DIE ZEIT

Bittere Deutschland-Bilanz

Genau ein Jahr nach seiner Geburt hat die SPD ihren Deutschland-Plan vom März 1959 wieder zu Grabe getragen. Herbert Wehner selber, der geistige Vater dieses unglücklichen Kindes, hat dem Entwurf für eine stufenweise Wiedervereinigung die Grabrede gehalten.

Ein vorsorgliches Veto?

Das Wort, daß man sein Pulver trocken halten müsse, könnte in Berlin erfunden sein. So wurde Bundeskanzler Adenauers Anregung, eine Volksabstimmung in Berlin noch vor der Gipfelkonferenz zu veranstalten, in Berlin selbst mit einer Art verdutzter Höflichkeit aufgenommen.

Zwei Fronten im Kabinett

Über den Vorschlag Hallsteins, genauer: der Kommission der EWG, den Zollabbau innerhalb der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft zu beschleunigen, gehen die Ansichten im Kabinett stark auseinander.

ZEITSPIEGEL

Chruschtschows Krankheit und die dadurch verursachte Verschiebung seines Besuchs kommen Frankreich auf rund 2 Millionen Neue Francs zu stehen.

Niederlage – aber für wen?

Im Trubel des Chruschtschow-Besuches droh: unterzugehen was zu normalen Zeiten wohl recht viel Lärm verursacht hätte: nämlich die Weigerung de Gaulles, die von der Mehrheit der Abgeordneten verlangte außerordentliche Sitzung der Kammer über die Not der Bauern einzuberufen Die Vertreter der Opposition auf der Linken unc der Rechten und auch einige Persönlichkeiten, die bisher mit der V.

Kurze Krise

Als Bundesverkehrsminister Seebohm in der vorigen Woche mit seinem Rücktritt und sein Fraktionskollege Schneider (Bremerhaven) sogar mit dem Koalitionsbruch drohten, da gab es, was selten vorkommt, zwei Kabinettssitzungen an einem Tag und bei der CDU viel Ärger über Schneider.

Reichstagsbrand im Zerrspiegel

Das Geheimnis des Reichstagsbrandes ist noch nicht gelüftet – auch nicht durch die Spiegel-Serie des Oberregierungsrates Fritz Tobias.

Heini Gewehr kann das Geheimnis lüften

Sprechen wir lieber davon, wie Göring reagierte, als ich vor dem Nürnberger Gerichtshof über den Reichstagsbrand aussagte. Ich hatte damals erklärt, daß außer dem ermordeten Gestapohäftling Rall auch alle übrigen Teilnehmer jenes SA-Sonderkommandos, das durch den unterirdischen Gang in den Reichstag eindrang und dort den Brand legte, am 30.

Monsieur K. in Paris

Er ist also eingetroffen, der ersehnte, der gefürchtete Gast aus Moskau, den man in Paris nach amerikanischem Beispiel den Herrn K.

Der Kanzler unterm Sonnenbanner

Achttausend Kilometer sind es von der Westküste der Vereinigten Staaten bis zu jener Sichel vulkanischer Inseln, die dem asiatischen Festland vorgelagert ist – Japan.

MARION GRÄFIN DÖNHOFF:: Nicht herausekeln lassen!

Wer Afrika im Jahre 1960 bereist und sich der Bedeutung bewußt ist, die diesem im alten politischen Kräftespiel neu aufgetauchten Kontinent zukommt, der wird die Frage, ob die Bundesrepublik die diplomatischen Beziehungen mit Guinea abbrechen soll oder nicht, anders beurteilen, als wenn er zu Hause geblieben wäre.

BONN:: Wer lügt?

Einer von beiden lügt: Ulbricht oder Sekou Touré. Ulbricht läßt durch Presse und Rundfunk verbreiten, der guinesische Botschafter in Moskau sei nun auch in Ostberlin akkreditiert; er habe dort sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

OSTBERLIN:: Ein Eigentor

Der greise und kranke Wilhelm Pieck selbst war aufgeboten worden, um das Sektglas vor den Fernsehkameras zu heben. Entgegennahme des Beglaubigungsschreibens, Antrittsrede des Botschafters Dr.

Rätselraten um Guinea

Hat Guineas Staatspräsident Sekou Touré Botschafter mit der „DDR“ ausgetauscht? Touré verneint es. Bonn schenkt dem keinen rechten Glauben.

