... meinte Dr. Heinemann – Eine ernste Debatte im Bundestag endete übel

Von Gerd Bucerius

In seiner großen Debatte über den Antisemitismus am 18. Februar zeigte sich der Bundestag des ernsten Gegenstandes würdig. Die Parteien hatten nur ihre Besten auf das Rednerpodium geschickt. Daß alle Redner mit Anstand den Teil an der Schuld bekannten, den jeder von uns auf sich geladen hat, das war zu erwarten. Aber es geschah mehr. Die Abgeordneten fühlten, daß die antisemitische Welle sie – ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit – alle gemeinsam und in der gleichen Weise bedroht. Deshalb wandte sich kein Redner gegen die anderen Parteien. Jeder erforschte sein Gewissen, suchte nach seiner Schuld. Die Resolution, die von den Abgeordneten einstimmig angenommen wurde, hat endlich auch das Ausland beeindruckt. Berichte aus aller Welt beweisen: Die Debatte brachte eine Wende in der Diskussion um den deutschen Antisemitismus.

Es sah anders aus

Ein Zeitungsbericht über die Debatte des Bundestages? Nein, ein frei erfundener Text! In Wirklichkeit sah es – laut stenographischem Protokoll – am 18. Februar ganz anders aus.

Die Bundestags-Debatte hatte würdige, kluge, ja wegweisende Reden gezeitigt. Auch Dr. Heinemann, als Redner der SPD, hatte beachtenswerte Worte über das Verhältnis zwischen Christen und Juden, insbesondere zwischen Deutschen und Juden gesagt. Da brach er aus ...

Heinemann (SPD): Im vergangenen Monat hat die Äußerung eines Mannes, der in unser aller Namen spricht, größtes Aufsehen erregt, und ich muß fragen, ob sich in ihr nicht ein verführtes Denken darstellt. Was ich meine, sehr verehrte Damen und Herren, ist die Erklärung, die der Herr Bundeskanzler Dr. Adenauer am 22. Januar vor dem Papst in Rom abgegeben hat.