DIE ZEIT

Sturm über Südafrika

"Die Mentalität des ‚Entweder-Oder‘, die nur die zwei Extreme Enthaltsamkeit oder Trunkenheit kennt – im Falle Südafrikas: gänzliche Trennung oder vollkommene Integration – und die keinen Mittelweg zu überlegen bereit ist, beruht auf einer Übervereinfachung der Lebensprobleme, die wenig geistige Anstrengung erfordert und hoffnungslos unpraktisch ist.

Iwans deutscher Orden

Der Kanzler schlachtet heimlich kleine Hunde“ – nur ein Satz nach diesem Muster, so meinte einmal ein deutscher Journalist in Bonn, könnte die Chancen Adenauers bei einer Bundestagswahl beeinträchtigen.

Fremder Zungenschlag

War Adenauers Staatsbesuch in Japan ein Erfolg? Liest man das Abschlußkommuniqué, so scheint alles zum besten zu stehen. Die Regierungschefs, so heißt es da, waren sich einig, daß die Wiedervereinigung Deutschlands und die Bewahrung der Freiheit der Bevölkerung Berlins „gemäß dem in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Selbstbestimmungsrecht der Völker“ nach wie vor das vordringlichste Problem in Europa sei.

Zuversicht in Bonn

Bonn sieht der Gipfelkonferenz zuversichtlich entgegen – trotz der Unnachgiebigkeit Chruschtschows in der Deutschland- und Berlin-Frage und trotz der Spannung mit England wegen Hallsteins Fristverkürzungsplänen.

ZEITSPIEGEL

Fritz René Allemann, der mehr als zwei Jahre lang dem Redaktionsstab der ZEIT als politischer Kommentator angehörte, hat die Chefredaktion der in Berlin erscheinenden Zeitschrift „Der Monat“ übernommen.

Der neue Stil der Staatsbesuche

In früheren Jahrhunderten trafen sich die Monarchen oft auf der Brücke über einem Fluß. Dort sprachen sie dann durch ein eigens zu diesem Zweck errichtetes Holzgitter miteinander.

Ein Priester zwischen Christ und Antichrist

Kurz bevor de Gaulle seinen Gast aus Rußland zu den letzten intimen Gesprächen auf Schloß Rambouillet empfing, drei Tage, bevor Chruschtschow nach Moskau zurückkehrte, hat der Kremlherrscher doch noch Gelegenheit gehabt, einem Pfarrer die Hand zu schütteln, einem einzigen.

Mit zwei Kühen über den Todesstreifen

Am 8. Mai, dem Tag der Kapitulation, der in der Zone als Tag der Befreiung gefeiert wird, soll es dort nach dem Willen der SED keine freien Bauern mehr geben.

Kilb-Nachwehen

Im November vorigen Jahres legte die Bonner Staatsanwaltschaft gegen den Beschluß des Landgerichtes Bonn Beschwerde ein, in der Leihwagenaffäre Kilb kein Hauptverfahren zu eröffnen; im Januar wurde die Begründung dieser Beschwerde nachgereicht.

Die Brücke über den Neckar

Vor fünf Jahren haben die Mercedes-Direktoren Koenecke und Stählin dem Stuttgarter Oberbürgermeister Klett zum fünfzigsten Geburtstag und Zehn-Jahres-Dienstjubiläum eine Perser-Brücke geschenkt.

Ostberlin: Ein Inder in Ostberlin

Am 1. April stand in der Ostberliner Presse folgende kurze Notiz: „Wie ADN erfährt, wurde am 26. März ein 32jähriger Ausländer in ein Krankenhaus eingeliefert, da auf Grund seines Verhaltens der Verdacht auf Geistesgestörtheit oder eine Infektionskrankheit bestand.

Kino nur mit letzter Reihe

Nun hat auch die Bundesrepublik ihr erstes Auto-Kino – nach dem Vorbild jener Verliebten-Parkplätze, die in Amerika den schönen Namen Drive-in-Theater führen.

Das allerrichtigste Deutsch ...

