Heimliche Koexistenz mit der sowjetischen Militärmission – Geschäfte bei Wodka und Kaviar

Von Heinz Stuckmann

Bünde, im März

Bünde?“ fragte das Fräulein von der Auskunft des Fernsprechamtes zurück: Bünde?“ Ich bestätigte. „Das liegt in Westdeutschland?“ Ich bejahte, mußte aber auch den zweiten Teil meiner Angaben nochmal wiederholen: „Ja, – die Sowjetische Militärmission hätte ich gerne...“ Das Fräulein glaubte es nun wohl, schien aber noch immer sehr verwundert. Ich konnte ihr nicht böse sein.

Denn auch ich war nur durch die jüngsten Ereignisse daran erinnert worden, daß es in der Bundesrepublik Sowjetische Militärmissionen gibt: in Baden-Baden, in Frankfurt am Main und in Bände, der Zigarrenstadt unweit der Porta Westfalica. Diese Militärmissionen wurden auf Grund der Potsdamer Abkommen eingerichtet.

Erst kürzlich las man wieder mal von ihnen: „Die sowjetischen Behörden hatten für die Angehörigen der westlichen Militärkommissionen in Potsdam neue Pässe ausgestellt, Pässe mit der Aufschrift „Deutsche Demokratische Republik“. Die Westmächte protestierten dagegen und schränkten zur „Vergeltung“ die Bewegungsfreiheit der sowjetischen Militärmissionen in der Bundesrepublik ein. Und deshalb mußten auch die Sowjetmenschen in Bünde einige Tage zu Hause bleiben – so lange, bis ihre westlichen Kollegen in Potsdam wieder die alten Pässe benutzen durften.

Das Fräulein vom Amt schien von all dem nichts gehört zu haben. Nach einigem Warten erhielt ich in schönem Postdeutsch die Antwort: „Der Teilnehmer hat keinen Anschluß...“ In Bünde dagegen brauchte ich nur einmal zu fragen. „Ah“, sagte der Mann auf der Straße, „Sie wollen zu den Russen. Die sitzen im Bünder Bruch, Da fahren Sie ...“