Auf den Ministerpräsidenten der Südafrikanischen Union ist ein Attentat verübt worden: Mit zwei schweren Kopfwunden liegt Dr. Hendrik Verwoerd im Krankenhaus von Pretoria. Der Mann, der die beiden fatalen Schüsse abgab – der Millionärs-Farmer David Pratt, Mitglied des hochfeinen Londoner National Liberal Club – wartet im Gefängnis auf seine Richter.

Noch liegen die Triebkräfte seiner Tat im dunkeln. Doch die Folgen zeichnen sich schon ab: eine weitere Verschärfung des Apartheids-Kurses; vor allem aber ein neuerliches Aufbrechen des alten burisch-englischen Gegensatzes in der Union.

Nicht immer haben Attentate in der Geschichte eine befreiende Wirkung gehabt. Ebensooft haben sie genau das Gegenteil bewirkt. Stets jedoch sind sie, wenn sie nicht das Werk von Irren waren, Anzeichen gewesen für eine tiefe Krise der jeweiligen politischen, gesellschaftlichen oder moralischen Ordnung: Der Revolver des Attentäters ist Symptom der Revolution wie der Polizeiknüppel.

Dem Manne, den die Revolverschüsse von Johannesburg niederstreckten, wendet sich die menschliche Teilnahme auch seiner Kritiker zu. Th. S.