Der Büchertisch ist in Oslo überall schwer beladen, mit internationalen und einheimischen Werken. Zu ersteren zählen neben Nabokov, Pasternak, Dürrenmatt, Huxley – Kriegsbuchautoren. Howarths "Invasion" und Gerlachs Verratene Armee" (3. Auflage!) verkaufen sich wie warme Semmeln. Die Einheimischen sind nicht minder zahlreich vertreten, so zum Beispiel Marie Hamsun und Axel Jensen.

Um Axel Jensens "Line" war ein heftiger Streit entbrannt. Von "banal" bis "genial" reichen jetzt noch die Attribute, die dem jungen Autor des gesellschaftskritischen Liebesromans gewidmet werden. Ob Jensens Buch über die heutige Jugend von Oslo Übersetzungen glimpflich überstehen könnte, ist in Anbetracht eines reichlich verwendeten Lokalkolorits nicht ganz sicher.

Weit problematischer steht es um Marie Hamsuns Lebenserinnerungen "Unter dem Goldregen", auch wenn deren Absatz gleichfalls nichts zu wünschen übrigläßt. Der "Goldregen" ist als Fortsetzung des vor sechs Jahren erschienenen Erinnerungsbandes "Regenbogen" gedacht, in dem die Witwe des Dichters die ersten dreißig Jahre des gemeinsamen Lebens verhalten schilderte. Im neu vorliegenden Band beschreibt Marie Hamsun nun die letzten Jahre Knuts, die Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Literaturkritiker wissen nicht weiter: Vor Politik und Zeitgeschichte scheinen in Norwegen die Musen zu fliehen.

In diesem Sinne war die Verleihung des hochpolitischen Friedens-Nobelpreises an den Labourabgeordneten Noel-Baker ein unmusisches Ereignis. Aber während es im benachbarten Stockholm rauh, laut und tagespolitisch um die Musenpreisverleihung zugegangen ist, hat die Osloer Wahl, so scheint es, niemanden zu peinlichen Überlegungen angeregt – wie etwa im Falle des Sputniksängers Quasimodo. Welch bezeichnende Frontenverschiebung im massenideologischen Zeitalter!