• Aus Budapest verlautet, daß die Sowjets ihre Truppen aus Ungarn fast ganz zurückziehen wollen. Schon heute stehen dort nur noch etwa 50 000 Rotarmisten – gegenüber 12 Divisionen, die noch 1958 im ungarischen Satellitenstaat stationiert waren.

Wenn Parteisekretär Kadar dem ungarischen Volk in diesen Tagen den Abzug der Sowjettruppen ankündigt – ob er dann wohl auch des Einmarsches vor drei Jahren gedenkt!

  • Chruschtschow hat vor den 1378 Delegierten des Obersten Sowjet eine ungewöhnlich maßvolle Rede gehalten. Adenauer wurde nicht angegriffen, de Gaulle gelobt, die enge historische Bindung Algeriens an Frankreich gewürdigt und Kompromisse in der Abrüstung angekündigt. Jeder Staatsmann irgendwo in der Welt hätte diese Rede halten können.

Chruschtschow bereitet die Atmosphäre vor für seinen Besuch in Paris und die Gipfelkonferenz überdies: je radikaler die Chinesen sich gebärden, desto ziviler muß Chruschtschow auftreten.

  • Nehru hat die 3000 Kilometer lange Grenze Indiens gegen China der Armee unterstellt (bisher Polizei). In die Verteidigung eingeschlossen wurden die beiden Fürstenstaaten Sikkim und Bhutan. Überdies sollen die Papiere aller in Indien lebenden Chinesen (etwa 30 000) überprüft werden.

Die indische Regierung hat in Peking eine Note überreicht, In der alle territorialen Forderungen zurückgewiesen werden. Nehru: „China ist grob, aber Indien ist es auch. Wir werden allen Herausforderungen mit Kraft und Festigkeit begegnen.“

  • Der Parteitag der Democracia Cristiana in Florenz endete mit einem Sieg der gemäßigten Gruppe um Segni und Moro. Sie gewann im Nationalrat der Partei 68 von 120 Sitzen. Fanfanis Versuch, die Führung der Partei zurückzuerobern, ist gescheitert.

Bei den christlichen Demokraten gilt auch in Italien der Grundsatz: Keine Experimente.