DIE ZEIT

Oberländer im Haag

Der Internationale Ausschuß früherer Widerstandskämpfer, der sich um die Aufklärung der Vorwürfe gegen Bundesvertriebenenminister Oberländer bemüht, hat vor einigen Tagen zweifach von sich reden gemacht: Er hat den Minister im Haag ausführlich vernommen; und er hat Meldungen dementiert, nach denen dessen Schuld an der Ermordung von Polen und Juden in Lemberg bereits erwiesen sei.

„Haltet den Dieb!“

Antisemitismus und Antikommunismus gehörten immer zusammen; wer gegen die Juden sei, sei auch gegen die Kommunisten und umgekehrt.

Zündstoff in Nahost

Mit orientalischem Gepränge und ebenso spontanem wie wohlorganisiertem Freudenjubel sind dieser Tage in zwei arabischen Ländern sehr ungleiche Ereignisse gefeiert worden, die beide als Beginn einer neuen Ära empfunden werden: In Oberägypten hat Präsident Nasser, begleitet von seinem Ehrengast König Mohammed V.

,,Weil wir in die Zeitung kommen...“

Eine Gerichtsverhandlung vor einem Bonner Schöffengericht gegen zwei junge Hakenkreuzschmierer aus Urfeld, einem Dorf nahe der Bundeshauptstadt.

Schachfigur auf fremden Brettern

Auf der Liste der Begnadigten stand eine bunte Gesellschaft verzeichnet. Ein mongolischer Kommandeur, der mit den Japanern zusammengearbeitet hatte, ein früherer Bürgermeister von Peking, eine Reihe ehemaliger Tschiang Kaischek-Generäle – insgesamt 33 „Kriegsverbrecher“ nebst 25 „Rechtsabweichlern“, die vor wenigen Jahren erst, während der Hundert-Blumen-Kampagne, in Acht und Bann getan worden waren.

ZEITSPIEGEL

Englands Feldmarschall Montgomery hat sich für Mai selbst nach China eingeladen. Während seines jüngsten Fluges nach Indien, so sagte Montgomery vor der Presse, habe er sich überlegt, daß jede Betrachtung der heutigen Welt ohne einen Besuch im Reiche Maos unsinnig sei.

Tauziehen um Pinay

Das ist mindestens so aufschlußreich wie die Kursstürze an der Börse. Antoine Pinay, der kleine Gerbereifabrikant von der Loire, besitzt nun einmal ebensoviel Symbolwert wie de Gaulle.

Nikita und das große P

In keinem Land der Welt wird auf die Einhaltung der Titel in der herrschenden Hierarchie so genau geachtet, wie in der Sowjetunion.

Gronchi verschob die Reise

Während Staatspräsident Gronchi seine Halsentzündung bekämpfte, die ihn zwang, den Flug nach Moskau auf den 5. Februar zu verschieben, setzte ihm der 70jährige Kardinal Alfredo Ottaviani sozusagen einen Kanonenschuß vor den Bug.

Handwerkszeug für Lehrer

Der Alldeutsche Verband war im Kaiserreich und der Weimarer Republik eine Organisation zur Verfechtung einer imperialistischen deutschen Politik; ihr Vorsitzender Claß schrieb unter dem Pseudonym Einhard eine deutsche Geschichte im nationalistischen Sinne.

Hamburg: Neubau für die Alten

Durch die schaufenstergroßen Fenster des Neubaus fiel der helle Sonnenschein auf Urgroßmütterchens Wohnzimmermöbel. Stühle mit Polstern aus jener Zeit, da man die Bequemlichkeit einer Sitzgelegenheit noch nicht dadurch zu erreichen wußte, daß man ihnen die Negativform der menschlichen Sitzfläche gab, aus der Zeit, als die Stühle sich rücklings und auf der Sitzfläche, noch wölbten – sie standen da mit ihrem rötlich gemusterten Plüschbezug in der grellen Sonne, vor der sie ganz wohl seit Beginn des Jahrhunderts beschützt worden waren.

