DIE ZEIT

Am Kreuz der Geschichte

Mein Freund und Mitbruder Alfred Delp, der an einem Galgen im Gefängnis Berlin-Plötzensee am 2. Februar 1945 sein Leben zum Opfer brachte als Zeuge für die Ordnung Gottes und die Zukunft seines Volkes in einer mitternächtlichen Stunde der deutschen Geschichte, hat in einer Schrift „Der Mensch und die Geschichte“ seine Erfahrungen und Einsichten im Bild zusammengefaßt.

Schwarzer Freitag

Der 8. April war für die Demokratie in Italien ein schwarzer Freitag: Die stärkste Partei, die Democrazia Cristiana,scheute sich nicht, die Hilfe der Neofaschisten anzunehmen, um weiterregieren zu können.

Attentat

Auf den Ministerpräsidenten der Südafrikanischen Union ist ein Attentat verübt worden: Mit zwei schweren Kopfwunden liegt Dr.

Urlaub ohne Wiederkehr

Hat sich nun nicht genau das eingestellt, was der Bundeskanzler so lange vermeiden wollte: der Eindruck nämlich, daß Bundesvertriebenenminister Oberländer durch das propagandistische Trommelfeuer aus Moskau und Pankow aus dem Bonner Kabinett „herausgeschossen“ worden sei? Jedenfalls ist es leicht vorauszusehen, daß Moskau jetzt, wo Oberländer in einen Urlaub geschickt wird, aus dem er nicht mehr zurückkehren soll, alles daransetzen wird, diesen Eindruck zu erwecken.

Unbelehrbar, Herr Minister?

Theodor Eschenburg hat in der ZEIT (Nr. 12/60) von einem „Fall Seebohm“ gesprochen. Denn Bundesverkehrsminister Seebohm hatte auf Veranstaltungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Hamburg im März 1960 wie schon in Tübingen im März 1959 behauptet, daß die am 4.

ZEITSPIEGEL

Zwei Franzosen, so berichtet die Moskauer „Prawda“, hätten versucht, den Besuch von Ministerpräsident Chruschtschow in Frankreich vorzeitig zu beenden.

Kleine Geschenke...

Der französische Staatspräsident hat bei seinem Besuch in England ein reichhaltiges Sortiment von Geschenken mitgebracht. Die englische Königin erhielt einen großen Aubusson-Wandteppich, der Herzog von Edinburgh einige hundert Flaschen der kostbarsten französischen Weine und Liköre.

Gen Ostland?

Niemand kann den aus den Ostgebieten vertriebenen Deutschen zur Zeit einen gangbaren Weg zurück in ihre Heimat weisen. Jeder aber kann ihnen sagen, auf welchem Weg sie nie corthin gelangen werden: Es ist der Weg der Gewalt.

Aufruhr in Kasachstan

Anfang Oktober 1959 sind im sowjetischen Nord-Kasachstan Streiks und Unruhen ausgebrochen, die von Truppenverbänden erst nach blutigen Kämpfen niedergeschlagen werden konnten.

Der große Charles

Derei Tage lang hatten, die Engländer einen großen. Mann zu Gast. Man hatte hier fast vergessen gehabt, wie groß. Staatspräsident Charles de Gaulle eigentlich ist.

Die Atomwaffen nieder – aber wie?

In den letzten viertausend Jahren hat die Menschheit nach den Berechnungen amerikanischer Historiker nur 286 Jahre in Frieden gelebt.

Schach dem spanischen König

Seit 1947 ist Spanien ein Königreich ohne König. Als „Reichsverweser“ schaltet der Bürgerkriegs-Sieger Francisco Franco seitdem „auf Lebenszeit“ nach Gutdünken im Lande.

Touré berichtigt

Der Präsident der Republik Guinea hat amtlich festgestellt, daß sein Land keine diplomatischen Beziehungen zu der „DDR“ unterhalte.

