DIE ZEIT

Adenauer fördert Antisemitismus...

In seiner großen Debatte über den Antisemitismus am 18. Februar zeigte sich der Bundestag des ernsten Gegenstandes würdig. Die Parteien hatten nur ihre Besten auf das Rednerpodium geschickt.

Melsheimer schweigt

Ernst Melsheimer, seines Zeichens Generalstaatsanwalt der Zone, ist ein überaus eifriger Briefschreiber – eifrig jedenfalls immer dann, wenn es ihm darum geht, die Justiz der Bundesrepublik aufzufordern, sie möge doch einen „Beauftragten“ in die Ostberliner Archive schicken, wo so viele belastende Akten über ehemalige „Nazi-Richter“ liegen sollen.

Ike unterm Kreuz des Südens

Fauchend schoß Anfang der Woche die Düsenmaschine des amerikanischen Präsidenten vom Flugplatz Washington steil in die Wolken.

ZEITSPIEGEL

Ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes habe schon vorher von dem geplanten weihnachtlichen Sudel-Anschlag auf die Kölner Synagoge Kenntnis gehabt, behauptet das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek.

Segni in Nöten

Der Beschluß der italienischen Liberalen, das Kabinett Segni nicht mehr zu unterstützen, ist nur der Anlaß der Regierungskrise in Rom.

Polens Grenze

Die Oder-Neiße-Gebiete sind für das Funktionieren des polnischen Staats- und Nationalorganismus so wesentlich, daß wir ohne sie nicht mehr existieren könnten.

Die Tragödie eines Atompazifisten

Sechzig Männer, Atomforscher und Armee-Ingenieure, haben letzte Woche in Paris ihren Lohn für die Mitarbeit an Frankreichs Bombe erhalten.

Wenn der Kreml „realistisch“ sagt...

Dreimal wird in der knapp sechs Seiten langen „Erläuterung“, die der sowjetische Botschafter Smirnow den SPD-Politikern Erich Ollenhauer und Herbert Wehner zur Berlin-Frage übergab, dem regierenden Bürgermeister Willy Brandt und seinem Magistrat von Westberlin vorgeworfen, sie seien nicht „realistisch“ genug.

Die Parteien und ihr Geld

„Die Parteien wirken, bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen.

Chruschtschow säubert

Das Parteipräsidium, das höchste Machtzentrum der Partei und des Staates, hat zur Zeit 14 Mitglieder. Theoretisch sind sie alle gleichberechtigt, in Wirklichkeit jedoch schält sich immer mehr eine Differenzierung zwischen ihnen heraus.

Dresden - Berlin, retour

Ich kenne einen Rentner. Er ist über achtzig Jahre alt und wohnt bei Dresden. Er wollte seinen Bruder in Berlin besuchen – zu dessen 80.

Bayern: Einem sittlichen Gebot zuwider...

Der bayerische Spielbankenprozeß muß neu verhandelt werden, hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe auf die Revisionsanträge der verurteilten Bayernparteipolitiker Baumgartner, Geislhöringer und Klotz sowie des früheren CSU-Abgeordneten Michel entschieden.

Nordrhein-Westfalen: Luftkrieg in Köln

Trotz des schönen Frühlingswetters waren am 11. Februar einige Kölner Bürger, unter ihnen der Oberstadtdirektor Dr. Max Adenauer, mit dem Kölner Himmel nicht zufrieden.

Prüfungen von gestern für Kunst von heute?

In Karlsruhe hat es einen Krach gegeben. Ein Künstler ist aus der Haut gefahren. Keine Lokalgröße, sondern ein Mann von internationalem Renommee: der Graphiker HAP Grieshaber, Professor an der Akademie der Bildenden Künste.

ZEITMOSAIK

Auf seine Kandidatur für einen Sitz in der Académie Française verzichtete Paul Reynaud, der zur Zeit der deutschen Invasion in Frankreich als President du Conseil amtiert hatte.

