Wenn es nach den Gerüchten ginge, die in den Hauptstädten des Vorderen Orients kursieren, dann hätte der irakische Ministerpräsident Kassem ausgespielt. In Amman (Jordanien) heißt es, beim nächsten Attentat käme Kassem nicht mehr mit dem Leben davon, und in Teheran wird gar erzählt, er sei schon tot. Bei all diesen Meldungen ist der Wunsch der Vater des Gerüchtes.

In Amman trafen sich am Montag König Hussein und der Schah von Persien zu einem Gespräch über die Lage im Irak. Eine Beiruter Zeitung berichtete außerdem von einer geheimen Unterredung zwischen Hussein und König Saud, die in den letzten Tagen stattgefunden haben soll.

Aber nicht nur die recht machtlosen Könige haben sich gegen Kassem verschworen, auch die Spannungen zwischen dem irakischen Ministerpräsidenten und Nasser haben sich verschärft. Der ägyptische Staatschef ist alarmiert durch die wachsende Unruhe in Syrien. Er befürchtet offenbar das Wiedererwachen der alten Idee des „furchtbaren Halbmondes“, also eines irakisch-syrischen Zusammenschlusses.

Die Ernennung Marschall Amers, des Oberbefehlshabers der Armee, zum Hohen Kommissar in Syrien, gilt als Zeichen dafür, daß Nasser diesen politischen Strömungen mit aller Härte entgegentreten will. Die Konzentration der Armeen an der irakischen Grenze gilt als weiterer Beweis. Amers Aufgabe ist es, die Fusion zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil der Vereinigten Arabischen Republik – also zwischen Syrien und Ägypten – zu beschleunigen und damit von vornherein alle gefährlichen Entwicklungen zu blockieren. Auf jeden Fall aber ist Amers Ernennung ein harter Schlag für den syrischen Nationalstolz. Nicht genug, daß das Land von einem Ägypter in Kairo regiert wurde, sagen die Syrer, jetzt wird es sogar von einem Ägypter in Damaskus unter der Fuchtel gehalten.

Die Nachbarn Syriens sind vorsichtig in der Beurteilung von Nassers Schritt. Kündigt er eine neue imperialistische Welle an oder ist es ein Hinweis darauf, daß die Vereinigte Arabische Republik mit ihren eigenen Problemen genug zu tun hat? Im allgemeinen neigt man zur zweiten Erklärung. R. Z.