Meist gibt es ja Leserbriefe, wenn Anstoß genommen wird; und nicht immer nimmt man seinen Anstoß, wie hier, mit Humor. Wenn die Ausmerzer von Fremdwörtern ihre Gegner "Bildungs-Snobs" schimpfen und die mit einem weise lächelnden "Purist!" antworten, fühlte sich nicht ein jeder von uns hüben und drüben mitbetroffen? (Jürgen Timm bezieht sich auf H.

Würden Sie nach Leipzig fahren?

Es traf sich in der vorigen Woche so, daß in dem einen Empfangsraum der Universität Leipzig neun Heidelberger Gelehrte versammelt waren, während im anderen je zwei Lyriker aus Ost und West – Peter Huchel und Stefan Hermlin, Ingeborg Bachmann und Hans Magnus Enzensberger – sich ein Rendezvous gaben, zu dem aus der Bundesrepublik auch noch Professor Walter Jens und Frau Inge Jens gekommen waren.

Perfid, Perfid ...

Von einer deutsch-englischen Verständigung ist wenig die Rede, sehr viel weniger jedenfalls als von einer deutsch-französischen.

Der Geist der Toleranz trauert

Der Tod des Komponisten Joseph Haas fordert zu einem Nekrolog über den „persönlichen Fall“ hinaus auf. Gewiß ist der Verlust eines hochbedeutenden Meisters zu beklagen, eines Könners von inzwischen selten gewordenen Graden.

Zur Situation der deutschen Erwachsenenbildung

Unsere Demokratie wird schon Festigkeit gewinnen, wenn keine Schicht der Gesellschaft vor der Möglichkeit, sich zu bilden, ausgeschlossen ist und aktive Minderheiten in allen Gruppen diese Chance wahrnehmen.

ZEITMOSAIK

Die Volkshochschule ist eine freie Hochschule, die in allen Kreisen der Bevölkerung die Menschen erzeugt, die den Werken der schöpferischen Geister erst die nötige Resonanz und die Wirkung im großen und ganzen sichern.

Künstler-Witwen

Bei der Wahl seiner zukünftigen Witwe kann ein Künstler gar nicht vorsichtig genug sein, wie einige aufsehenerregende Fälle aus jüngster Zeit beweisen.

Die Frauen in der modernen Kunst

Zwei Ereignisse sehr verschiedener Art gaben dieser Tage dem Münchner Kunstleben besordere Akzente. Madame Helena Rubinstein, die 84jährige Königin der Kosmetik, erschien ats New York als Stifterin eines ihren Namen tragenden Preises für junge deutsche Maler.

Der Polemiker

Mit seiner ganzen Sippe, seiner Frau, seinen sechs Kindern und einigen Verwandten, wollte er einen Traum seiner Jugend verwirklichen, und er fuhr nach Paraguay und von dort bald nach Brasilien.

Mein Gedicht

Seit ich als Gymnasiast diese vier Strophen meines Schweizer Landsmannes gelesen habe, lernte ich viele bessere Gedichte kennen, auch von Zollinger selbst.

Der Fall Gertrude Stein

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Das ist doch – ja, richtig – von Gertrude Stein, jener viel und leidenschaftlich umstrittenen Amerikanerin, die behauptete, daß es ihr Französischer Pudel Basket gewesen sei, der ihr mit seinem rhythmischen Milch-Schlecken den Unterschied zwischen Prosa und Poesie beigebracht habe; es ist von jener Autorin, bei der die New Yorker Grafton Press, der sie aus Paris das Manuskript ihres Buches „The Making of Americans“ zum Druck gesandt hatte, anfragen ließ, ob sie die englische Grammatik überhaupt richtig beherrsche.

Versager auf allzu schmalem Pfad

Woran liegt es, daß Jahr für Jahr 11 000 bis 12000 Menschen auf den Straßen der Bundesrepublik ihr Leben lassen müssen? Wo ist der Grund dafür zu suchen, daß der Schaden, welcher der westdeutschen Volkswirtschaft dadurch entsteht, immer weiter wächst und nach ernsthaften Schätzungen eine Größenordnung erreicht hat, die zwischen 2 und 3 Mrd.

