DB: Höhere Löhe – höhere Preise

In den letzten Wochen wurde wieder einmal viel darüber gestritten, ob Lohnerhöhungen zu höheren Preisen führen müssen. Daß dies zumindest in einzelnen Bereichen nicht anders sein kann, zeigt das Beispiel der Deutschen Bundesbahn. Die Verhandlungen über die Lohntarife der Bundesbahn-Arbeiter sind abgeschlossen. Sie bringen einen Mehraufwand von 144 Mill. DM. Bei den Beamten und den versorgungsberechtigten Angestellten steht die Regelung noch aus. Aber auch ihnen wird man, wegen der Aufrechterhaltung der Lohn- und Gehaltsstruktur, mehr geben müssen, wobei jedes zusätzliche Prozent die Bundesbahn jährlich um 28 Mill DM mehr belastet. Wie hoch sich die Mehrbelastung am Ende stellen wird, weiß heute niemand; eine ‚Viertelmilliarde ist in jedem Fall im Spiel.

Das ist für die Bundesbahn eine Menge Geld. Wo soll sie es hernehmen, wenn sie nicht mit Gewinnen arbeitet? Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten; entweder werden Ausgaben eingespart, d. h. es wird nicht soviel investiert, wie notwendig wäre, oder es werden neue Einnahmen geschaffen.

Klarheit besteht darüber, daß an dem Investitionsprogramm der Deutschen Bundesbahn nichts geändert werden kann. Die verladende Wirtschaft braucht eine moderne Eisenbahn, und das reisende Publikum wird sich anderer Verkehrsmittel bedienen, wenn die Bahn nicht einen ausreichenden Service bietet. Könnte man an den Investitionen mit gutem Gewissen etwas kürzen, dann hätte man das schon längst getan, nicht zuletzt, um nicht immer wieder an die Tür des Finanzministers pochen zu müssen.

Es bleibt also der DB nichts anderes übrig, als neue Einnahmen zu schaffen, d. h. die Tarife zu erhöhen. Sie lassen sich nicht linear anheben; die Wettbewerbslage verbietet das. Bei der DB klopfen deshalb seit einigen Tagen die Experten das komplizierte, weitaufgespaltene Tarifsystem auf die Stellen ab, wo der Hebel angesetzt werden kann. Mit Sicherheit gilt dies für das Expreßgut, das die Bundesbahn heute zu Preisen befördert, die auch nach einer dosierten Anhebung immer noch konkurrenzfähig wären. Hier wird man also, zumal sich die Bahn mit dem Hauptkonkurrenten, der Post, einigen kann, die Tarife kräftig anheben. Mehr als 50 Mill. DM wird das allerdings auch nicht bringen. Man schaut deshalb auch nach den Subventionstarifen, die der DB (und nicht nur ihr ...) schon immer ein Dorn im Augen sind. Ob und wo sich hier etwas machen läßt, ist noch unentschieden; bekanntlich gibt es nichts schwereres, als dort die Preise zu erhöhen, wo sie im Interesse einer Gruppe künstlich niedrig. gehalten werden.

Dennoch wird dieses heiße Eisen angefaßt werden müssen; denn schließlich ist es nicht Aufgabe der Bundesbahn, Subventionen zu bezahlen. Sofern sie überhaupt berechtigt sind, ist dies eine Angelegenheit des Bundesfinanzministers. Er kommt also in jedem Falle jetzt unter Beschuß. Entweser regelt er das Subventionswesen, soweit es bisher der Bundesbahn zugeschoben ist, oder er tritt für höhere Verluste der DB ein. W. R.