Berlin: Überzeugen statt relegieren

Zweimal tagte in der ersten Januarwoche in Westberlin das Schnellschöffengericht. Ein 23jähriger arbeitsloser Anstreicher hatte im Zustand der Trunkenheit eine Schaufensterscheibe und eine Tür mit einem Hakenkreuz und einer antisemitischen Parole beschmiert; dafür wurde er wegen Beleidigung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Bahn-Verkraftung

Die Bundesbahndirektion Hannover legte jetzt ihren Rechenschaftsbericht über das Jahr 1959 vor. Die Eisenbahner haben da wirklich allerlei geschafft: rund 700 000 Zugkilometer zurückgelegt (pro Woche), 38 Millionen Reisende befördert (im Jahr) und – rationalisiert, rationalisiert! Und da, wo verschiedene Rationalisierungsmaßnahmen aufgezählt sind, nämlich auf Seite 11 in der Mitte liest man: „Die Verkraftung des Reiseverkehrs auf der Nebenbahnstrecke Leese–Stolzenau–Stadthagen an Sonn- und Feiertagen.

Achtung Landesgrenze!

Mit großen neuen Schildern kennzeichnete die baden-württembergische Straßenbauverwaltung jüngst den Autobahnabschnitt Heidelberg-Frankfurt als „Europastraße“.

Schleswig-Holstein: Der Lehrling ging nicht zur Musterung

Trotz dreimaliger Aufforderung hatte sich ein Verwaltungslehrling aus Ratzeburg nicht zur Wehrerfassung gemeldet. Auch zur Musterung war er nicht erschienen, sondern hatte statt dessen einen Brief an die Musterungskommission geschrieben, in dem er erklärte, er sei Wehrdienstverweigerer Am 29.

Forum und Kloster

Noch ist es eine große Baustelle, und nur über einen schmalen Weg, vorbei an Sandgruben und Sandhaufen, vorbei auch an einem alten märkischen Zollhaus, wo auf vermoderndem Torflügel noch vor „bissigen Hunden“ gewarnt wird, gelangt man hinein in das Studentendorf der Freien Universität in Berlin-Schlachtensee.

In Wien arbeiten sie heimlich

Als vor einigen Jahren die amerikanische Wirtschaftshilfe für Österreich in vollem Schwung war, gab es außer Geld auch gute Ratschläge.

Quo vadis, Regisseur Sellner?

Solange die Kandidatennamen noch wie Tototips durch die Tagespresse wirbelten, konnten die Auguren lächeln: Wer wird wohl Intendant der Westberliner Oper, wenn 1961 der dann 74jährige Carl Ebert in den Ruhestand tritt? Ernst wurde es, als Kultussenator Tiburtius das Amt dem Darmstädter Intendanten Gustav Rudolf Sellner antrug.

ZEITMOSAIK

In der DDR erschien vor kurzem der erste Band eines atheistischen Lexikons unter dem Titel „Vom Jenseits zum Diesseits“ mit Artikeln über das Verhältnis der „wissenschaftlichen Weltanschauung“ zur Religion.

Weil der Tag so still war

Dann waren wir wieder hier. Abel nun siebenundsechzig. Ich wollte schon sorgen, daß er sich erholte. Versteck doch vor mir nicht deine Hände Abel, ich bin’s doch, Tilde! Und er lächelt.

Die fünfte Galerie

Possen und Grotesken kann man heute vielleicht noch schreiben und spielen. Aber schon lange hat man das Aussterben der gepflegten Komödie, des noblen Lustspiels zu beklagen.

Gehabte Absichten

Ein Sprecher des State Departments erklärte, daß die USA nach wie vor nicht die Absicht hätten, „große Probleme des Friedens und des Krieges“ in direkten Verhandlungen mit der Sowjetunion zu lösen.

Aus Kisten in die Orangerie

Klirrend und kahl, aber freundlich gepflegt der Park; ockergelb und wohlverputzt die lange behäbige Fassade; neu vergoldet die Kuppel – so präsentiert sich preußisch-heiter (auch das gibt es) das renovierte Charlottenburger Schloß.

Unser Recht:: Spät bereute Jugendsünden

Übermütige Knaben veranstalteten mit Fahrrädern eine wilde Verfolgungsjagd. Dabei jagte der kleine Erich aus einer schmalen Gasse auf die Hauptverkehrsstraße und sauste einem Autofahrer direkt vor den Kühler.

Die Knöpfe

In einer dunklen Zeit, in der die Menschen willkürlich verhaftet, eingekerkert und über den Haufen geschossen wurden, in dieser Zeit, die angeblich für immer vorüber ist, wurden einmal zwei Männer verhaftet und in die gleiche Zelle geworfen.

