Die Integration der internationalen und speziell der europäischen Kapitalmärkte schreitet seit der Einführung der Ausländer-Konvertibilität rasch voran. Im Zusammenhang damit hat auch das deutsche Interesse an den ausländischen Aktienmärkten in letzter Zeit zugenommen. DIE ZEIT trägt dieser Entwicklung Rechnung und veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Kurzberichte über das Börsengeschehen im europäischen Ausland. Hier ein Überblick über die Londoner Börse.

In anhaltender Wahlhausse sind Londons Aktienkurse zum letzten Wochenende im Financial Times-Index über die 300er Schwelle hinaus auf den neuen absoluten Rekord von 302 1/2 vorgestoßen. Noch vor Monatsfrist waren sie mit kaum mehr als 250 ausgewiesen worden. Obschon der Investor auf der Suche nach überdurchschnittlichen Renditen sich nun zunehmend den Festverzinslichen zuwendet, haben sich Blue Chips seither also um nicht weniger als 20 v. H. befestigt. Nach wie vor deutet noch nichts auf ein unmittelbares Bevorstehen der vorausgesagten scharfen Reaktion nach unten hin.

Dennoch wird in Kreisen der Makler jetzt ausgesprochenes Unbehagen laut. Die längerfristigen Kursaussichten bleiben zwar gut. Erstmals wieder seit Vorkriegszeiten kann die heimische Wirtschaftspolitik betont auf Expansion hinzielen, ohne um die Geldwertstabilität fürchten zu müssen. Die aus den Industrien einlaufenden Bilanznachrichten zeugen fast durchweg von wachsender Ertragskraft und einer stets freigiebigeren Dividendenpolitik. Im Prämienhandel überwiegt daher weiterhin die Nachfrage nach Kaufoptionen.

Zugleich sind, die Renditen vieler erstrangiger Titel aber bereits auf 3 v. H. und sogar 2 v. H. geschrumpft und ist die Zukunft damit schon in einem Maße vorausgenommen worden, das um so mehr zur Vorsicht mahnt, als die Inflation tatsächlich überwunden zu sein scheint und eine große Gruppe von Anlegern noch immer eher auf Kapitalerträge als auf Kursgewinne ausgeht. Unter dem Einfluß der jüngsten Euphorie ist aber wahllos gekauft worden. Normalerweise reservierte Anleger wurden zu leichtfertigen „Spekulanten“. Mit der Wahrscheinlichkeit eines baldigen Rückschlags sollte man rechnen.

Ob diese Reaktion heftig und nachhaltig sein wird, steht dahin. Wenn manche Interessenten zur Konsolidierung ihrer Gewinne jetzt in eine zeitweilige Rentenanlage ausweichen, dann gehen sie Spesen ein, die eine kostenlose Rückkehr in das Aktien-Investment erst nach dessen 8- bis 10prozentiger Verbilligung ermöglichen würde. Zu einer Kursrückbildung solchen Ausmaßes dürfte es kaum kommen. Immerhin neigen besonders die aus jüngsten heimischen Erfahrungen gewitzigten kontinentalen Käufer zunehmend zum Aussteigen. R. N.

Zwischen dem Zigaretten-Konzern Reynolds und der zur Spitzengruppe der deutschen Zigarettenindustrie gehörenden Haus Neuerburg KG (Köln) werden unter dem Vorzeichen des Gemeinsamen Marktes gegenwärtig Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt. Über deren Form, die von der Lizenzvergabe bis zur Beteiligung reichen könnte, ist eine Entscheidung erst um die Jahreswende zu erwarten. Ein Verkauf von Neuerburg an die amerikanische Gesellschaft ist jedenfalls, wie die Verwaltung betont, nicht beabsichtigt.