DIE ZEIT

Harun al Lübke

Der Bundespräsident hat unlängst in Bergneustadt einen begrüßenswerten Vorsatz bekanntgegeben: Er will sich gelegentlich selbst in den Schulen davon überzeugen, was die Schüler über Deutschlands jüngste Geschichte und über seine demokratischen Einrichtungen wissen.

An Ulbrichts Tisch

Die Leipziger Messe hinterläßt dieses Jahr einen lauen Nachgeschmack. Honigsüße Worte sprach Walter Ulbricht dort, sobald er an einem deutschen Stand einen Direktor besuchte, und einige blieben an ihnen kleben: Direktor Manning von Mannesmann, Krupp-Direktor Prof.

Vom Umgang mit den Afrikanern

Als ich aufbrach, Afrika zu bereisen, war es Dezember, und alle Welt machte sich mit dem Gedanken vertraut, daß im Jahre 1960 vier afrikanische Staaten ihre Unabhängigkeit erhalten würden.

Besuch mit Hindernissen

Die Vorgänge der letzten Tage haben gezeigt, daß der sowjetrussischen Diplomatie ein wechselreich abgestuftes System von heißen, lauwarmen und eiskalten Duschen zur Verfügung steht.

Smirnow – ganz hart

Botschafter Smirnow paßt die ganze Bonner Richtung nicht. Ganz hart zeigte er sich Ende Februar in einem Gespräch mit Erich Mende und anderen führenden FDP-Männern, dessen Inhalt erst jetzt bekanntgeworden ist.

ZEITSPIEGEL

„Wir würden uns mit tiefer Freude von unserer Atombombe trennen, wenn jene, die sie schon lange besitzen, sie gleichfalls abschafften.

„Wir bewegen uns wohl westwärts?“

Es war eines späten Abends, kurz bevor ich Moskau wieder verließ. Die Straßen waren menschenleer, das Thermometer zeigte minus 20 Grad, die Fenster waren dick vereist.

Adenauers Amerikareise

Zum siebtenmal ist Bundeskanzler Adenauer in den Vereinigten Staaten – aber noch nie stand er dort vor einer so schwierigen und heiklen Aufgabe.

Ausweg am Tiber?

Antonio Segni, Italiens vor kurzem erst zurückgetretener Ministerpräsident, soll sein eigener Nachfolger werden – das ist nun der letzte Ausweg aus der römischen Regierungskrise, die beinahe eine Staatskrise geworden wäre.

Des Ministers Betrachtungen

Was hat Minister Seebohm am 4. März in Hamburg gesagt, am gleichen Tage, da vor 41 Jahren 54 demonstrierende Sudetendeutsche von tschechischem Militär erschossen wurden? „Der 4.

„Wer ist noch entrechtet?“

Friedrich von Kessel hat mit dem BHE gebrochen, und er hat dabei sehr harte Worte über jene Partei gefunden, deren Bundesvorsitz er drei Jahre lang innehatte.

Reichstagsbrand im Zerrspiegel

Zwei Männer sind von den Nazis umgebracht worden – nur weil sie zuviel über die Rolle der SA beim Reichstagsbrand wußten. Der dies bezeugt, weiß, wovon er spricht: Ministerialrat a.

„Nicht auf Chinas Sputnik warten!“

Wir können es uns nicht leisten, darauf zu warten, bis die Chinesen einen Sputnik auf seine Kreisbahn schicken, ehe uns aufgeht, daß China ernsthafteres Studium wert ist.

Kein 1. Mai

Die alte sozialdemokratische Losung „Heraus zur Kampfdemonstration am 1. Mai“ gilt dieses Jahr in Kopenhagen nicht. Die Arbeiterpartei verzichtete auf den traditionellen Umzug, weil der 1.

Peinliche Frage im Hause der UN

Die Flüchtlingsorganisationen der ganzen Welt und insbesondere die der Ungarn haben den dänischen UN-Diplomaten Paul Bang-Jensen seit seinem Tod als Helden und Märtyrer gefeiert, der den Tod dem Wortbruch vorgezogen hat.

Neuer Anlauf zur Abrüstung

Abermals tagen im marmorierten Palast der Nationen zu Genf die Diplomaten aus Ost und West. Abermals steht der verwickelte und verworrene Komplex der Abrüstung auf ihrer Tagesordnung – zum erstenmal seit 30 Monaten wieder die Frage der allgemeinen Abrüstung.

Verstaatlichen oder nicht?

London, im März Die englische Labour Party steht in einer Zerreißprobe. Am Mittwoch hat der Gesamtvorstand der Partei mit den Beratungen über die Parteisatzung begonnen.

