r. g., Freudenstadt

Kein Mensch zahlt gern Steuern. Da es aber doch sein muß, bemüht sich das Finanzamt in dem Schwarzwaldkurort Freudenstadt seit zwei Jahren mit Erfolg darum, dem Gang zum Finanzamt wenigstens die Aschermittwochsstirnmung zu nehmen. Sein Leiter, Regierungsrat Dr. Pausch, wirbt um Vertrauen für sein Amt, indem er beispielsweise mit folgendem Vers im Korridor das Solidaritätsgefühl anspricht: „Auch wir Beamten zahlen Steuer und ärgern uns oft ungeheuer; gerade drum und dessentwegen sind wir im Grunde doch Kollegen.“

Seine Behörde betreibt eine für eine derartige Behörde durchaus ungewöhnliche Öffentlichkeitsarbeit. Das Amt unterhält engen Kontakt zu den Schulen, in denen die „Steuerbürger“ von morgen sitzen, und es verbreitet hektographierte Flugblätter („Du und dein Finanzamt“), auf denen der Haushalt des Landes erläutert oder der Steuerzahler um Mithilfe bei Rationalisierungsbestrebungen gebeten wird. Und es tut bereits an der Eingangstür mit einem Willkommensgruß seine eigene Absicht kund, den sauertöpfischen Bürokraten aus den Amtsstuben zu verbannen: „Tritt nur herein durch dieses Tor, nimm’s nicht zu schwer, trag’s mit Humor!“

Als Teil der von Witz und Humor getragenen Öffentlichkeitsarbeit ist auch die Einrichtung eines Steuermuseums zu verstehen, das vor kurzem in einem ehemaligen Registraturraum eröffnet worden ist. In einjähriger Sammelarbeit, die damit begonnen hatte, daß Finanzbeamte in dem alten Kameralamt in Dornstetten, Kreis Freudenstadt, auf vergilbte Steuerakten gestoßen waren, haben Regierungsrat Pausch und einige Mitarbeiter die Stücke dieses im Bundesgebiet einzigartigen Museums zusammengetragen und geordnet. Dabei ist eine Ausstellung entstanden, die einen kulturgeschichtlichen Spezialkursus bietet und wegen ihrer Kuriosa auch solchen Menschen, vor allem Kurgästen, Vergnügen bereitet, die glauben, daß sie im Finanzamt nichts zu lachen hätten.

Das ehrwürdige Alter des „Zehnten“ und die Rechtfertigung seiner Erhebung wird mit Bibelzitaten belegt. Auf einem Photo ist das älteste Steuerdenkmal auf deutschem Boden, das Relief „Winzer entrichten den Zehnten“ aus der Römerburg bei Neumagen (200 n. Chr.), zu sehen. Der „Sachsenspiegel“ ist vertreten, der bereits als Norm der Steuermoral verkündet: „Wer den Zehenden gibt nach rechter Gewohnheit, der hat im wohl gegeben.“ Verteidigungslasten hatten auch im Jahr 1542 schon Steuerabgaben im Gefolge, so geht es aus der Türkensteuerliste des Amtes von Schorndorf (Württ.) hervor, und um Steuerermäßigungen mußte man damals offenbar noch härter als heute kämpfen: erst vom zwölften ehelichen Kind an wird Steuerbefreiung gewährt, erhielt ein mit achtzehn Kindern gesegneter Bürger unter dem 11. Mai 1618 bestätigt.

Die Kunst hat sich, so sehen wir, schon früh der Steuer bemächtigt (heute ist es, von den Karikaturisten abgesehen, eher umgekehrt): den Titel „Der Zinsgroschen“ tragen ein Lied Walthers von der Vogelweide und, unter anderen Bildern mit verwandten Motiven, ein Gemälde von Tizian. Mehrere Steuerbeamte – Rabener, Weiße, Goeckingk – steuerten zur Literatur bei. Bei Goethe dürfte die umgekehrte Wendung angebracht sein: als Leiter des Kammerpräsidiums in Weimar äußerte er sich auch gutachtlich über Finanzfragen. Seine Schriftsätze seien heute noch lesenswert, sagt Regierungsrat Dr. Pausch, der gegenwärtig an einer Untersuchung „Goethe und die Steuern“ arbeitet, nachdem er im Schillerjahr eine Broschüre „Schiller und die Steuern“ veröffentlicht hatte.

Das Museumszimmer ist unter anderem mit einem alten Aktenschrank und einem Stehpult möbliert. Ein bemalter Wandteller enthält die Lebensweisheit: „Glücklich ist, wer verfrißt, was sonst zu versteuern ist.“ Übrigens prangt auch an einem Schwarzwaldhaus in Freudenstadt so ein Spruch (im schwäbischen Dialekt wirkt der Reim nicht ganz so gequält): „Der Mensch erdenkt’s, der Staat erkennt’s, un d’ Steuer nemmt’s.“