DIE ZEIT

Degradierter Mao

Im gleichen Augenblick, da aus China gemeldet wird, daß alle Partei-Funktionäre und alle Beamten Mao Tse-tungs Lehren noch einmal durchackern müssen, kommt aus Moskau die Kunde, daß die Kreml-Ideologen von eben jenen Lehren gar nichts mehr halten.

Lenz im Etat

Es kann eher ein Stück vom Winter in den Frühling hinübergleiten als ein Haushaltsrest in das neue Haushaltsjahr – und deshalb darf es am 31.

Im fernen Japan

Ganz offensichtlich ist der Kanzler überanstrengt. Er wirkte angespannt und nervös in den ersten Tagen seines Japan-Besuches.

Macmillans Mission

Dem englischen Ministerpräsidenten Macmillan ist offenbar bei seinem dramatischen Flug nach Washington nicht ganz die begeisterte Aufnahme zuteil geworden, die sich seine Bewunderer in London erhofft hatten.

Status quo vadis?

Das deutsch-britische Verhältnis liegt im argen. Nicht erst, seit Harold Macmillan vor einem Jahr nach Moskau flog und dort das Eis des Kalten Krieges ins Schmelzen brachte.

Rette sich, wer kann

Das Komitee Rettet die Freiheit, das unter Protektion der CDU ohne Beteiligung der SPD seinerzeit in Bonn zustande kam, hat seinen zweiten Jahreskongreß abgehalten.

Südafrikas letzter Ausweg

Unter Berufung auf Artikel 35 der UN-Charta hat die afrikanisch-asiatische Gruppe in den Vereinten Nationen eine Sondersitzung des Sicherheitsrates einberufen.

Das Schlagwort vom deutschen Drang nach Osten

Antoni Golubiew, ein bekannter Publizist des heutigen Polens, schrieb in dem katholischen Wochenblatt Tygodnik Powszechny einen Leitartikel, in dem er die offizielle These vom deutschen „Drang nach Osten“ geschichtlich widerlegt.

ZEITSPIEGEL

„Mächtige Nationen haben die Pflicht, den weniger begünstigten Völkern soziale, technische und wirtschaftliche Hilfe zu leisten, damit diese dem Atheismus der Armut entrinnen; denn die Armut kann Atheisten aus uns allen machen.

...plädiert für Pankow

Auf seinem Terminkalender bleibt kaum ein freier Tag. Dienstag: Berlin, Mittwoch: Karlsruhe, Donnerstag: Düsseldorf, Freitag: Berlin, Montag: Hannover – so sah es letzte Woche aus.

Testfall Renner in Karlsruhe

Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, besser, die Tat begangen wurde.“ So steht es im Grundgesetz, Artikel 103, Absatz 2.

Neue Regierung, alte Sorgen

Rom hat eine neue Regierung, aber die alten Sorgen. Der christlich-demokratische Abgeordnete Fernando Tambroni hat ein rein christlichdemokratisches Kabinett gebildet.

Mythos der Märtyrer-Partei

Dort gelangt man durch ein enges Tor in einen unterirdischen Raum, wo fünfzehn Särge erschossener Widerstandskämpfer stehen.

Nikita im Lande der Franzosen

„Genossen, kauft rote Fahnen!“ – KP-„Arbeitsjubel“ und höfliche Reserve bei Chruschtschows Staatsbesuch

De Gaulle und die neue Außenpolitik

Es hieße die großartige Starre de Gaulles untersetzen, wenn man annähme, daß dieser Mann sich wesentlich geändert hätte. Etwas anderes aber hat sich in den verflossenen zwei, drei Jahren von Grund auf geändert: die außenpolitische Konstellation, und de Gaulle besitzt bei aller Starrheit genügend taktische Geschmeidigkeit, um das sich gleichbleibende Ziel – die Größe Frankreichs – unter den veränderten Umständen eben auf andere Art und Weise anzuvisieren.

Kassems Haus-Kommunisten

Aus dem Irak werden neue Unruhen gemeldet: Zusammenstöße zwischen Nationalisten und Kommunisten in Basra und Mosul, antikommunistische Demonstrationen in Bagdad.

