Lange Monate hindurch befanden sich die Investment-Gesellschaften in einem fatalen Zwiespalt. Einerseits lag ihnen natürlich daran, den Absatz ihrer Zertifikate zu forcieren, denn das ist schließlich ihr Geschäft, auf der anderen Seite mußten sie aus Verantwortung vor den neuen Investment-Sparern kurztreten, denn in den „heißen“ Sommermonaten hatten die Aktienkurse nach Meinung fast aller Börsenexperten einen Kursstand erreicht, der den Keim eines kräftigen Rückschlages bereits in sich barg. Wer damals Investment-Zertifikate erworben hat, ist dann auch in den Strudel der herbstlichen Abwärtsbewegung mit hineingerissen worden; er hat also „auf dem Papier“ sofort Geld verloren. Da jedoch Investment-Zertifikate eine langfristige Anlage darstellen sollen, sind die Papierverluste nicht tragisch. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre kann es als sicher gelten, daß die Höchstpreise eines Tages wieder erreicht werden. Einen Termin für diesen Zeitpunkt zu geben, ist, meine verehrten Leser, natürlich nicht möglich. Die letzten Börsentage haben Ihnen jedoch gezeigt, wie schnell sich das Börsenwetter bessern kann.

Drei Nachrichten sind für die Investment-Sparer von Bedeutung:

  • Fondak (Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft mbH, München-Düsseldorf) wird erneut gesplittet. Auf einen Fondak-Anteil wird ein weiterer gratis ausgegeben. Der Preis liegt zur Zeit bei rund 240 DM, nach dem Split wird er auf 120 DM halbiert.
  • Investa (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen mbH, Frankfurt/Main) bereitet eine Ausschüttung für das am 30. Sept. 1959 beendete Geschäftsjahr von 5 DM je Anteil vor. Der Ausgabepreis liegt hier bei rund 127 DM. Im Vorjahr wurden auf den damals noch ungesplitteten Anteil 7 DM ausgeschüttet.
  • Unifonds (Union – Investment – Gesellschaft mbH, Frankfurt Main) zahlt für das am 30. Sept. 1959 beendete Geschäftsjahr einen Betrag von 4,20 DM je Anteil aus. Im Vorjahr waren es 3,50 DM.

Der Split eines Investment-Anteils hat für den Besitzer des Stücks, wie Sie, meine verehrten Leser, wissen, keinen finanziellen Vorteil. Die Stücke werden, durch die Halbierung des Abgabepreises lediglich handlicher. Das wiederum erleichtert den Neuabsatz der Papiere. Wenn ich den Fondak-Split hier dennoch hervorhebe, dann deshalb, weil es mit ihm seine besondere Bewandtnis hat. Vor wenigen Monaten waren nämlich die für diesen Fonds Verantwortlichen fest entschlossen, keinen Split vorzunehmen, weil sie einen vermehrten Absatz der Zertifikate geradezu fürchteten! Der Fonds – aufgelegt 1950 – enthält eine Reihe erstklassiger Spezialitäten, die in den Hausse-Monaten nicht zu beschaffen waren. Auf diese „goldgeränderten“ Papiere ist man stolz, und ein Zustrom neuer Mittel hätte zwangsläufig zu einer Verwässerung des Fonds deshalb führen müssen, weil der Anteil dieser goldgeränderten Stücke am Fondsvermögen zurückgegangen wäre, denn sie waren – wie gesagt – nicht zu beschaffen. Inzwischen hat sich aber auch die Marktlage der „Seltenheitsstücke“ aufgelockert. Hin und wieder werden solche Papiere – natürlich zu hohen Kursen – angeboten. Diese veränderte Situation will Fondak nun ausnutzen, um seinen Anteil zu splitten, denn die Gefahr einer Verwässerung besteht zur Zeit nicht. Übrigens: Wer 1950 einen Fondak-Anteil erworben hat, versechsfachte den Wert dieser Vermögensanlage. Außerdem erhielt der Fondak-Besitzer in dieser Zeit noch eine gute Verzinsung.

Der Unifonds hat sich zu einem Split bislang nicht entschließen können, obgleich sich der Wert des einzelnen Anteils seit seiner ersten Ausgabe am 12. April 1956 mehr als verdoppelt hat. Allerdings ist der Unifonds von einem Preis von 50 DM ausgegangen, während die anderen Fonds mit 100 DM starteten. Wenn im Unifonds-Geschäftsbericht festgestellt wird, daß die derzeitige Höhe des Ausgabepreises (etwa 104 DM) auch heute noch Kleinanlegern die Möglichkeit eines Erwerbs von Unifonds-Anteilen bietet, dann besagt dies doch nichts anderes, als daß die ursprüngliche 50-DM-Stückelung für die heutigen Verhältnisse nicht mehr unbedingt passend ist.

Recht interessant ist die Zusammensetzung des Fonds. Über die Einzelheiten der Entwicklung gibt die Tabelle Auskunft. Es zeigt sich dabei, daß der Anteil des Barvermögens am 30. September 1959 gegenüber dem 31. März 1959 mehr als verdoppelt wurde. Demnach scheint der Fonds zu den hohen Sommerkursen realisiert, also durchaus marktgerecht gehandelt zu haben. Tatsächlich finden wir in der Ertragsrechnung auch realisierte Kursgewinne von 1,3 Mill. und verkaufte Bezugsrechte für 1,4 Mill. DM. Hätte man diese Posten zusammen mit den Zins- und Dividendeneinnahmen (2,8 Mill.) voll für die Ausschüttung verwendet, wäre sie noch respektabler als jetzt 4,20 DM je Anteil geworden. Darauf hat man aber verzichtet und rund 0,49 Mill. DM auf das Anlagekonto übertragen. Wahrscheinlich ist ein Teil dieses Betrages inzwischen wieder angelegt worden. Für den Wertpapiersparer mag von Bedeutung sein, daß Unifonds sich vollständig von folgenden Aktien getrennt hat: Berliner Kraft- und Licht (BEWAG) -AG (Berlin-Risiko?), Bremer Woll-Kammern, Heinrich Bergbau AG, Schiess AG, Zeiss Ikon AG. Abgestoßen wurden auch die 6 1/2prozentigen Buderus’sche Eisenwerke Wandelschuldverschreibungen von 1952. Aktien folgender sieben Gesellschaften wurden neu in den Fonds aufgenommen: Binding-Brauerei AG., Chemie-Verwaltungs AG, Handelsunion AG, Hoffmann’s Stärkefabriken AG, Kundenkreditbank KGaA Rheinisch-Westfälische Boden-Credit-Bank und Schubert & Salzer. Nicht verschwiegen werden soll, daß sich der Fonds auch von einem Teil der HEW-Aktien getrennt hat, was angesichts der unsicheren Dividendenaussichten verständlich ist.

Für das neue Geschäftsjahr ist der Unifonds optimistisch. Er erwartet aus höheren Dividenden steigende Einnahmen. Über die kommende Kursentwicklung schweigt sich die Verwaltung aus. Die Einbehaltung eines Teiles der realisierten Kursgewinne deutet jedoch darauf hin, daß man langfristig durchaus zuversichtlich gestimmt ist...

Das kann man auch sein! Ihr Securius