Berlin: Die hilfsbereite Diebin

Sie machte einen so vertrauenswürdigen Eindruck“, erzählte die alte Dame, die als Zeugin geladen war, „sie war sauber gekleidet und ordentlich frisiert, ganz wie ein frisches, nettes junges Mädchen.

Schleswig-Holstein: Ein Richter vor Gericht

Bei der Verhandlung waren Lübecks Richter unter sich: Hinter dem Richtertisch saß Amtsgerichtsrat Dr. Mix, Vorsitzender des erweiterten Schöffengerichts, auf der Anklagebank Landgerichtsrat Hans-Joachim Fischer, angeklagt wegen Trunkenheit am Steuer, Fahrerflucht, Vortäuschung einer Straftat und Anstiftung zur Begünstigung.

Weltstadt oder Kleinstadt?

Wie jeder kleine, kleinste und größere Ort, so bat auch Hamburg in seinem Hauptbahnhof eine Auskunft. Zu jeder Tageszeit stehen dort Einheimische und Ausländer, Zugereiste und Zugreisende in einer langen Schlange, um sich von Herrn Meier, Müller oder Schulze Zugverbindungen sagen zu lassen.

Baden-Württemberg: Glücklich ist, wer verfrißt...

Kein Mensch zahlt gern Steuern. Da es aber doch sein muß, bemüht sich das Finanzamt in dem Schwarzwaldkurort Freudenstadt seit zwei Jahren mit Erfolg darum, dem Gang zum Finanzamt wenigstens die Aschermittwochsstirnmung zu nehmen.

Recht auf Nonsens

Darf man einen Gerichtsbeschluß als „Nonsens“ bezeichnen? Unter Umständen darf man; es kommt eben auf die Umstände an. Das Ulmer Amtsgericht hat kürzlich den Ausdruck „Nonsens“ als charakteristisches Glied einer Beleidigung mit 250 Mark Geldstrafe geahndet.

Wer kontrolliert was?

Freiwillige Selbstkontrolle – das Wort kommt daher wie das personifizierte Sittengesetz. Schreitet so nicht die Tugend, die ihren Wert in sich selber weiß und eines Gängelbandes von Verboten nicht mehr bedarf? Kant lebt noch – in der freiwilligen Selbstkontrolle.

Eine neue Geschichte vom alten Osterhasen

Der Väter des Osterhasenglaubens hat sich schon vor Jahren zur Ruhe gesetzt. Seither lebt er – Alterspräsident der Osterhasengilde – in Erinnerungen an große Zeiten einsam auf seinem Landsitz.

Die Telekratie

„Ach was“, meinte Herr Gleski mit einer wegwerfenden Handbewegung, „das zählt doch überhaupt nicht. Sie mißverstehen die moderne Demokratie.

ZEITMOSAIK

Die Europäische Universität, die im Euratom-Vertrag geplant war, soll 1961 eröffnet werden, vermutlich in Florenz. Gegen den Rat der westdeutschen Rektorenkonferenz, gegen den Einspruch der deutschen Kultusminister.

Zeichen und Symbole

Die Romane von Vladimir Nabokov, die nun nach und nach auch in Deutschland erscheinen sollen, alle vor der ebenso heftig beschimpften wie belobten „Lolita“ entstanden, dürften auch den argwöhnischsten Leser zumindest davon überzeugen, daß Nabokov keineswegs der gerissene Pornograph ist, als den ihn seine Kritiker gerne hinstellen.

Der Roman

Es ist ein altes Thema und bleibt doch ewig neu... Wir hoffen, unseren Lesern auch einiges Neue zu sagen mit einer Serie über den Roman, deren Abdruck in der nächsten Nummer der ZEIT beginnt.

Der VI. Deutsche Studententag

Wie ich sie im „Audi Max“, dem lichtvollbequemen „Großen Hörsaal“ des Henry-Ford-Baus der Freien Universität vor mir hatte, sahen sie eigentlich genauso aus wie vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren.