Tito übt Gnade

Seiner ersten versöhnlichen Geste – der Erlaubnis, den verstorbenen Kardinal Stepinac in der Kathedrale von Zagreb beizusetzen – hat Marschall Tito eine zweite folgen lassen: Er hat vier eingekerkerte Sozialisten aus dem Gefängnis entlassen.

Staats-Trauer bei der CSU

Die bayerischen Kommunal wählen haben der SPD einen großen Erfolg gebracht. Zum erstenmal ist es den Sozialdemokraten gelungen, die CSU zu überflügeln.

„Vom Ich zu Dir“

In acht der fünfzehn Bezirke der Sowjetzone haben die Funktionäre der Nationalen Front inzwischen Vollzugsmeldung erstattet: in ihren Bereichen wird die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in Zukunft genossenschaftlich bewirtschaftet.

Berlin: Konkurrenz für den „Lulatsch“

Irgendein Turm bietet immer Stoff zu Streitgesprächen in Berlin. War es noch vor Jahresfrist der Turm der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz, dem die Bauverwaltung zu Leibe wollte, so erhitzt seit dem letzten Sommer das Schicksal des Funkturms am Reichskanzlerplatz die Gemüter der Berliner.

Der Postbote

In Ahrbeck, einem winzigen Dorf, nur änderthalbtausend Meter vom zuständigen Postamt der Kreisstadt Burgdorf entfernt, wohnt Herr S.

Bremen: Autofahrer sparen Geld

Bremens vielbeschäftigter DGB -Vorsitzender Richard Boljahn hat der reichhaltigen Skala seiner dienstlichen und privaten Verpflichtungen ein neues Tätigkeitsgebiet hinzugefügt: Seit einiger Zeit ist er Vorsitzender des „Vereins für wirtschaftliebes Kraft fahren“ (VWK) in der Hansestadt.

Wer soll an der Kunst verdienen?

Aber die andern, die das Geschäft mit der Kunst machen, wollen nicht gerne teilen. Wenn die „Gaukler“, für die Picasso 1905 nur 500 bekam, heute für 500 000 versteigert werden – warum soll Picasso am Gewinn beteiligt werden? Alle Arrivierten haben billig angefangen, sagen die Händler.

ZEITMOSAIK

Am vergangenen Donnerstag wurde der vierundsechzigjährige Roman- und Bühnenautor Henry de Montherlant („Die tote Königin“, „Tiermensehen“, „Erbarmen mit den Frauen“) mit 24 gegen 5 Stimmen in die Académie Française gewählt – von den 40 Sitzen sind damit wieder.

Zwischen Avantgarde und Reaktion

Vom Kalender diktierte Betrachtungen über Hugo Wolf, Gustav Mahler, Carl Orff, Paul Hindemith, Johann Nepomuk David, Hermann Reutter, Ernst Krenek, Heinrich Sutermeister

Mein Museum

Es gibt nur einen Termin, zu dem ich mein Museum bekannt machen könnte: den 1. April. Dieser Tag, an dem Lokalredakteure ihre Leser mit irgendeiner Nachricht an irgendeinen Ort locken, an dem garantiert nichts los ist, berechtigt mich, einen sozusagen latenten Aprilscherz zu offenbaren und gewisse Mißverständnisse, zu denen der Besucher in meiner Wohnung Gelegenheit hat, auszuräumen.

Vier Fakultäten zuviel?

... daß der Verfasser in seinem Bericht über das Landwirtschaftsstudium an der Frage nach der Zahl der landwirtschaftlichen Fakultäten nicht vorbeigegangen ist.

Henry de Montherlant:: Stadion am Himmel

Sie flohen. Der Raum verschluckte ihren Lärm. Die eine war immer weiter zurückgeblieben. Und sie schrie: „Verlaßt mich nicht!“ – schrie mit erschreckender Kraft, wie ein Soldat, der die Ablösung verliert und schreit.

Das Studium der Landwirtschaft

Wie man in Deutschland Landwirtschaft studiert“ erschien in den Nummern 10 und 11 der ZEIT. Dieser Aufsatz regte einen der kompetentesten deutschen (nicht nur in Deutschland bekannten) Gelehrten dazu an, uns den folgenden Beitrag ziTschreiben.