Niedersachsen: Im Hubschrauber

pk, Hannover Der Brief beginnt mit einer „Warnung“ an alle Zivilisten, die nähere Beziehungen zu höheden Offizieren der Luftwaffe haben.

Hessen: Auf der Flucht erschossen ...

Ein Polizist, der schießt und dabei auch sein Ziel trifft – das scheint es nur im Kriminalroman zu geben. Zwischen Zielen und Treffen ist ein großer Unterschied – auch bei der Polizei.

Bayern: Die Rivalen trafen sich beim Starkbier

Die Münchner wählen am Sonntag ihren neuen Oberbürgermeister. Der 72 Jahre alte Thomas Wimmer (SPD), der seit Kriegsende als Bürgermeister und Oberbürgermeister die Geschicke der bayerischen Landeshauptstadt wacker und redlich leitete, kandidiert bei den Kommunalwahlen nicht mehr.

Schleswig-Holstein: Sechs Schläge zuviel

Die Polizei ist mit einem Urteil des Flensburger Schöffengerichts unzufrieden – einem Urteil, das zwei Polizeihauptwachtmeister aus der Grenzstadt wegen Körperverletzung im Amt zu einer Gefängnisstrafe von je drei Monaten verdonnerte.

Berlin: Immer noch: Fall Dlouhy

Der tschechische Oberleutnant Jaroslaw Dlouhy, den die Westberliner Fremdenpolizei im September 1959 in die CSR abschob (siehe DIE ZEIT Nr.

Schmutz-Vorschrift

Wasser wird seit urdenklichen Zeiten zu Reinigungszwecken verwendet. Im allgemeinen kommt Leitungswasser in Frage, das meist in kaltem Zustand verwendet wird.

ZEITMOSAIK

Dieses Buch kommt über die Grenze, die wir nicht anerkennen und die es doch mit jedem Tage mehr gibt, nicht ganz ohne Schuld des westdeutschen Einzelnen, der vor lauter Mitleid die Augen und die Ohren zuhält.

Wie lebt man mit den Dämonen?

Künstler haben, wie jedermann weiß, ihre Dämonen. Andere mögen den Teufel im Leib haben oder den Schalk im Nacken oder den Alp auf der Brust – aber der Dämon ist es, der den Künstler zum Künstler macht; mit dem er nachts in freudloser Mansarde ringt; der ihn zwingt, „Welt zum Range von Dichtung zu verdichten“, wie es so wahr heißt; es ist der Dämon, der drohend und flammenden Blicks hinter ihm steht, wenn er in diesen seinen Kompressionen „die Wirklichkeit in gültiger Weise bewältigt“, wenn er sie so lange ballt, bis der „Mensch mehr Mensch“ ist, wenn er „dem Leben einen Spiegel vorhält“ und der schnöden „Gesellschaft ins Gesicht schlägt“ – an all diesem Treiben ist der Dämon beteiligt.

Staatspreise für Kunst

Wieder Kunstpreise — in Berlin und Hamburg. Kunstpreise des Staates sind doch fast eine Paradoxie (und zuweilen, wie vor kurzem in Bremen, wo Günter Grass den Literaturpreis nur beinahe bekommen hätte, ist das Paradoxon deutlich zutage getreten).

Nur mit der Musik haperte es

Intendant Rolf Liebermann mit einem vielversprechenden Hamburger Programm Karl Birger Blomdahls „Aniara“ – eine Bravour-Inszenierung des Regisseurs Günther Rennert

Autos damals

Der Kraftfahrzeughandel in Westdeutschland wirbt wieder um seine Kunden. Neben neuen Wagen werden nun auch gebrauchte Fahrzeuge angeboten.

Schwarz auf Weiß

Der amerikanische Schriftsteller John Howard veränderte sein Äußeres so kunstgerecht, daß er sechs Wochen lang als Neger unter Negern leben konnte.

Bum-über–bum–alles–bum!

Nigeria ist auf der Suche nach einer Nationalhymne. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben. Das Thema wurde von der gesetzgebenden Versammlung des jungen Staates so formuliert: Die Hymne soll die nigerische Seele ausdrücken, soll den energischen Rhythmus des Schrittes der Jäger haben und die Tugenden des nigerischen Volkes preisen.

