Angélique, von der Autorin auf den Treppen von Versailles (im ersten Band) verlassen, darf im Fortsetzungsband neue Abenteuer der Liebe erleben –

Anne Golon: „Angélique und der König“; Lotar Blanvalet Verlag, Berlin; 534 S., 19,80 DM.

Angélique, französisches Landedelfräulein, dann Witwe eines unermeßlich reichen, aber abgrundhäßlichen, südfranzösischen, vom König zum Tode verurteilten Grafen, später Bettlerkönigin von Paris, endlich Gattin eines anderen Feudalherrn, ist ein früher Vorgänger der modernen careergirls unserer Tage.

Sie unterhält einen blühenden überseeischen Handel, verdreht ganz Versailles den Kopf und übertrifft dennoch alle Hofschranzen an natürlicher Unschuld. Sie entflieht in Rekordzeit dem Klosterkerker, in den sie der grausame Gatte sperren läßt, bekommt ein Kind, berät des Königs Finanzminister zu Frankreichs Bestem, erringt die Liebe des zum Sadismus neigenden Ehemannes, wird des Sonnenkönigs politische Ratgeberin, ist als einzige von ganz Versailles imstande, ergrimmte hochwichtige östliche Potentaten zu besänftigen und ihnen geheim Wunderdrogen abzuschmeicheln – und wird ein zweitesmal Witwe.

Allerdings wird der Leser wohl nicht lange mit ihr trauern müssen. Der König, dessen Werben sie erst auf Seite 515 erhört, berichtet ihr: Als er damals ihren ersten Mann wegen seiner zu großen und für den jungen König gefährlichen Macht verfolgen und verurteilen ließ, habe er eine Puppe statt des lebendigen Grafen auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen. Der echte Graf sei allerdings bei einem Fluchtversuch aus dem Kerker, in dem man ihn insgeheim gefangen hielt, elendiglich umgekommen.

Doch Angélique ruft unbeirrbar: „Er lebt! Er lebt!“, so daß ihre fans ebenso unbeirrbar auf ein Happy-End im letzten Band hoffen können. Sy.