen fünf Mark Preisdifferenz (pro Kilo) offenbar wert.

Fünf Mark – soviel kostet etwa ein Paar Strümpfe. Na? H. G.