Gassmans Theaterzirkus

Wird das kühne Experiment gelingen, mit dem der 37jährige Schauspieler und Filmheld Vittorio Gassman die Krise des italienischen Theaters besiegen will? Wird sich die noble Idee durchsetzen, welche die an triviale Vergnügungen gewohnten Massen durch große dramatische Kunst und niedrige Preise zurückgewinnen will? Es wäre dem unternehmerischen Feuergeist des italienischen Sohnes eines kölnischen Ingenieurs und einer Genueserin zu wünschen.

Lob der Grippe

Vorm Fenster die schwarzen Gesten der Äste, der feuchtkalte Himmel. In den Ohren das Bienengesumm des Fiebers. Das Hotelbett zu kurz.

Mein Gedicht

Das Gedicht steht im Buch Suleika des Westöstlichen Divans von Goethe und ist am 24. September 1815 entstanden. Ist es ein Liebesgedicht an Marianne von Willemer? Oder ist es nur ein weit ausholender Vergleich der Fruchtreife und des Niederfalls der Kastanien auf dem Heidelberger Schloßberge mit der Liederernte dieser Herbsttage? Zunächst scheint es ein typisch deutsches Herbstgedicht zu sein, kaum vom Morgenland berührt, aber der Kenner weiß, daß auch in diesem Falle ein persischer Vers des Dichters Dschami, der seinerseits auf eine Stelle in der 19.

An Apollonios

Der hier folgende Brief, der der Gießener Universitäts-Bibliothek gehört, wurde im Jahre 118 nach Christus auf Papyrus geschrieben und jetzt entziffert.

Vorsicht Werbung!

Wenn ich mal etwas läuten höre, dann halltes bei mir noch lange nach. Seit ich gehört habe, daß es außer der gewöhnlichen Werbung noch eine Schleichwerbung gibt, ist mein Mißtrauen erwacht, und ich bin fortwährend darauf bedacht, ihr auf die Schliche zu kommen.

Vom Bankrott der Bildung

Macht endlich Schluß, mit den großen Worten – Eine neue pädagogische Schriftenreihe

Die Schwalbe aus Danzig

Eine Schwalbe mag noch keinen Sommer machen, aber sie zeigt an, daß es Frühling geworden ist auf dem deutschen Büchermarkt. Noch liegt das bestverkaufte Buch des Winters weiterhin an der Spitze.

Nr. 14 vom 6. April 1950: Sind wir heraus?

In Bonn geht das Witzwort um, der neue deutsche Staat sei eine „totale Demokratur“. Darin steckt als wahrer Kern, daß wir aus den Kinderkrankheiten der Demokratie noch nicht heraus sind.

Gottheiten ohne Himmel und Unterwelt

Es hat keinen Sinn, über Henry Moore von der Ästhetik her zu sprechen. Vielleicht sollten die Kunsthistoriker und Kunstkritiker das Thema Moore für die nächsten 50 Jahre überhaupt nicht anrühren.

Christ und Humorist

Innerhalb eines Jahres ein zweiter Marshall! Die Freunde des Dichters werden verwöhnt, denn auch der neue Roman ist wie „Auf Heller und Pfennig“ ein Volltreffer.

Claude Monet – Vorläufer der Tachisten

Die hier abgebildete „Landschaft mit Segelbooten“ hat Claude Monet (1840–1926) gezeichnet, der konsequenteste jener Maler, die die gegenständliche Welt fast ganz in Licht, Luft und Farbe auflösten: sie „pulverisierten“.

Charmanter Spaßvogel und Moralist

Wenn jemand in meinen Geschichten einen Sinn findet, so ist das seine Sache; ich habe keinen hineingetan – so schrieb Kurt Kusenberg zu seinem vor fünf Jahren erschienenen Geschichtenband „Wein auf Lebenszeit“.

Kaschierte Zeitnähe

Die Dramen Jean Anouilhs hatten bisher zumeist ein und denselben Inhalt: Ein junges Mädchen gerät in ein großes Haus und beginnt dort Staub zu wischen.

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