J. P. Mainz

„... und bitten, die Geschäftsverbindung mit uns als beendet anzusehen“, schloß der Brief, den eine Krefelder Firma für Waggon- und Maschinenbau unter dem Datum des 2. November erhielt. „Uns“ waren in diesem Fall die Stadtwerke Mainz, vertreten durch zwei Herren unleserlichen Namens, und die hatten natürlich einen gewichtigen Grund, mit solch frostiger Höflichkeit eine bis dahin ungetrübte Geschäftsbeziehung aufzukündigen.

Es hatte damit angefangen, daß die Mainzer Stadtwerke – unter anderen Firmen – auch das Krefelder Werk um ein „äußerst gestelltes Angebot für die Lieferung eines Kabeltransportwagens ersucht hatten. Das Schreiben aus Mainz schloß mit den Sätzen: „Wir bitten, uns das Angebot wohlverschlossen in beigefügtem Umschlag bis 11. 11. 1959 zu senden. Sollten Sie einen eigenen Umschlag verwenden, so müßte dieser so wie unser Umschlag gekennzeichnet sein, damit er nicht versehentlich vorzeitig geöffnet wird. Ein mangels richtiger Kennzeichnung verfrüht geöffnetes Angebot müßte unberücksichtigt bleiben.“

Die Geschäftsführung der Waggonfirma antwortete, sie könne sich mangels eines passenden Kabelwagenmodells „an dieser offenbar furchtbar aufregenden Ausschreibung“ nicht beteiligen, versah das Kuvert dieser Antwort anspielend auf den Ausschreibungstermin am 11. November und in verständlichem Vorgriff auf den Beginn des rheinischnärrischen Treibens zu eben diesem Datum mit der Aufschrift: „Geheime Kommando-Sache, Kennwort ‚Wolfsschanze‘ oder Unternehmen Springflut’, 11. 11. 11 Uhr 11; nicht vor dem (24. Dezember) 1959 zu öffnen. Vor Kindern zu verstecken Unterschrift: „Das Christkindchen.

Außerdem stellte die Firma in ihrem Antwortschreiben die Frage, was wohl geschähe, wenn ein, versehentlich zu früh geöffnetes Angebot um einige tausend Mark günstiger läge als alle anderen. Ob es dann wirklich unberücksichtigt bleiben müßte, obwohl das den Steuerzahler um so viel teurer zu stehen käme. Eine verzeihliche Frage, sollte man denken, zumal sie von einer entschuldigenden Erklärung begleitet war.

Bei den Stadtwerken dachte man nicht so. Närrisches Treiben hin, Entschuldigungen her, man fühlte sich auf den Schlips getreten: „und bitten, die Geschäftsverbindung mit uns als beendet anzusehen.“

Wird man, wenn man von Mainz, vom goldenen Mainz, der Feste des rheinischen Humors, spricht, die Behörden künftig ausnehmen müssen?