Für den Himmel ist sie nur ein Köder

Im Hamburger Deutschen Schauspielhaus ist „Der Seidene Schuh“ über die Szene gegangen. Der Münchner Gastregisseur Kurt Horwitz, der 1944 schon die deutschsprachige Erstaufführung in Zürich inszenierte, hatte Paul Claudels Welttheater noch im Einvernehmen mit dem Dichter gekürzt – die Vorstellung in Hamburg dauerte dreiunddreiviertel Stunden.

Wie polemisiert man?

Wir erinnern uns: Paul Hühnerfeld hatte (DIE ZEIT, 5. II. 1960) Hermann Kesten vorgeworfen, er habe im Januarheft der Zeitschrift „Die Kultur“ ein Pauschalurteil über die zeitgenössische deutsche Literatur ausgeprochen – ein Verdammungsurteil.

Ein Großer – menschlich

In einem der Hefte bekam der Lehrer folgendes zu lesen: „Mein Vater ist sehr berühmt. Er ist Nobelpreisträger. Die Leute halten ihn für sehr klug.

Gibt es irgendwo Welten aus Anti-Materie?

In fast allen großen Kulturländern der Erde werden heute ebenso kostspielige wie komplizierte Apparate gebaut, von denen der Laie gewöhnlich nicht viel mehr weiß, als daß sie irgendwie „mit dem Atom“ zusammenhängen.

Vor dem Furchtbaren nicht erschrecken

Tibor Dérys Leben – unter so vielen – ist ein Beispiel für jenen schrecklichen Satz des Schweizer Literarhistorikers Walter Muschg: ‚.

Mein Gedicht

Dieses Sonett ist nicht eins jener Gedichte, die ein Farbenspiel widerstrahlen, einen Laut der Natur zum Widerhall bringen, es ist nichts, das etwas aus der Sinnenwelt zurückfluten läßt, wie es doch ganz sonderlich die Funktion der edelsten lyrischen Poesie ist; aber es gibt einen Bereich des Liedes und Verses, und dieser ist jenem grundsätzlich gewiß gleichberechtigt und ebenbürtig, der einen Gedanken auf unnachahmlich deutliche Art ausformt; und ferner einen weiteren Bereich, der ein Gefühl ausdrückt – die Aufgaben und Möglichkeiten des Gedichtes sind ja unermeßlich.

Vernunft – durch Genie verklärt

Von Heine als „Raffael der Musik“ bezeichnet, von Schumann bewundert wegen der kühnen Schöpferkraft, wegen seines Fleißes und seiner Phantasie, von Mendelssohn-Bartholdy der „vollkommene Virtuose“ genannt, von Liszt und Delacroix, dem Maler, um seiner Gaben und seiner unerschöpflichen Liebenswürdigkeit als Freund verehrt, von der Schriftstellerin George Sand geliebt, verzehrte er sich in seiner eigenen Glut, ein Komet, der an Polens Himmel aufleuchtete, seine glänzende Bahn über Europa zog und bald wieder verlosch: Frederic Chopin (1810–1849).

Der Verrat am Pfennig

Seit es eine systematische Verkaufspsychologie gibt, ist der Ausdruck „König Kunde“ allen geläufig. Dieser zunächst für den Verkäufer als Eselsbrücke gedachte Begriff ist seinerzeit auch dem Käufer bekanntgeworden, der sich oft nur deshalb als Majestät gebärdete, um zu prüfen, ob man ihn als solche respektiere.

ZEIT-RAFFER

Für Tabakwaren sind 1959 in der Bundesrepublik 6,7 Mrd. DM (im Vorjahr 6,4) ausgegeben worden. Davon entfallen 82 v.H. auf Zigaretten.

Doch der Klempner kam nicht

Der tropfende Wasserhahn im Badezimmer, die nicht mehr richtig schließende Tür, der Defekt am Lichtschalter, das undichte Haus dach – welch ärgerliche Kleinigkeiten des Alltags.