Zänkerei im Interzonen-Handel

Obwohl der Interzonenhandel seinem Ursprung nach die primitivste Form des Warenverkehrs – den Tauschhandel – darstellt, ist er ideologisch und politisch belastet.

ZEIT-RAFFER

Zum erstenmal seit 1950 war im Jahre 1959 ein Defizit in der Devisenbilanz der Bundesrepublik zu verzeichnen. Nach dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank für März belief sich der Passivsaldo – gemessen an der Abnahme des Gesamtbestandes der Notenbank, an Gold sowie an frei und beschränkt verwendbaren Auslandsforderungen – auf 2,1 Mrd.

Lebensversicherung ohne Risiko

Lebensversicherungen sollen für den Versicherten eine Altersversorgung oder für die Hinterbliebenen eine gewisse Sicherstellung garantieren.

Wovon die City spricht: Katze aus dem Sack

Niemand in der City hatte von der Haushaltsplanvorlage am Montag eine Strafexpedition gegen den Steuerzahler befürchtet. Auf der anderen Seite war es nur allzu klar, daß Heathcoat Amory nicht wie vor zwölf Monaten in der Lage sein werde, fiskalische Großzügigkeit walten zu lassen.

Wettlauf im Bau von Riesentankern

Die Weltschiffahrt befindet sich z. Z. in der vielleicht schwersten Krise ihrer Geschichte, erklärte unlängst einer, der es wissen muß: Sir Nicholas Cayzer, der Vorsitzende der britischen Reedervereinigung (Chamber of Shipping of the United Kingdom).

Rohöl ja, Gas nein

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesverkehrsministerium hat kürzlich ein umfangreiches Gutachten über den Rohöltransport in Fernleitungen vorgelegt.

Pariser Börse: Raus aus den Goldminen

Die günstigen Geschäftsberichte für das vergangene Jahr haben anregend gewirkt. Die Verwaltungen äußern sich auch über die Ergebnisse für die laufende Berichtsperiode optimistisch, so daß die erhöhten Aktienkapitalien mindestens ebenso hohe Dividenden wie im vergangenen Jahr abwerfen dürften.

Neues Jahr unter gutem Stern

Die erstaunliche Praxis, die Dividenden bei rückläufigem Umsatz zu erhöhen, behält die Handelsunion AG, Düsseldorf, auch für das Geschäftsjahr 1958/59 bei.

GEFA hielt Umsatz

Nach einer Angabe des Wirtschaftsverbandes Teilzahlungsbanken e. V., Düsseldorf, haben die Teilzahlungsbanken in der Bundesrepublik und Westberlin im Jahre 1959 ihren Kreditumsatz um 460 Mill.

Gespräche am Bankschalter:: Schulden können nützlich sein

Das seit Monaten anhaltende Stagnieren der Aktienkurse hat bei vielen Aktienbesitzern zu Überlegungen geführten deren Mittelpunkt die Frage steht: „Sollen wir unsere Wertpapiere verkaufen, um mit dem Erlös Schulden (Hypotheken) zu tilgen?“ Von der Ertragseite muß es natürlich als ein Widersinn erscheinen, eine Aktienrendite von bestenfalls 3 v.

Die Verschlüsse kamen nicht...

In der vergangenen Woche gingen rund 200 Beschäftigte der Kamera-Fabrik Iloca Camera (Inhaber Wilhelm Witt) in Hamburg ohne Geld nach Hause.

Bank-Mathematik schwach!

Zwei ehemalige Banklehrlinge treffen sich wieder. Der eine ist Bankbeamter geblieben und jetzt in einer bescheidenen Position.

Aktionäre müssen Geduld haben

Die Deutsche Überseeische Bank, Berlin-Hamburg, wird auch für 1959 keine Dividende zahlen. Die Verwaltung sieht ihr Hauptziel darin, der Bank – soweit es unter den veränderten Verhältnissen überhaupt möglich ist – ihre alte Bedeutung zurückzugewinnen.

+ Weitere Artikel anzeigen