DIE ZEIT

Der Bonner Anderthalb-Fronten-Krieg

Niemals zuvor in der zehnjährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat Bonn sein Recht auf die außenpolitische Vertretung Berlins so nachdrücklich präsentiert wie in diesen Wochen.

Marschrichtung Koalition

Die Regie in der Stuttgarter Liederhalle klappte vorzüglich. Die Solisten und der Chor der Freien Demokraten verpatzten keinen Einsatz, und reibungslos vollzog sich der Führungswechsel, der im Mai des vergangenen Jahres auf dem Berliner Parteitag angekündigt und seither sorgfältig vorbereitet worden war.

Die Zukunft bleibt ungewiß

Vor einer Woche schrieben wir an dieser Stelle, daß Frankreich erneut in zwei Frankreichs, eines diesseits und eines jenseits des Mittelmeeres, zerfallen sei.

Klagemauer der Armee

Das unauffällige Bonner Villenhaus in der – Koblenzer Straße III liegt nur ein paar Schritt vom Auswärtigen Amt entfernt, eine beträchtliche Strecke indes vom Bundesverteidigungsministerium in der Ermekeil-Kaserne.

ZEITSPIEGEL

„Professor R. Plate gehört zu jenen seltenen Propheten, die von der Entwicklung regelmäßig bestätigt werden. Seine Spezialität ist der Schweinemarkt.

Die Ärzte blasen zum Sammeln

Ein Entwurf zur Krankenversicherungsreform, angefertigt im Bundesarbeitsministerium, hat die Ärzte in der Bundesrepublik auf die Barrikaden getrieben.

Franz Gschnitzer:

Sie zweifeln am Schluß Ihrer Replik, ob ich nochmals erwidern würde. Auch ich habe gezweifelt, mich aber aus mehreren Gründen doch dazu entschlossen.

Friedrich Heer:

Sie haben hiermit, sehr geehrter Herr Montanelli, mit hohem Mut heiße Eisen angefaßt........................................

Vom Umgang mit Kommunisten

Daß die freiheitlichen Sozialisten zu dem totalitären Kommunismus mit seinen Schreckensmethoden in unversöhnlichem Gegensatz stehen, hätte nicht erst durch eine von den Führungsgremien der SPD gebilligte dokumentarische Stellungnahme erhärtet zu werden brauchen.

Art Buchwald:: Blick nach vorn im Zorn

Es fällt einem Ausländer ziemlich schwer, in der gegenwärtigen französischen Krise neutral zu bleiben. Und es kann ihm, wenn er sich neutral verhält, erst recht an den Kragen gehen.

Hamburg: Die Theologen waren sich nicht einig

Darum, wenn du deine Gabe auf den Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß allda vor dem Altar deine Gabe und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfere deine Gabe.

Rheinland-Pfalz: Der radikale Konditor

Mehr als sieben Jahre nach dem Verbot der „Sozialistischen Reichspartei“ durch das Bundesverfassungsgericht hat Innenminister Wolters von Rheinland-Pfalz eine Nachfolgeorganisation dieser rechtsradikalen Splittergruppe entdeckt: den von dem Konditor und späteren Justizangestellten Hans Schikora aus Bacharach geführten rheinland-pfälzischen Landesverband der „Deutschen Reichspartei“.

Karneval der Einzelhändler

Nun naht in Köln wieder der liebe, lustige Karneval, jene Zeit, in der alle Menschen so fröhlich sind und das gute alte Brauchtum pflegen, jene Tage, da alle Mägdelein am Rhein, wie die Liederdichter versichern, unentwegt Wein trinken und küssen.

Der Tastenlöwe

Als Edwin Fischer, der Pianist, in der vorigen Woche – 73jährig – starb, berührte die Kunde davon die Musikfreunde in ganz besonderem Maße.

Nebenbei noch dies

Fürwahr, Unerhörtes hat der Nationalsozialismus „geleistet“. Millionen Tote, Elend, Zerstörung, ein zerstückeltes Reich, Diffamierung aller Deutschen und – nebenbei noch dies: daß seine Ideen in verbohrten Köpfen weiterspuken.

Der aktuelle Shakespeare

Hans Schüler, der Intendant des Mannheimer Nationaltheaters, hat sich einen Tadel durch den Westdeutschen Rundfunk zugezogen.

Was meinen Sie, Hermann Kesten?

Was zehn Jahre Altersunterschied ausmachen können, kann jeder erkennen, der im Januarheft der Zeitschrift Die Kultur den Artikel „Die deutschen Autoren“ von Hermann Kesten nachgelesen hat.

ZEITMOSAIK

Rudolf Noelte, bis vor kurzem künstlerischer Leiter des Berliner Theaters am Kurfürstendamm und zur Zeit umstrittene Figur, hat offenbar seine Anziehungskraft als Regisseur beibehalten.

Lyrik ohne Heimat

Gedichte von Boris Pasternak: dem Schiwago-Autor zum 70. Geburtstag am 10. Februar 1960

Unser Seller-Teller Januar 1960

„Der Januar ist wieder solch ein besonders ruhiger Monat, in dem man beim besten Willen keinen vernünftigen Seller-Teller aufstellen kann.

