Ein Konzern, der als erster seiner Branche den Bilanzreigen eröffnet, hat zwar das größere Interesse der Öffentlichkeit an den Zahlen auf seiner Seite, aber er kann auch Pech haben mit seinem – im Vergleich zu seinen „Branchengenossen“ – früheren Bilanzierungstermin. Das trifft diesmal für die Klöckner-Werke AG, Duisburg, zu. Der Bilanztermin (30. 6.) – das Gros der Montanunternehmen schließt per 30.9. ab – bringt den Abschluß der Klöckner-Gruppe besonders nachdrücklich in den Ausstrahlungsbereich der hinter uns liegenden Stahlkrise. Sie galt erst als überwunden, als das Geschäftsjahr dieses Unternehmens schon fast herum war. Das Ergebnis von 1958/59, über das Klöckner jetzt berichtet, ist daher nicht in dem Maße Von der wieder angelaufenen Stahlkonjunktur aufgehellt, wie das bei den später folgenden Abschlüssen der anderen Montankonzerne der Fall sein wird. Das zeigt sich eindeutig in der Dividende, die wieder mit dem schon fast traditionellen Satz von 8 v. H. auf 250 Mill. DM Aktienkapital zum Vorschlag kommt. Damit schneiden die Klöckner-Aktionäre schlechter ab als die Inhaber vieler anderer Montanpapiere, für die heute schon so gut wie feststeht, daß darauf höhere Ausschüttungen vorgenommen werden. In einer Pressekonferenz betonte die Verwaltung sogar, daß die Beibehaltung des Dividendensatzes schon schwierig und „ohne die letzten (guten) 2 1/2 Monate gar nicht zu schaffen“ gewesen wäre. Den Wiederaufschwung am Stahlmarkt werden die Aktionäre bei Klöckner also erst mit dem nächsten Geschäftsabschluß zu spüren bekommen. Der Vorstand, der bis in die Mitte des nächsten Jahres hinein mit einem störungsfreien Stahlmarkt rechnet, hält deshalb im laufenden Geschäftsjahr eine Dividendenerhöhung für möglich.

Das Wiederanziehen der Stahlkonjunktur ist in den letzten Monaten im Klöckner-Bereich mit Freude registriert worden. Im Oktober hat die Rohstahlproduktion des Konzerns erstmalig 200 000 t überschritten. Die Kapazitätsausnutzung ist nach den Angaben des Vorstandes an der „durchhaltbaren“ Grenze angelangt, und das vorliegende Auftragspolster sichert eine Beschäftigung für mehrere Monate.

Das Geschäftsjahr 1958/59 hat der Klöckner-Gruppe indessen unvergleichlich harte Nüsse zu knacken gegeben. Bei den Kohletöchtern sah es – und sieht es noch – ganz finster aus, und auf die Eisenseite der Konzernfamilie fielen erst im Frühjahr die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Die Klöckner-Zechen hatten am Bilanzstichtag 451 000 t Kohle und 159 000 t Koks auf Halde liegen, obwohl die Kohlenförderung um 3,7 und die Kokserzeugung sogar um 15,1 v. H. gedrosselt worden war. Auch im Stahlbereich der Gruppe haben die Absatzschwierigkeiten die jahrelange Aufwärtsentwicklung der Produktion zum ersten Male unterbrochen. Die Kapazitätsausnutzung der Hüttenwerke ging im Laufe des Berichtsjahres bis auf 74 v. H. zurück.

Dementsprechend blieb die Rohstahlerzeugung mit 1,82 (2,00) Mill. t um 8,8 v. H. unter der Vorjahrsziffer. Die Roheisenproduktion wurde um 8,9 v. H. auf 109 (1,2) Mill. t gedrosselt, und die Wa1zstahlerzeugung erfuhr sogar einen Rückgang um 10,2 v. H. auf 1‚38 (1,54) Mill. t. Die Anteile der Klöckner-Werke an der Gesamterzeügung der Bundesrepublik konnten dabei jedoch annähernd gehalten werden. Sie betragen für Roheisen 6,7 (6,7), Rohstahl 8,0 (8,2) und für Walzstahl 8,6 (8,8) v. H.

Erstmalig gibt nunmehr auch Klöckner eine mengenmäßige Aufschlüsselung seines Walzprogramms, das von dem allmählich flügge gewordenen Konzern-Küken, der Hütte Bremen, bereits entscheidend beeinflußt wird. Durch das Bremer Werk, das in seiner bisherigen Ausbaustufe jetzt auf vollen Touren läuft, hat der Konzern ein wertvolles Schwergewicht auf der Flachstahlseite erhalten. Im Berichtsjahr hat die Blechproduktion insgesamt mit 342 000 (253 000) t bereits 24,7 (16,5) v. H der Klöckner-Walzstahlerzeugung bestritten. Die Marktanteile des Konzerns haben sich entsprechend bei Grobblech auf 7,4 (4,8), Mittelblech 8,7 (7,0) und bei Feinblech auf 5,7 (3,3) v. H. erhöht.

Daß die Bremer Hütte ihre ersten Gehversuche auf dem Stahlmarkt ausgerechnet in den Monaten des erbitterten Ringeins um Aufträge zu meistens miserablen Preisen machen mußte, hat diesem jungen Konzernsproß offenbar nicht geschadet. Die Produktionszunahme und eine beachtliche Umsatzsteigerung (die nicht genannt wird) des Nordseewerkes konnten die Einbußen der Altwerke sogar beträchtlich mildern. Klöckner hat im Geschäftsjahr 1958/59 einen Fremdumsatz (einschl. Königsborn-Werne) von 1386 (1519, diese Zahl ist vergleichbar) Mill. DM erreicht, das sind 8,7 v. H. weniger als im Vorjahr. Dabei war der Rückgang der Eisen- und Stahlseite auffallend größer als die Umsatzminderung der Zechen. Im Stahlgeschäft wurden 1010 (1118) Mill. DM – 9,6 v. H. weniger als in 1957/58 – erlöst, und bei den Zechen belief sich der Umsatz auf 253,2 (268,3) Mill. DM, das entspricht immerhin nur einem Rückgang von 5,6 v. H. Der Exportanteil am Stahlfremdumsatz ist von 22,7 auf 24 v. H. gestiegen. Das bedeutet, daß auch die Klöckner-Werke sich zwar ohne Begeisterung, aber aus Gründen der Beschäftigung ihrer Anlagen auf den stark umkämpften Exportmärkten getummelt und lieber die unzureichenden Preise in Kauf genommen haben, als die Beschäftigung noch weiter zu drosseln. Daß sich damit der Anteil der ungünstigen Geschäfte vergrößert hat, zeigt sich nicht nur in den stark abgesunkenen Umsätzen, sondern vor allem auch in der Ertragsrechnung.

Auf nähere Angaben, wie sich die Ertragslage bei den verschiedenen Konzerngliedern entwickelt hat, verzichtet Klöckner auch in diesem Jahre. Die Verwaltung betont lediglich, daß die Kohle am schlechtesten abgeschnitten hat.