Bisher: Stellungskrieg in Europa, Bewegungskrieg in Asien – jetzt umgekehrt?

Nikita Chruschtschow macht sich neuerdings Sorgen um den lieben Gott: „Wenn die Gläubigen im Westen zu Gott beten, er möge unsere Völker vom Kommunismus befreien, und wir um Befreiung ihrer Völker vom Kapitalismus beten, dann bringen wir ihn in eine schwierige Lage“, meinte das Haupt des internationalen Kommunismus; „denn“, so fuhr er fort, „wenn Gott es mit der Mehrheit hält, wenn er also wirklich auf dem Boden der Demokratie steht, dann wird seine Entscheidung zugunsten der Kommunisten ausgehen.“

Man stützt. Ist da nicht vielleicht wirklich was dran – ich meine an dem statistischen Teil jener Aussage? In Gedanken begann ich zu summieren: 600 Millionen Chinesen plus 200 Millionen Sowjetrussen plus... Ja, wie sieht wohl die Bilanz aus?

Manchmal wird die gegenwärtige Situation deutlicher, wenn man etwas zurückblättert. Als ich 1954 und 1957 von einer Asienreise zurückkam, war mein stärkster Eindruck: Wenn Indien, das zwar von der politischen Idee des Kommunismus nicht besonders angezogen ist, aber angesichts seiner wirtschaftlichen Misere fasziniert ist von der Vorstellung, es der Sowjetunion wirtschaftlich gleichzutun, wenn Indien sich aus eben diesem Grunde dem kommunistischen System zuwenden sollte, dann wäre es um das Gleichgewicht zwischen Ost und West geschehen. Und daß ein System, mit dessen Hilfe man sich gewissermaßen am eigenen Schopf aus dem Elend ziehen kann, für die Völker Asiens ungeheuer anziehend erscheinen muß, das kann man gut verstehen; denn ist nicht Rußland mit diesem System in 30 Jahren von einem primitiven analphabetischen Agrarstaat zur zweiten Großmacht der Welt geworden?

Damals also, vor fünf Jahren, und auch noch vor zwei Jahren schien dies in der Tat eine Anfechtung für Indien. 400 Millionen Kommunisten mehr in Asien – das hätte die Waagschale endgültig zugunsten des Ostens neigen können. Inzwischen aber ist viel geschehen. Dinge, die weniger Rußland als das kommunistische China in den Augen vieler Asiaten zu imperialistischen Aggressoren stempelte: die Eroberung von Tibet, der Überfall auf die indische Grenze in Assam und Ladak, die Auseinandersetzung mit Indonesien über die chinesischen Minderheiten.

Im vorigen Monat reiste der indonesische Außenminister Subandrio nach Peking, um dort über das Schicksal der in Indonesien lebenden Chinesen zu verhandeln. Die indonesische Regierung hatte den ausländischen Händlern“, von denen 80 v. H. Chinesen sind, die Ausübung ihres Gewerbes auf dem Lande verboten, um zu verhindern, daß die Bevölkerung ausgebeutet wird, und wohl auch, weil jene Chinesen vielfach als Fünfte Kolonne Pekings agieren.

„Tributpflichtiger Vasall“