Schweiß ausgequetscht werden. Außerhalb des Lagerzaunes an der „Blut-Straße“ wurden große Werkhallen als Zweigbetrieb der sogenannten „Gustloffwerke“ in Weimar errichtet und die Produktion von Waffen betrieben. Ferner ließ das Heereszeugamt Kassel in einer Baracke optische Geräte für die Luftwaffe und U-Boote reparieren. Aber schließlich mußte ein Krematorium gebaut werden mit drei Verbrennungsöfen und einem großen Leichenkeller. Und endlich wurden Barackenanlagen hergestellt, von denen niemand wußte, welchen Zwecken sie dienen sollten.

Für die illegale Leitung war es von größter Wichtigkeit, auch in diesen Neuanlagen die Schlüsselpositionen der „Kapos“ durch Rote einnehmen zu lassen. Um jede einzelne Stellung ging der unterirdische Kampf zwischen Rot und Grün.

Da war zum Beispiel die sogenannte „Isolier-Station“, die eingerichtet werden sollte und später die offizielle Bezeichnung „Klinische Abteilung des Hygiene-Institutes der Waffen-SS“ erhielt. Wochenlang tappten die Häftlinge im dunkeln, was oder wer da isoliert werden sollte. Aber dem Arztschreiber Rudi Gottschalk schien das eine günstige Gelegenheit, mehrere gefährdete Kameraden der Verfolgung durch die SS zu entziehen. Neben zwei anderen Kameraden schlug er dem Leiter der neuen Station A. D. als Hilfskraft vor. Dieser akzeptierte unbesehen Gottschalks Vorschlag, zumal er A. D. aus seiner früheren Tätigkeit als Lagerarzt in Buchenwald kannte. Die Lagerführung aber, die sicherlich darüber informiert war, welchen Zwecken die Isolierstation dienen sollte, erhob keinen Einwand, vermutlich in der Annahme, die vorgeschlagenen Häftlinge kämen als Versuchsobjekte dahin... Viele Umstände trafen zusammen, bis A. D. endlich in verhältnismäßiger Sicherheit war: Als „Kapo“ in der „Isolier-Station“, Block Nr. 46.

Unter den verantwortlichen Ärzten des Lagers war der jüngste und zugleich eleganteste ein Mann, der einen bürgerlichen Doppelnamen führte, Ding-Schuler. Er galt unter den Häftlingen als eine hochbegabte, aber auch von fressendem Ehrgeiz erfüllte Natur. Ihn hatte offenbar seine Tätigkeit in Lager nicht befriedigen können; er meldete sich weg. Aber er kam wieder, diesmal mit einem besonderen Auftrag. Auf seine Anordnungen hin vurde die Isolierstation eingerichtet.

Ende 1941 hatte in Berlin eine Sitzung stattgefunden, in der die Durchführung von Versuchen an Menschen beschlossen wurde. Auf dieser Sitzung war Dr. Ding-Schuler mit der Aufgabe betraut worden, Tests in Buchenwald durchzuführen. Der Krieg im Osten hatte gezeigt, daß die deutsche Wehrmacht gegen einen gefährlichen Feind nicht gerüstet war: gegen die Fleckfieberseuche. Es galt, so schnell wie möglich einen wirksamen Schutzimpfstoff herzustellen. Bislang hatten Versuche an Tieren angeblich keine befriedigenden Ergebnisse gehabt. Jetzt sollten „Kazett-Häftlinge“ an die Stelle von Tieren treten.

A.D. arbeitete ahnungslos mit seinen Kameraden Adolf Schwarz als verantwortlichem Pfleger und mit dem gescheiten Buckligen Karl Brauer als Laboranten an der Einrichtung der Isolierstation. Die Isolierstation in Block 46 wurde aus der Verwaltung der SS herausgetrennt, in ihr bestimmte allein Dr. Ding. Dieser Mann hatte den Ehrgeiz, eine „vorbildliche“ Forschungsstätte einzurichten. Seine Helfer, das gesamte Häftlings-Funktionspersonal, erhielten die gleichen Sonderrationen in der Verpflegung wie die Versuchspersonen; sie wurden gut untergebracht, waren vom Stehen auf dem Appellplatz befreit. Durch diese handgreiflichen Vorteile hoffte Dr. Ding, deren Vertrauen zu erwerben.

Als die ersten Versuchsreihen anliefen, als von den Pflegern klar erkannt werden konnte, welchen Zwecken die Isolierstation dienen sollte, bemühten sich die Häftlinge, sämtlich „Rote“, von dieser Station wegzukommen. Nachdem der Lagerkommandant nach Lublin abkommandiert worden war, hatten sich die Verhältnisse im Lager bezüglich der Gefährdeten wie A. D. und Adolf Schwarz einigermaßen beruhigt. Wieder bemühte sich der unermüdliche Häftlings – Arztschreiber Rudi Gottschalk, zu helfen, und nach einiger Zeit gelang es ihm tatsächlich, die beiden „Roten“ Schwarz und Brauer nach dem Arbeitslager Watenstedt bei Braunschweig abzuschieben. Im Falle unseres A. D. aber ergab sich eine unerwartete Komplikation. Dr. Ding bestand auf einem politischen Häftling als Ersatz für A. D. Aber kein Politischer wollte als A. D.’s Nachfolger in den mysteriösen Block einziehen.