Mit dem Übersetzen allein ist’s nun einmal nicht getan. Schon gar nicht, wenn die Sach- und Sprachkenntnis des Übersetzers unsicher wird, und wenn zu lesen ist: „Mit einem Ziviltaucher borgte er pro Jahr 300 Torpedos.“ War der Mann, von dem hier die Rede ist, nun ein Tauch- oder, schlicht gesagt, ein Pumpgenie? Und, so steht’s in dem Buch von

James Dugan: „Forscher und Taucher im Meer – Die Entwicklungsgeschichte des Tauchens“; Diana-Verlag, Konstanz; 427 S., 17,80 DM,

der Militärtaucher „borgte“ immer wieder. Seil drum; ich will nicht gram sein. Ärgerlich aber finde ich es, in einer „Entwicklungsgeschichte des Tauchens“ zu lesen: „Taucherglocken wurden im Laufe der Zeiten so oft erfunden, daß ich mich entschloß, den Umfang des vorliegenden Buches nicht durch eine kurzgefaßte Darstellung ihrer geschichtlichen Entwicklung zu verdoppeln.“

Was – noch nicht einmal kurz gefaßt? Gut, ich räume ein: Wer seinen Stoff liebt, der siebt. Aber ich habe in dem Buch keine Bestätigung dieses Satzes gefunden. James Dugan ertrinkt in der Fülle seines Materials wie ein Taucher in seinem Anzug, wenn der Luftschlauch reißt.

Es sind Perlen in diesem Buch, gewiß. Raritätensammler werden hier manche finden – zwischen vielen leeren Austernschalen, Geschichten ohne Pointen und Facts ohne Sinn. Und manches an der falschen Stelle, vieles ungeordnet. Das Kapitel 13 ist am besten geglückt, wenngleich es nichts mit „Forschen und Tauchen im Meer“ zu tun hat: Eine Geschichte der Erforschung prähistorischer Höhlen, zu der auch Taucher einen Teil beitrugen.

Ich bin es seit Ceram, Wendt und Keller gewohnt, eine Entwicklungsgeschichte in kontinuierlicher Reihenfolge und klarer Gliederung zu finden. Das ist für die Verständlichkeit – und nicht zuletzt für die Verbreitung – des Buches um so wichtiger, je schwieriger der Stoff ist und je mehr er dem allgemeinen Interesse bisher verschlossen blieb. Hier aber sortiert man als zwar interessierter, aber doch nicht engagierter Leser die Menge Namen, Begriffe und Sachverhalte ebenso mühsam wie eine Sennerin einen Korb voll großer und kleiner Seefische verschiedener Gattung.

Nur ein Kenner kann sich darin zurechtfinden. Nur ein Kenner wird sich nicht in seiner Unkenntnis ertappt fühlen und beschämt sein, wenn da von „bekannten Persönlichkeiten der Unterwasserbewegung“ (muß es denn gleich immer eine „Bewegung“, müssen es immer gleich „Persönlichkeiten“ sein?) die Rede ist.

Wie bereits an den 300 „geborgten“ Torpedos zu sehen ist, lassen sich bei einer solchen Entwicklungsgeschichte die militärisch-kriegerischen Aspekte des Tauchens nicht unterdrücken. So liest man also in diesem Buch des Engländers Dugan über die Deutschen Weddingen und Prien, die beiden größten U-Boot-Piraten der Kriegsgeschichte, insgesamt 29 – Zeilen, um dann auf mindestens zehnmal soviel Raum die Geschichte vom heldenhaften Kampf und den waghalsigen kriegerischen Unternehmungen eines gewissen englischen U-Bootes „E 11“ im ersten Weltkrieg zu erfahren. Da liest man denn auch sieben volle Seiten über die größte Errungenschaft der britischen Luftfahrt, die Entwicklung des ersten Düsenverkehrsflugzeugs „Comet“; nur weil – ganz nebenbei in wenigen Zeilen erwähnt – auch Taucher an der Aufklärung eines „Comet“-Absturzes beteiligt waren. Ortwin Fink