Die Minister Erhard und Schwarz haben sich den Kopf darüber zerbrochen, was sie gegen die steigenden Agrarpreise unternehmen können und sollen. Ihre erklärte Vorliebe für zollpolitische Gegenmaßnahmen wird von den Sozialdemokraten geteilt. Nicht geteilt wird sie indes von den Bauern. Das brauchte nicht zu überraschen, hätte der Deutsche Bauernverband seine Ablehnung nicht auf eine beinahe schon sensationelle Weise begründet.

Der Bauernverband ist gegen eine „Aussetzung“ des Butterzolls und weist darauf hin, daß diese Maßnahme ebenso wie die jüngsten Zollmanipulationen bei den Kartoffeln wirkungslos bleiben würden. Statt dessen – und jetzt kommt’s – sei es besser, sich der staatlichen Einfuhr- und Vorratsstelle zu bedienen, die „ausdrücklich mit der Aufgabe eines stabilisierenden Marktausgleichs in die Marktordnung eingebaut ist“. Nach Meinung der Bauern kann ausländische Butter auch ohne Verzicht auf den Zoll zu „angemessenen Preisen“ auf den westdeutschen Markt gebracht werden.

Indes ist es nützlich, sich die Wirklichkeit des derzeitigen Buttermarkts mit Hilfe einiger Zahlen zu vergegenwärtigen. Diese Zahlen bestätigen klipp und klar die Vermutung, daß zur Zeit ein Haar in der Butter sein muß. Es zeigt sich folgendes: Die deutsche Butterproduktion hat im Oktober rund 26 300 t erbracht. Im Oktober der beiden Vorjahre haben die westdeutschen Molkereien 28 000 t (1958) bzw. 25 600 t (1957) Butter produziert. Die Oktoberproduktion dieses Jahres blieb also um etwa 1700 t oder 6 v. H. hinter dem vergleichbaren Vorjahresergebnis zurück. Die Oktoberzahlen aus 1957 werden indes um 700 t oder rund 3 v. H. übertroffen.

Trotz der Minderproduktion dieses Jahres war der Butterabsatz an den Handel in diesem Oktober aber um 10 v. H. größer als im Vorjahr. Im vergangenen Monat wurden nach vorläufigen Unterlagen rund 35 9001 Butter an den Handel weitergegeben, das waren 3300 t mehr als im Vorjahr. Von einer Butterknappheit – als Grund für Preiserhöhungen – kann also keine Rede sein. Wäre die zusätzliche Menge an abgesetzter Butter tatsächlich bis in die Einzelhandelsgeschäfte gelangt, so müßten die Verbraucher pro Woche 750 t Butter mehr verbraucht haben. Eine solche Verbrauchssteigerung ist aber unwahrscheinlich. Im Gegenteil, aus dem Rhein-Ruhrgebiet wird gemeldet, daß Buttereinzelhändler Kontingenzelt zu privaten Kontingentierungen übergegangen sein diese Einzelhändler tatsächlich zuwenig Butter zu einem bestimmten Preis bekommen konnten. Es bleibt dann aber noch immer die Frage: Wo ist die Butter geblieben?

Das Haar in der Butter muß also aus anderen Quellen stammen. Und in Bonn hält sich die Behauptung, daß gewisse sensationelle „Aufwertungen“ von Butterpreisbewegungen die Spekulationslust mancher Händler etwas stark angeregt haben könnten... M. D.