an. Sternberg

Sternberg ist eines jener deinen mecklenburgischen Landstädtchen, die man kaum dem Namen nach kennt. Und doch entstand dort eine „Bewegung“, die sich über das ganze Gebiet der Zone ausgebreitet hat. In Sternberg wurde im Sommer 1955 die erste „Hausfrauenbrigade“ der „DDR“ aufgestellt.

Den Anstoß dazu gab Magdalena Petzold, eine kräftige Frau in den Vierzigern, Mutter von sechs Kindern und SED-Genossin. Sie hatte vor vier Jahren acht Parteigenossinnen zusammengetrommelt, um gemeinsam Erntearbeit auf einer „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft“ bei Sternberg zu leisten.

Die SED-Presse hat der Sternberger „Initiatorin“ manche Kränze gewunden und Walter Ulbricht hat des öfteren auf ihr „vorbildliches Handeln“ hingewiesen. Auch in seiner letzten Planrede vor der Zonenvolkskammer erwähnte der SED-Sekretär die Mustergenossin lobend. Nicht jedoch wegen ihrer bemerkenswerten Einsicht in volkswirtschaftliche Zusammenhänge, sondern weil Leni Petzold und ihre Erntehelferinnen unter den ersten waren, die den „Schritt von der Hausfrauenbrigade zur ständigen Produktionsbrigade wagten.

Die Brigade Petzold setzte zu diesem Schritt schon vor einem Jahr an: seit November 1958 arbeiten die mecklenburgischen Hausfrauen-Aktivistinnen im „VEB Bau Sternberg“. Leni Petzold fragte bei der Leitung des „volkseigen nen“ Baunternehmens an, ob man für die Frauen auch im Winter etwas zu tun habe. Das Angebot war sehr willkommen, denn der Betrieb war mit der Planerfüllung im Rückstand. So erschien Genossin Petzold am 24. November des vergangenen Jahres mit fünf gleichermaßen arbeitseifrigen Frauen auf dem Bau, und die Frauen begannen beim Ausschachten zu helfen.

Über den „Weg der Brigade Petzold“ berichtete die Schweriner Bezirkskorrespondentin des „Neuen Deutschland“. Sie erzählte „von dem schwierigen Durchsetzen gegen die Sticheleien der Männer“, feierte den Elan bei der Normerfüllung über das Soll hinaus und schilderte dramatisch den „Kampf gegen Schlendrian und Selbstzufriedenheit“, für „Arbeitsdisziplin und Qualitätsarbeit.“ Wir Frauen waren immer mit ganzem Herzen bei der Sache“, erfuhr sie von der Genossin Leni, „und am 1. Mai 1959 kamen wir überein, ständig als Produktionsbrigade im (Bau-)Betrieb zu bleiben. Wir helfen, die Ställe in der Landwirtschaft schneller zu bauen. Dadurch bekommen die Genossenschaften Platz für das Vieh und können mehr produzieren.“

In der Tat: die Sternberger Bauarbeiterinnen tummeln sich so recht nach dem Herzen der Partei. Sie konnten am 10. „DDR“ – Jahrestag einen „Planvorsprung“ von 12,7 Tagen melden, und sie beteiligen sich beim Wettbewerb um den „Ehrentitel“ einer „Brigade der sozialistischen Arbeit“.