Mein Gedicht

Die Frage, welches deutsche Gedicht ich für das schönste halte, zwingt mich, mit einem einzigen Titel zu antworten. Wahrheitsgemäß müßte ich erwidern, daß es für mich eine ganze Reihe von Poemen gibt, die meinem Herzen gleich nahe stehen und denen ich unterschiedslos den allerhöchsten Rang zuerkenne.

Mein Buch des Monats:: Der Traum vom Ruhm verflüchtigt sich

Die einsamen Frauen, ein kurzer, von sehr zarten Dialogen bestimmter Roman, stammt aus Paveses letzter Zeit. Als ein Präludium des Meisterwerks junger Mond steht er im Zeichen des nahenden Todes: Wie das Mädchen Rosetta, die unter den einsamen Frauen die einsamste ist, endete auch Pavese durch Selbstmord in einem Turiner Hotel.

Romane als Rattenfang und Reizschock

Neu ist an dem neuen Buch von Arno Schmidt, dem Fouque-Historiographen und „Versuchseihen“-Erzähler, nicht der Inhalt. Neu daran ist nur die Gruppierung, in der hier schon früher (in Buchform oder in Zeitschriften) gedruckte Arbeiten zusammengestellt sind.

Fast ein „Careergirl“

Angélique, französisches Landedelfräulein, dann Witwe eines unermeßlich reichen, aber abgrundhäßlichen, südfranzösischen, vom König zum Tode verurteilten Grafen, später Bettlerkönigin von Paris, endlich Gattin eines anderen Feudalherrn, ist ein früher Vorgänger der modernen careergirls unserer Tage.

Expreß wird kostspieliger

In den letzten Wochen wurde wieder einmal viel darüber gestritten, ob Lohnerhöhungen zu höheren Preisen führen müssen. Daß dies zumindest in einzelnen Bereichen nicht anders sein kann, zeigt das Beispiel der Deutschen Bundesbahn.

Der Pferdefuß der degressiven Abschreibung

Das Konjunktur-Dämpfungs-Programm der Bundesregierung hat die erste Hürde genommen. Der Bundesrat hat zwar – aus steuertechnischen Gründen – der beabsichtigten Einschränkung der Abzugsfähigkeit von Spesen nicht sein Plazet gegeben, im übrigen aber den vom Bundesfinanzminister vorgeschlagenen Änderungen der Steuergesetze zugestimmt.

„Mr. K.“ war kein guter Kunde

Abgesehen von einem neuen multilateralen Zahlungsabkommen haben die während des Chruschtschow-Besuches in Frankreich geführten Wirtschaftsbesprechungen nichts Positives gebracht.

Der Schlüssel zum Einkaufen

Mit dem Schlüssel kaufen – „einfach, bequem, übersichtlich“, – so versichert ein Prospekt, den die Würzburger Hausfrauen Mitte Februar in ihren Briefkästen fanden.

Berliner Index: Von 32 auf 133

Weit eher als der – zunächst von bloßem Selbsterhaltungswillen diktierte – Wiederaufbau der Bundesrepublik, verdient die im letzten Jahr bewiesene westdeutsche Solidarität mit dem bedrohten Berlin den Namen eines „Wirtschaftswunders“.

Südafrikas Wirtschaft ist widerstandsfähig

Die Auswirkungen der südafrikanischen Politik der „Apartheid“ auf die Wirtschafts- und Finanzlage haben in den vergangenen Wochen zu pessimistischen Spekulationen über die Zukunft der Südafrikanischen Union geführt.

Export von Sonne

In einem Lande des Südostens, nicht sehr weit entfernt von Hellas, habe ich vor einigen Jahren einmal gesehen, wie sich die amerikanische Entwicklungshilfe auswirkt.

+ Weitere Artikel anzeigen