Es geht schon los...

Die Bundesregierung hat bei der EWG-Kommission in Brüssel zwei Anträge gestellt, um den Schwierigkeiten zu begegnen, in die einige Zweige der Ernährungswirtschaft durch den Zollabbau geraten sind.

Pariser Börse: Auf Zehenspitzen zu neuen Ufern

Die Pariser Börse verfolgte in den letzten Wochen, nachdem ein Kursgleichgewicht erreicht worden war, die Haltung der angelsächsischen Börsen und der von ihnen abhängigen Plätze (besonders Amsterdam und Brüssel) besonders aufmerksam.

Der Leser schreibt...

Der Jahrgang 1958 war mengenmäßig der größte des 20. Jahrhunderts im jetzigen Bundesgebiet (4,8 Millionen Hektoliter). Der 1959er erbrachte nur 10 v.

Schuß vor den Bug des Finanzministers

Kurz vor Ende des Haushaltsjahres droht Ebbe in der Kasse des Bundes. Zwar sind die Steuereingänge höher als veranschlagt; aber dennoch hat der Bund eine erneute massive Beanspruchung des Geldmarktes angemeldet.

Londoner Börse: Angst vor dem Schatzkanzler

Wie auf dem Kontinent, so haben die Aktienkurse in letzter Zeit auch in England an Glanz verloren. Nachdem sie über zwei Jahre hinweg fast ohne Unterbrechung steil angestiegen waren, ist den Anlegern nun wieder einmal bewußt geworden, daß es an der Börse keinen Einbahnverkehr gibt.

„Vom Ich zum Wir“

Der Unbekannte hat, noch bevor die Zonenregierung ihren Bericht über die Erfüllung des Volkswirtschaftsplans 1959 fertiggestellt hatte, einen bitteren Kommentar zu diesem Aufmarsch der Zahlen geliefert.

Juliusturm finanziert Gunst der Bürger

Auf die französische Regierung ist in den letzten Tagen und Wochen eine Welle von Lohn- und Preisforderungen zugerollt, der sie sich nicht mehr erwehren kann – wenigstens nicht so, wie es die Preisstabilität erfordern würde.

Der Versuchung widerstanden!

In den letzten Jahren ist es üblich geworden, die Tüchtigkeit einer Unternehmungsleitung an der Steigerung der Bilanzsumme zu messen.

Sorgen wegen der sinkenden Preise

Dr. Boden, Vorstandsvorsitzender der AEG Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft, meinte auf einer Pressebesprechung, die Aktionäre hielten es für selbstverständlich, daß die Ergebnisse Jahr für Jahr besser würden.

Die Umlaufsgrenze ist erreicht

Das abgelaufene Geschäftsjahr 1959 war für die Hypothekenbanken, sofern sie einigermaßen glücklich operiert haben, außerordentlich günstig.

Gold und Flitter in Squaw Valley

Mit dem imposanten Aufwand von 2700 Sängern und 1500 Musikern, die die feierliche Hymne „These Things Shall Be“ intonierten, wurden am 18.

Locke des Stars in der Tüte

Sind Teennager „eine Erfindung interessierter Wirtschaftskreise"? Wer die „Paten" der Clubs kennt — beispielsweise die Hut, die Kosmetik, die Miederindustrie —, wird ohne Bedenken mit ja antworten.

Die Bibel kernphysikalisch ausgelegt

In der Bibel, die offenbar auf verschiedene Weise recht haben kann, steht es im Ersten Buch Moses, Kapitel 19, so: „Und die Männer sprachen zu Lot: Hast du noch irgend hier einen Eidam und Söhne und Töchter, und wer dir angehört in der Stadt (Sodom), den führe aus dieser Stätte.

Cocteau filmt Cocteau

In Paris uraufgeführt: „Das Testament des Orpheus“ – Ein geträumt biographisches Gedicht mit vielen Berühmten

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