–r, Saarbrücken

Bernd Markus Antoinette sagte der Vater fest, als er auf dem Standesamt nach den Vornamen gefragt wurde, die für seinen neugeborenen Sohn ins Geburtenbuch eingetragen werden sollten. „Bernd Markus Antoinette“, wiederholte er. Der Beamte aber weigerte sich strikt, Antoinette ins Geburtenbuch einzutragen. Jungen dürften nur männliche Vornamen haben. Zum Beispiel: Anton.

Der Vater tat darauf, was jedem Bürger gegen Behördenwillkür offensteht: Er ging zum Richter. Der solle den Standesbeamten „anhalten“, wie es im einschlägigen Personenstandsgesetz heißt, Antoinette einzutragen. Sein Junge, trug der Vater vor, müsse den Namen seiner Patentante erhalten. Als Kompromißvorschlag unterbreitete er dem Gericht Antonia. Jedenfalls war er mit „Anton“ nicht zufrieden, da die Patentante nun einmal einen weiblichen Namen habe.

Das Amtsgericht freilich ließ nicht mit sich handeln. So wenig Kompromißfreudigkeit verdroß den Vater und ging in die nächste Instanz. Das Landgericht dachte denn auch anders über die Sache: Wenn der Junge zwei männliche Vornamen habe, von denen einer als Rufname dienen könne, sei gegen zusätzliche weibliche Namen von, Rechts wegen nichts einzuwenden. Das Gericht wies auf ein illustres Vorbild hin: Rainer Maria Rilke.

Aber jetzt war aus der Frage etwas geworden, das ihr Zukunft verhieß: eine Grundsatzfrage. Der Vorgesetzte des Standesbeamten zog die Sache an sich; er legte weitere Beschwerde beim Oberlandesgericht in Saarbrücken ein. Den gelehrten Herren dort fiel auch etwas Neues ein. Ei solle zwar, so meinten sie, bei Bernd Markus Antoinette bleiben, damit aber Klarheit über den Rufnamen bestehe, sei Bernd zu unterstreichen.

Da indes das Oberlandesgericht Darmstadt und das Bayerische Oberste Landesgericht in ähnlicher Fällen schon einmal gegen die weiblichen Vornamen entschieden hatten, mußten die Saarbrücker, die sich dieser Rechtsprechung nicht anschließen wollten, die Sache dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorlegen. So kam Bernd Markus (Antoinette?), der inzwischen den Amtsrichter, die Zivilkammer beim Landgericht (drei Richter), der Zivilsenat beim Oberlandesgericht (ebenfalls drei Richter) beschäftigt hatte, vor den Vierten Zivilsenat des obersten deutschen Gerichts. Die dort zuständigen fünf Richter machten es sich mit der Akten, die weit schneller gewachsen waren als Bernd M. A., nicht leicht. Die Urteilsbegründung umfaßt Seiten.

Zwar haben die Eltern, heißt es darin, das alleinige Recht der Namensgebung. Aber sie müssen sich dabei an das Herkommen halten. Und das gibt Mädchen weibliche. Jungen männlich“ Vornamen. Maria sei eine religiös begründet-Ausnahme. Eine Mischung verschiedengeschlechtlicher Vornamen würde Verwirrung in den Registern, Karteien und Formularen stiften, die das Kind noch zu passieren habe. Bernd als Rufnamen zu unterstreichen, sei ohne rechtliche Bedeutung so daß Bernd sich theoretisch auch Antoinette rufen lassen könne. Das Gesetz kenne eben nur gleichberechtigte Vornamen.