Wie in Rhodesien Partnerschaft praktiziert wird – Die weißen Gewerkschaften sind am schlimmsten

Von Marion Gräfin Dönhoff

Salisbury, im April

Wieviel Einwohner dieser Ort hat? Etwa 800.“ Komisch, dachte ich, 800? Ich hätte mindestens 8000 geschätzt.

„Ich meine 800 Europäer“, setzte mein, rhodesischer Gesprächspartner hinzu, als er mein verblüfftes Gesicht sah. Schwarze sind in seinen Augen offenbar keine Einwohner. Übrigens nicht nur in den seinen: Seit ich in Brazzaville die Fähre bestieg, um den Kongo zu überqueren, hatte ich auf die Frage nach der Einwohnerzahl immer wieder solche Auskunft erhalten; im Belgischen Kongo fast mit Regelmäßigkeit, in der Rhodesischen Föderation ohne Ausnahme.

Ja, man muß sich umstellen. Wenn man Ghana, Nigeria oder die Republiken der französischen Communaute verläßt, dann beginnt man plötzlich zu spüren, daß das Verhältnis der Rassen zueinander nicht mehr so selbstverständlich und unbeschwert ist, wie es einem in Westafrika erschien.

Wie heiter, sicher und unternehmungsfroh hatte ich die Nigerianer mit ihren bunten, wallenden Nationaltrachten in Erinnerung, wie viele amüsante Unterhaltungen hatten sich dort stets und überall ergeben! Keine Veranstaltung, bei der nicht die überwiegende Mehrheit von schwarzer Hautfarbe war. Doch von nun an, so sollte ich bald feststellen, bedurfte es schon großer Anstrengungen, um überhaupt mit Afrikanern zusammenzukommen und ihre Meinungen ergründen zu können. Die erste Cocktail-Party, die ich in Leopoldville im Kongo mitmachte, erschien mir ganz farblos, und erst nach einigem Überlegen fiel mir ein, warum: Weil nur ein einziger Afrikaner zugegen war, ein katholischer Geistlicher.