Auf dem Schlachtfeld geblieben: die Patienten – Weil die Ärzte stritten, sagten die Diakonissen ihren Dienst auf

H. M., Bredstedt

Früher, wenn abends der friesische Teepunsch in den Tassen dampfte, sprachen sie an den Bredstedter Stammtischen über die Vieh- und Düngemittelpreise. Seit einem Dreivierteljahr ist das anders. Seitdem nämlich kennen die Bürger des kleinen Städtchens zwischen Husum und Niebüll an der schleswigschen Westküste nur noch ein Thema: den „Krankenhaus-Krieg“. Und darüber geraten sie sich stets und ständig in die Haare.

Die Betten stehen leer ...

„Der Krankenhaus-Krieg ist ein Krieg zwischen der Stadtverwaltung und der Mehrheit der Stadtvertretung. Das erste Gefecht hatten die Einwohner der Gemeinde, die 4200 Seelen zählt, verloren. Ergebnis: Seit dem 1. April befinden sich in dem jüngst erst modernisierten Krankenhaus am Stadtrand keine Patienten mehr. Der Backsteinbau wurde stillgelegt.

Kein Arzt, keine Schwestern mehr in Bredstedt – wie konnte es so weit kommen? Es ist nicht einfach, das Knäuel von arbeitsrechtlichen Fragen, persönlichen Reibereien, kommunalpolitischen Winkelzügen, parteipolitischen Interessen, aber auch Ressentiments zwischen Einheimischen und Vertriebenen zu entwirren. Versuchen wir’s..

Seit rund 80 Jahren unterhält die Gemeinde Bredstedt ein kleines chirurgisches Belegkrankenhaus, in dem die Bürger des Städtchens, aber auch die Leute aus dem Nordteil des Kreises Husum Aufnahme fanden und von freundlichen Diakonissinnen des Mutterhauses Flensburg gepflegt wurden. Der Kummer begann 1945, als Dr. Godt, der seit fast zwanzig. Jahren das Krankenhaus betreute, von den Engländern wegen seiner SS-Zugehörigkeit interniert wurde. Die Stadtverwaltung war daher froh, als ihr die Ärztekammer in Bad Segeberg den Chirurgen Dr. Stintzing vermittelte, der zuvor in Posen praktiziert hatte und als Flüchtling nach Schleswig-Holstein verschlagen worden war. Aber die Internierungslager wurden eines Tages aufgelöst, die Entnazifizierung nahm ihren Lauf, und bald durfte auch Dr. Godt wieder Arzt sein. Seinem Wunsche, das Krankenhaus wieder zu übernehmen, kam man insofern entgegen, als man sich einigte, daß künftig beide Ärzte dort tätig sein sollten. Jeder durfte die Hälfte der 44 Betten mit Patienten belegen.