Der Zufluchtsort des bedrängten Untertans

Nicht der künstlerische Wert und nicht die literarische Bedeutsamkeit eines Buches entscheiden darüber, ob und wie lange es die Gunst des Lesers besitzen wird – wobei ich unter „Gunst“ die echte, lebendige Beziehung zwischen Publikum und Buch verstehe, und nicht jene Pseudo-Bewunderung, die einen Homer nur um der lieben Vollständigkeit willen ersteht, und sich dann, sehr mit Recht übrigens, gebührend dabei langweilt.

Den Gürtel enger schnallen

Die Kritik, die der Europäische Wirtschaftsrat (OEEC) anläßlich des jährlichen „Deutschland-Examens“ im letzten Herbst an der deutschen Währungspolitik geübt hat, findet sich auch in dem jetzt veröffentlichten Jahresbericht der OEEC über die Bundesrepublik.

Das Ultimatum der Ruhr

Es war kurz vor Weihnachten, als der Krieg um das Kohlen-Syndikat zwischen dem Ruhrbergbau und der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl entbrannte.

Artikel 56a – für ,,Sahara“?

Den Arbeitern der Kohlen- und Stahlindustrie in den sechs Ländern der Montanunion ist ein gewichtiges Geschenk zuteil geworden.

Also sprach Blessing

In dem Funktionärs-Organ der IG Metall war vor einigen Tagen die ebenso kühne wie leichtfertige Behauptung zu lesen, die Wissenschaft komme „im Dienste der Unternehmer immer zu dem Ergebnis, daß die gewerkschaftlichen Forderungen sich mit den Erfordernissen der Wirtschaft nicht vereinbaren lassen“.

Rassen als Partner

In seinem Jahresbericht schreibt der Vorstand der größten Kupfergesellschaft Rhodesiens, Sir Ronald Prain von der „Rhodesian Selection Trust“, daß man den schwarzen Arbeitern neben einem höheren Lebensstandard auch politischen Einfluß und vor allem einen gewissen Sozialstatus zubilligen müsse.

Weiße Säulen für Benzin-Paläste

Jemand, der gleich zwei Personenwagen auf Geschäftsunkosten laufen hat, bemerkte nach der ersten Bezinpreissenkung um 2 Pfennig: „Was soll’s, jetzt muß ich dafür mehr Steuern zahlen!“ Wenn diese Meinung symptomatisch für alle Kraftfahrer wäre, dann könnten die Mineralölgesellschaften das Kriegsbeil getrost wieder verscharren.

Es sei denn eine Katastrophe ...

Auf der ersten Pressekonferenz, in der der neue französische Finanzminister Wilfried Baumgartner Ende vergangener Woche mit den Journalisten Kontakt aufnahm, sind die Grundzüge der künftigen französischen Wirtschafts- und Finanzpolitik deutlich geworden.

Verzerrung des Wettbewerbs

Gleichviel, ob man für die Einkommensteuer in engerem Sinne eine Zweiteilung in eine – proportionale – „Normal-“ und eine – progressive – Zuschlagsteuer vorsieht oder nicht, würde nach unserem Vorschlag der Tarif für alle Einkünfte gleicher Höhe gleich sein, die „Höherbelastung fundierter Bezüge“ also ausschließlich mittels der Teil- und Gesamt-Vermögenssteuern erfolgen.

ZEIT-RAFFER

Trotz der Verteuerung von Nahrungs- und Genußmitteln sind die Preise für einen großen Kreis von Konsumgütern rückläufig. In einer gemeinsamen Erklärung der Rudolf Karstadt AG und der Kaufhof AG heißt es, der Index der Ladenverkaufspreise der beiden Warenhäuser (1955 – 100) sei von 100,8 am 1.

Einheitliche Steuern in der EWG

Parallel zu der schrittweisen Beseitigung der Handelsschranken zwischen den sechs Ländern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wachsen die Widerstände gegen die Verfälschungen des Wettbewerbs, die von unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Verhältnissen in den einzelnen Staaten herrühren.

Das Investitionstempo wird beschleunigt

Der Vorstandsvorsitzende der Farbwerke Hoechst AG, vormals Meister Lucius & Brüning, Frankfurt/Main, Prof. Winnacker, hat – als er den ersten Überblick über das Geschäftsjahr 1959 bekanntgab, den Dividendenschleier noch nicht gelüftet.

Viel Geld für Gas

Die Hamburger Gaswerke GmbH, Hamburg, Alleingesellschafter die Hansestadt Hamburg, ist mit dem Kapitalmarkt über einige Anleihen verbunden, die sie in den letzten Jahren zur Investitionsfinanzierung aufgenommen hat.

Der Leser schreibt...

Zu Punkt 1 teilt uns die Verwaltung der Preussag mit: Zur Kursregulierung stehen keine 30 Mill. DM Preussag-Aktien bereit. Im Besitze der Preussag wie auch der Banken befinden sich keine Preussag-Aktien.

Steuern, Steuern, Steuern...

Die Dortmunder Hansa-Brauerei AG (Dortmund) hat den Export im Geschäftsjahr 1958/59 (30. September) um 18 v. H. erhöht. Die Exportausweitung ist vornehmlich auf den gestiegenen Absatz in den Ländern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zurückzuführen.

Notizen für Reisende

Für die Wintertouristen in der Schweiz sind zur Orientierung über die Beschaffenheit der Straßen zwei neue Schilder gebräuchlich geworden.

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