Mit Musik

Wer in Hamburg rechtskräftig als Verkehrs-Städtenverurteilt worden ist, muß an einem Verkehrsunterricht teilnehmen. Auch in anderen Städten wird so verfahren, denn die „Verkehrsgesinnung“ – so heißt der Fachausdruck für das Verhalten des motorisierten Menschen – ist bekanntermaßen schlecht und bedarf der Korrektur.

Bremen: Kilb-Affäre an der Weser

Nun hat auch Bremen seine „Kilb-Affäre“: Gegen den 48jährigen Polizeipräsidenten Erich von Boch und Polach sowie gegen den Leiter der Polizei-Kraftfahrzeugstaffel, Hauptkommissar Werner Göhl, ist Anklage wegen passiver Bestechung erhoben worden.

Hessen: Schandfleck von Sachsenhausen

Was für Berlin der Funkturm und für Stuttgart der Fernsehturm ist, soll nun für Frankfurt ein Getreidesilo werden. So dachten es sich jedenfalls die Stadtväter und erteilten einer großen Bierbrauerei im Stadtteil Sachsenhausen die Erlaubnis zum Bau eines 110 Meter hohen Silos, auf dessen Spitze ein rotierendes Restaurant für 160 Gäste eingerichtet werden soll.

Warum schreiben sie eigentlich?

2. stimmt das „heute“ in dem Satz nicht. Der Berufsschreiber wurde erst in unserem Jahrhundert erfunden – wie der Berufspolitiker.

Die Entlarvung

TVTeulich hätte ich beinahe, einem richtigen Mör L der die Hand geschüttelt.

ZEITMOSAIK

Die Verfeinerung durch Leiden ist höher und menschlicher als die durch Glück und Wohlleben, ich glaube daran und auch an jenes zukünftige Europa glaube ich in guten Stunden, welches einer religiösen Menschlichkeit und duldsamen Geistigkeit zugetan, seines heutigen verbissenen Weltanschauungszankes sich nur mit Scham und Spott wird erinnern können.

Biographische Daten

Bosper, Albert. Geboren 1913 in Lindau/Bodensee. In München ansässig. Kaufmann. Kriegsteilnehmer Weltkrieg II. Verheiratet mit einer Kriegsschwester.

Mein Gedicht

Ein düsteres Gedicht? Gleichwohl: es begleitete mich durchs Leben. Wann immer ich, wie andere Kammermusik hören, abends ein paar Gedichte las, kam ich auf es zurück.

Sodom und Hiroshima

Robert Jungks Reportage: eine Dichtung nach dem strengen Diktat der Wirklichkeit

Mein Buch des Monats:: Ilse Aichingers erster Roman

Zwölf Jahre sind seit den Tagen vergangen, da Ilse Aichingers Roman „Die größere Hoffnung“ erschien. Man erinnere sich: Borchert war schon tot, Böll und Celan, Ingeborg Bachmann und Schnurre hatten noch nicht begonnen.

Helden

Die Führer unserer größten politischen Parteien sind einsame Herrschernaturen, die lieber befehlen als Rat annehmen, die daher den Adjutanten dem wirklichen Mitarbeiter vorziehen.

Jawlenskys „Mädchen“ (1909)

Erst in den letzten Jahren, viel später als seine Freunde vom „Blauen Reiter“ und von der Gruppe „Die blaue Vier“ (Feininger – Jawlensky – Kandinsky – Paul Klee), ist Alexej Jawlensky aus der Vergessenheit aufgetaucht.

Schauplatz: Chikago-Süd

Die Entdeckung James T. Farrells ist für Deutschland ein Ereignis – allerdings weniger für Literaten als für gewöhnliche Leser.

Was wird aus uns?

Was Werner Heisenberg schon 1957 aussprach, hat nun der Präsident der sowjetischen Akademie der Wissenschaften bekräftigt: dem Zeitalter der Physik wird bald das Zeitalter der Biologie folgen; die entscheidenden Probleme, vor denen die Menschheit steht, sind biologischer Natur.

Agrarier unter sich

Fünf Stunden debattierte in der vergangenen Woche der Bundestag über Agrarpolitik und den Grünen Plan 1960. Anfangs hörten zwar 70, später nur noch 40 Abgeordnete zu.

Den Unschuldigen erschossen?

Grundsätzlich werden vorbeugende Maßnahmen gegen ein Übermaß an wirtschaftlicher Aktivität gern als berechtigt und notwendig anerkannt.

ZEIT-RAFFER

3502 Einwohner der Bundesrepublik hatten 1957 ein Vermögen von einer Million DM und darüber. 1953 waren es 1566. Angenommen, die Millionäre hätten sich nach 1957 gleich rasch wie vorher vermehrt, dann wäre ihre Zahl heute fast 5000.

Wie macht es die Bundesbank?

Die Geschäftsbanken betrachten die Mindestreserven, die sie zinslos bei der Notenbank unterhalten müssen, als eine Plage unserer Zeit.

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