Ist das Gebäude an allem schuld?

R. S. Bonn, im November

Kann man den Stil unserer Parlamentssitzungen vom Architektonischen her reformieren? Kann man beispielsweise durch eine andere Sitzordnung das bisher so häufig geübte Dozieren hindern und dafür ein munteres Parlieren begünstigen? Diese Fragen, ferner die Aktualisierung der Fragestunde, die Beschränkung der Redezeit, der Zwang zum freien Reden – das alles wird zur Zeit im Bundestag eifrig diskutiert. Der Ältestenrat ist gerade in diesen Tagen mit dem Thema befaßt.

Daß sich bisher über den Plenarsitzungen des Bundestages viel zu oft gähnende Langeweile ausbreitete, die den Saal leerte und das Restaurant füllte, wird niemand, der Bonn kennt, bestreiten. Im Bundeshaus findet nur selten ein Gespräch statt. In der Regel liest einer am anderen vorbei, denn die meisten haben ihre Reden aufgeschrieben. Und wer sollte wohl an die Echtheit einer abgelesenen Empörung glauben?

Mag sein, daß durch einen Umbau, etwa nach dem Vorbild des englischen Unterhauses, die Atmosphäre des großen Debattiersaales geändert werden könnte. Wenn man sich gegenübersitzt, Aug’ in Auge, wenn man nicht mehr auf dem Katheder der „Klasse“ gegenübersteht und doziert, sondern frei, weithin in voller Größe sichtbar, in seiner Bank steht, da könnte sich mancher vielleicht doch genieren, vom Blatt abzulesen, vor allem, wenn die Redezeit auf dreißig Minuten beschränkt wird.

Sehr erfreulich ist, daß der Ältestenrat beschlossen hat, die Fragestunde interessanter zu gestalten. Die Antworten sollen knapp sein, die Themen aktuell. Zwischen Fragen und Antworten sollen in der Regel nur wenige Tage, nicht, wie bisher, oft viele Wochen liegen.