Mit dem Schlüssel kaufen – „einfach, bequem, übersichtlich“, – so versichert ein Prospekt, den die Würzburger Hausfrauen Mitte Februar in ihren Briefkästen fanden. Wenige Tage später waren die ersten „Schlüssel-Kundinnen“ unterwegs. Ihnen schienen die im Prospekt angepriesenen Vorzüge dieses neuen Systems der bargeldlosen Abrechnung des täglichen Einkaufs – es läuft unter der Bezeichnung „Plankauf“ offenbar handgreiflich.

Den Schlüsselkundinnen stehen 80 Schlüsselgeschäfte zur Deckung ihres täglichen Bedarfs zur Verfügung. Das weiße Plakat, das, sinnfällig akzentuiert durch einen schwarzen Sicherheitsschlüssel, verkündet: „Hier können Sie mit dem Schlüssel kaufen“, hängt in Würzburg an Lebensmittel- und Feinkost-Geschäften, an Obst- und Gemüsehandlungen. Auch beim Metzger und Bäcker, in Fischgeschäften und Reformhäusern kann man mit besagtem Schlüssel bargeldlos einkaufen, ebenso in Haushaltwaren-Geschäften und Drogerien. Die Plankauf-Anhängerinnen können sogar die Dienste von Reinigungsanstalten und Wäschereien in Anspruch nehmen, ohne in bar bezahlen zu müssen. Und zu guter Letzt vermag der Schlüssel sogar zur neuen Föhnwelle und zu kosmetischen Verschönerungsprozeduren zu verhelfen.

Hausfrauen allerdings, die im Besitze eines solchen Schlüssels sind, tun gut daran, nicht allzu forsch davon Gebrauch zu machen. Auch beim „Plankauf“ geht es nicht ohne Kaufplan. Wenn auch nicht bar bezahlt werden muß – jeder Einkauf und jede Dienstleistung muß beglichen werden, und zwar auf einem neuen, bisher unbekannten Weg, nämlich über ein Bankkonto.

Wer Schlüsselkunde werden möchte, reicht bei der Bank, bei der er ein Konto unterhält oder einrichtet, einen Antrag ein. Selbstverständlich werden die Schlüssel-Aspiranten, insbesondere neue Konteninhaber, durch das jeweilige Geldinstitut auf ihre Seriosität geprüft, bevor ihnen ein Schlüssel ausgehändigt wird. Mit diesem Schlüssel kann der Kunde dann in jedem beliebigen Schlüsselgeschäft einkaufen.

Der Schlüssel trägt auf der einen Seite Namen und Kontonummer des Besitzers in Klarschrift... Auf der anderen Seite ist dasselbe in fälschungssicherer Lochschrift eingeprägt. Nachdem die Hausfrau den Einkauf, wie sonst auch, getätigt hat, übergibt sie den Schlüssel dem Verkäufer, der damit eine Spezialregistrierkasse in Gang setzt. Die Kasse hält in Lochkartenform die besonderen Kennzeichen des Schlüssels samt Rechnungsbetrag fest. Die Kundin erhält zur Kontrolle ihren Kassenzettel. Damit ist für sie der Einkauf erledigt.

Die Schlüsselgeschäfte senden wöchentlich die Lochkarten ihrer Plankaufkunden an die von der Plankauf-Rechenstelle GmbH, Würzburg, betriebene zentrale Rechenstelle ein, die sie mit einem entsprechenden Maschinensatz auswertet. Die Schlüsselkundin bekommt dann einmal in der Woche von der Bank oder Sparkasse einen Kontoauszug zugeschickt, aus dem sie ersehen kann, wieviel sie ausgegeben und was ihr Geldinstitut für sie bezahlt hat.

Wofür sie all das Geld ausgegeben hat, fragt sich die am Monatsende vor ihren Bankauszügen sitzende Schlüsselkundin sicherlich ebenso wie jede gegen bar einkaufende Hausfrau, die kein Haushaltbuch führt. Das sollen übrigens nur elf von hundert deutschen Hausfrauen tun.