Eine freche Partie

Fernab von anderen Kämpfen tobt seit dem 15. März in Moskau ein Kampf, in dem Russe gegen Russe steht: die Schachweltmeisterschaft.

Gegen jede Art von Einseitigkeit

Die Frühjahrsausstellung im Kunstverein Hannover ist immer Vorspiel und Auftakt der überlokalen deutschen Kunstausstellungen.

Mein Gedicht

Auf die Frage nach „meinem Gedicht“ habe ich mich zu prüfen, warum mich vornehmlich jene Verse treffen, die vom Wasser sprechen, vom Fluß, vom Meer, vom Kahn, vom Schiff.

Ein roh, gewaltsam Handwerk

Das soll um so anerkennender hervorgehoben werden – die achte Auflage liegt vor –, als die ersten Auflagen von 1938 an zu viele Konzessionen an jene Jahre machen mußten und besser unterblieben wären.

Die Brücke vom Abendland zum Morgenland

Die Älteren von uns erinnern sich noch genau an das Schlagwort von den „balkanesischen Zuständen“. Es gab eine Zeit – und sie war eigentlich erst vor knapp zwanzig Jahren zu Ende – da galten dem Mittel- und Westeuropäer alle Landstriche östlich und südlich Wiens als Bezirke, in denen liebenswürdiges Chaos und ehe heitere, sonnenbeschienene Anarchie herrschten.

Der Rohstoff zum Werther

Seine „unablenkbare Richtung ist, dem Wirklichen eine poetische Gestalt zu geben; die Andern suchen das sogenannte Poetische zu verwirklichen.

Des Romans neue Kleider

Wir haben ja, dem Himmel sei Dank, wieder eine neue literarische Mode, eine Schule, besser gesagt – mit Chefideologen, Vertretern und Anhängern.

Internationales Wiesbaden...

„Aquis Mattiacis“ steht in großen Leitern hoch über den Säulen des Kurhaus-Portals in Wiesbaden. Diese Mattiaker, denen man die „Wasser“, nämlich die Heilquellen, zurechnete, waren schon da, als die Römer kamen.

Der Wiesbadener Frühling Die große Verwandlung kommt...

Der Frühling ist ein Ereignis – nicht nur ein Spiel der Gefühle, das dichterische Freiheiten aller Art herausfordert. Dies wahrhaft internationale Ereignis, das sich im Gegensatz zu den daran geknüpften poetischen Kommentaren sachlicher Nachprüfung durchaus zugänglich zeigt, ist in diesem Jahre bereits am 20.

Aktien für kinderreiche Familien

Zwar nicht unbedingt ideal, aber doch praktikabel – so wird im Bundesschatzministerium das Volkswagenwerk-Privatisierungsgesetz kommentiert, das am Ende seines langen parlamentarischen Leidensweges angelangt zu sein scheint.

Blick auf das Gaspedal

In Frankreich hat der EWG-Beschleunigungsplan nur ein schwaches Echo ausgelöst. Die amtlichen Kreise hüllen sich in verlegenes Schweigen, da die Idee einer Beschleunigung des Zollabbaus und des Übergangs zum gemeinsamen Außentarif der „Sechs“ vor Monaten vom seinerzeitigen französischen Finanzminister Pinay in die Diskussion geworfen worden ist.

Als wär’s ein Stück von mir...

Als vor acht Jahren der inzwischen verstorbene Freiherr von Rechenberg im Bundestag für eine maximale Lastzug-Länge von 15 m plädierte, war es Bundesverkehrsminister Seebohm der ihn in die Schranken verwies.

Ein Streit wird chronisch

Die Reisenden in Sachen Kohle sind gut beschäftigt, und sie werden es vermutlich noch eine ganze Weile sein. Seit der Ruhrbergbau im Dezember vorigen Jahres bei der Hohen Behörde seinen Antrag auf Errichtung eines einheitlichen Kohlenverkaufs gestellt hat, werden pausenlos Argumente und Gegenargumente in Essen, Bonn und Luxemburg gesammelt – und zuweilen auch ausgetauscht.

ZEIT-RAFFER

Die bundeseigene Bergwerksgesellschaft Hibernia AG hat sich nunmehr auch entschlossen, ihren Tribut an die Strukturwandlungen auf dem westdeutschen Brennstoffmarkt zu entrichten.

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