Von René Drommert

Möglicherweise waren die Gegensätze in Baden-Baden selten so groß und reizvoll wie am letzten Wochenende: einerseits die elegante und selbstbewußte Stadt im Tal der Oos, mit dem herrlichen Schwarzwaldpanorama – andererseits die Gespräche über eine Kunst, welche solchen Naturschönheiten wenig zugänglich scheint. Es handelte sich um sehr moderne Kunst.

Im Kurhaus, das noch aus der Wilhelminischen Ära stammt, wurden die ersten Baden-Badener Kunstgespräche geführt. Und die Anregung dazu kam vom Agis-Verlag („Das Kunstwerk“), von der „Gesellschaft für Freunde junger Kunst“ und von der Fernsehabteilung des Südwestfunks. Im unteren Teil des Kurhauses ging es wohl nüchterner und zweckmäßiger zu, dort tagten die Bilneologen (Sachverständige für Bäderkuren)...

Im Runden Saal indessen hatten etwa dreihundert Menschen Platz genommen: Neben Teenagers saßen ehrwürdige Universitätsprofessoren. Thema der Tagung: „Wird die moderne Kunst gemanagt?“ (Der Berichterstatter ist unschuldig an diesem Verbum.) Offensichtlich verbarg sich dahinter noch was anderes, etwa die Frage, ob die moderne Kunst aus sich selber die Kraft besitze, sich Geltung zu verschaffen. Damit war dann schließlich auch die Frage nach Sinn oder Unsinn dieser modernen Kunst verbunden.

Nachdem der Soziologe Professor Arnold Gehlen (Speyer) das Kennwort „Manager“ am ersten Tage souverän vom Diskussionstisch gefegt hatte, weil dieser Begriff eigentlich des Gespräches mit würdig sei, bissen sich die Streitenden am zweiten Tage, als jeder mitreden durfte, vielfach gerade an diesem Punkt fest.

Unter „Managern“ sollte man hier vielleicht jene Menschen verstehen, die sich geschäftig vermittelnd zwischen Künstler und Publikum einschalten, ohne eine tiefere Beziehung zu den Kunstwerken zu haben. Wer daraus gleich folgern wollte, jeder Kunsthändler sei ein „Manager“, der wäre von der Kunstgeschichte leicht zu widerlegen. Es gehört ja überhaupt zu den Albernheiten in Deutschland, Schwächen des sozialen und geistigen Lebens in Bausch und Bogen einzelnen Berufen in die Schuhe schieben zu wollen, etwa so: „die Dramaturgen sind schuld“ – daran nämlich, daß es in Deutschland kein hochwertiges zeitgenössisches Drama gibt.

Der Maler und Graphiker Professor HAP Grieshaber (der herzhafteste Lacher der ganzen Tagung) sagte: „Managen Sie, so viel Sie wollen.“ Nur eines fand er störend: daß manchmal der „Markt“ auf das Bild schon einwirke, bevor es überhaupt gemalt sei. Er zitierte Albert Camus: es sei ein Fehler, wenn ein Maler sich zu viel um die Malerei kümmere und dabei das Malen vergesse.