Klassiker – falsch zitiert

Es ist nichts dagegen zu sagen, daß manche Menschen ihre Rede gern mit geflügelten Worten und Zitaten würzen. Ein gutes Wort aus fremder Quelle ist immer besser als ein dummes aus eigenem Vorrat.

Das Eigentliche in Bad Dingskirchen

Zumeist sitzen sie um einen Hufeisentisch. Der graue und der dunkle Anzug herrschen vor. Die Vertreter der jungen Generation sind zwischen Vierzig und Sechzig.

Das kleine Glück der Francoise Sagan

Zuweilen findet sich der Schriftsteller auch heute in der Situation der Scheherezade gezwungen, dem Monstrum Publikum unablässig Neues, Überraschendes, Erregendes zu erzählen, um nicht verworfen, das heißt vergessen zu werden.

Mein Gedicht

Dann kam DROYSEN, natürlich Droysen; von dem es mich immer gewundert hat, wieso er nicht darauf gekommen ist, Alexander mit Napoleon zu konfrontieren: unter dessen Marschällen hätte er den „Schwarzen Kleitos“, le brave des braves, und überhaupt alles, genau wiederfinden können.

Den Hakenkreuzlern unbekannt

Dieses Werk, dessen Herausgeber Rabbiner der Synagogengemeinde in Köln ist, zählt unter seinen Mitarbeitern den Museumsdirektor Dr.

Bitterste Arzneien für die Zeit

Das Buch Bringt eine Doktrin und viele sehr gut gewählte Exempel. Es hat ein Herzstück, das, wie eben ein echtes Herz, nicht genau in der Mitte liegt.

Erdgas ante Portas

In der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen ist jetzt eine „Interessengemeinschaft Erdgas“ gegründet worden, in der sich die Versorgungsunternehmen der Städte Köln, Düsseldorf, Krefeld, Duisburg, Bielefeld und die Wirtschaftliche Vereinigung Deutscher Gaswerke mit Sitz in Frankfurt/Main zusammengeschlossen haben.

8 Milliarden für die Straßen?

Der Straßenbau und seine Finanzierung, die künftige Tarifgestaltung der Verkehrsträger und die Regelung der Lkw-Maße und -Gewichte werden die tragenden Themen der verkehrspolitischen Debatte im Jahre 1960 sein.

Der Januskopf der Bundesanleihe

Der Bundesfinanzminister kann zufrieden sein. Ein Bankenkonsortium hat seine 500 Mill. DM Anleihe fest übernommen. Etzel ist damit vorerst seiner Kassensorgen ledig.

Mit dem Wunder unzufrieden

Das Saarland steht am Anfang eines Jahres, das seinen Bewohnern die restlose Angleichung an die Lebensbedingungen der übrigen Bundesbürger und der Wirtschaft die vollständige Verflechtung mit der Bundesrepublik bringen soll.

ZEIT-RAFFER

Ägypten hat am vergangenen Sonnabend mit dem Bau des Assuandammes begonnen. Der Bau wird sieben Jahre dauern. Die Sowjetunion hat für die erste Stufe ein Darlehen von 100 Millionen Dollar gegeben, das Ägypten ab 1964 in zwölf Jahren zuzüglich 2,5 v.

Indien als Testfall

Drei Länder, drei Konsortien, drei fremde Welten wetteifern um die Ehre, Indien das beste, modernste und leistungsfähigste Stahlwerk zu bescheren.

Gas aus der Sahara

Deutsche Experten der öffentlichen Gasversorgung konnten die französischen Erdgasvorkommen bei Hassi R’Mel in der Sahara studieren.

Hermes war ein preiswerter Bote

Jeweils vier von fünf jungen Leuten, welche die Schulen verlassen, gehen ins Erwerbsleben und wenden sich einem Beruf „in der Wirtschaft“ zu.

Hausse in Investment-Fonds

Der Absatzerfolg des neuen Atlantic-Fonds, über dessen Gründung wir in der vorangegangenen Ausgabe berichtet haben, war durchschlagend.

Die Folgen des Uhrenkrieges

Die Aktionäre der Gebrüder Junghans AG, Uhrenfabriken in Schramberg, erlebten auf der Hauptversammlung wieder einmal eine Überraschung.

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