Griechische Entwicklungsprobleme

Von Erwin Topf

In einem Lande des Südostens, nicht sehr weit entfernt von Hellas, habe ich vor einigen Jahren einmal gesehen, wie sich die amerikanische Entwicklungshilfe auswirkt. Es handelte sich um eine moderne Autostraße mit vier Fahrbahnen. Die Baustelle, dicht vor einer großen Stadt, bildete einen tiefen Einschnitt durch einen Hügel mit felsigem Untergrund. Drei Maschinenaggregate von gewaltigen Dimensionen waren am Werk, von einigen wenigen Menschen bedient; im übrigen war die Baustelle leer. Aber links und rechts davon, auf den amphitheatralisch ansteigenden Böschungen, standen und saßen Hunderte von Menschen, schweigend und bewundernd dem Tun der Maschinengiganten zusehend.

In guter Ausgangsposition

Auf der einen Seite also die hochentwickelte technische Apparatur mit größter Arbeitsproduktivität – und auf der anderen Seite eine Unzahl von beschäftigungslosen und erwerbsbedürftigen Menschen: dieser Kontrast, typisch für die Problematik jeder Entwicklungshilfe, ist an jener Baustelle so sinnfällig wie nur irgend möglich hervorgetreten. Natürlich geht es bei dem Bemühen, einer Nation den Weg zu größerem Wohlstand zu eröffnen, immer darum, die Leistung der menschlichen Arbeitskraft zu erhöhen. Zweckmäßig ist die Hilfe aber nur, wenn gleichzeitig zusätzliche Verdienstmöglichkeiten für erhebliche Teile der Bevölkerung geschaffen werden.

Griechenland befindet sich in dieser Hinsicht in einer verhältnismäßig günstigen Ausgangsposition. Es hat zwar keine großen Boden-Reichtümer, aber doch einige Vorkommen an Nickel und Bauxit sowie an Braunkohle (Lignit). Die letztgenannten, zusammen mit den Möglichkeiten der Gewinnung elektrischer Energie aus Stauwerken der Gebirgsflüsse, decken immerhin einen erheblichen Teil des Energiebedarfs; zudem verfügt das Land neuerdings auch über eine eigene Erdölraffinerie. Die verkehrsmäßige Erschließung ist – so schwierig auch die Schaffung Von Querverbindungen über die Gebirge mit ihren wenigen und hoch gelegenen Pässen sein mag – durch ein System von Straßen, Schiffahrts- und Fluglinien im großen und ganzen gegeben. Die Infrastruktur also braucht nicht erst erstellt zu werden; sie bedarf lediglich noch derorganischen Weiterentwicklung nach den Erfordernissen des Gesamtwachstums.

Sehr viel schwieriger ist, wegen der ungemein stark differenzierten Verhältnisse, ein Gesamturteil über die agrarwirtschaftlichen Verhältnisse. Wenn man von den Inseln zunächst einmal absieht und nur die Landwirtschaft des Festlandes betrachtet, dürfen die Klein- und Mittelbetriebe im Gebirgsvorland von Thessalien und Mazedonien durchaus nicht mehr als „hoffnungslos rückständig“ gelten. Was vielfach noch fehlt, aber nun auch in Angriff genommen wird, ist ein modernes marketing auf der Grundlage eines qualitativ einwandfreien Angebots einheitlich sortierter, typisierter und standardisierter Ware. Wie man sich leicht vorstellen kann, hat die Baumwolle, als ein im Anbau relativ „neues“ Produkt, bessere Chancen bei der modernen Vermarktung, als irgendeines der traditionellen Handelsgewächse; weit über ein Drittel der Baumwollernte geht den Absatzweg über die Genossenschaftsorganisation. Aber auch bei Kern- und Olivenöl, bei Korinthen und bei Milchprodukten fällt der Marktanteil der Genossenschaften bereits ins Gewicht.