Eine Untersuchung, ob ein hinreichender Grund für die Forderung nach höheren Löhnen gegeben ist?

Von Erwin Topf

Acht bis zehn Millionen Berufstätige – so lauten verläßliche Schätzungen für das Gebiet der Bundesrepublik – stehen in Gemeinschaftsverpflegung, fehlen also an normalen Arbeitstagen am Familientisch. Das bedeutet, daß etwa sechs von insgesamt 16 Millionen Haushalten ihre Erwerbstätigen deshalb regelmäßig nicht am Mittagstisch verpflegen, weil „der Betrieb“ für warme Kost sorgt. Weitere Millionen – ihre Zahl ist kaum zutreffend zu schätzen – sind wegen der räumlichen Entfernung zwischen Arbeitsstätte und Wohnung entweder auf Gaststättenverpflegung angewiesen oder müssen tagsüber „für sich selber sorgen“: was in der Regel bedeutet, daß die Hauptmahlzeit auf die Abendstunden verlegt wird.

Teuerung und der übliche Einwand

Diese Gruppe der Berufstätigen spürt jede Verteuerung der Lebenshaltung am eigenen Geldbeutel sehr deutlich – im Gegensatz zur erstgenannten Gruppe der Gemeinschaftsverpflegten, zu deren Gunsten wohl fast durchweg die Kostenerhöhungen vom arbeit- und kostgebenden Unternehmen aufgefangen werden. Aber alle bekommen unterschiedslos die ständige Klage der Hausfrauen zu hören, daß „alles“ teurer geworden sei, besonders die Lebensmittel. Die Klage ist, wie man weiß, in diesem Jahr sogar weitgehend begründet, nach erheblichen Preissteigerungen insbesondere für Gemüse, Kartoffeln, Obst, Fleisch und neuerdings auch Butter – der Folgen der „doppelten“ Dürreperioden im Sommer und im Herbst.

Nun kommt allerdings der übliche Einwand, daß diese Preiserhöhungen, mögen sie auch im einzelnen 50 v. H. und mehr gegenüber dem Herbst 1958 ausmachen wie zum Beispiel im Fall von Gemüse und Kartoffeln, in der gesamten Lebenshaltung kaum zu Buche schlugen, wie „der Index“ erkennen lasse.

In der Tat ist der Index für die gesamte Lebenshaltung in der sogenannten mittleren Verbrauchergruppe bis zum September gegenüber dem Vorjahr nur um 2,4 v. H. gestiegen; für Oktober dürfte er, nach vorläufigen Berechnungen, nochmals gut 1 v. H. höher sein.