J. K. Paris

Abgesehen von einem neuen multilateralen Zahlungsabkommen haben die während des Chruschtschow-Besuches in Frankreich geführten Wirtschaftsbesprechungen nichts Positives gebracht. Das neue Zahlungsabkommen gilt zwischen Sowjetrußland und der gesamten Franc-Zone, und nicht nur mit dem französischen Mutterland, wie Chruschtschow es gefordert hatte. Wenn das Abkommen von Moskau loyal, nach den westlichen Konvertibilitäts-Prinzipien durchgeführt wird, kann es vielleicht zu einer leichten Ausweitung des französisch-sowjetischen Handels führen.

Die maßgebenden sowjetischen Persönlichkeiten haben allerdings während ihres Besuches immer wieder betont, daß für sie der Grundsatz des bilateralen Handelsbilanzausgleichs weiterhin gilt (d. h., daß die UdSSR nur so viel in Frankreich kaufen will, wie Frankreich in Sowjetrußland kauft). Chruschtschow hat kalt behauptet, daß er keine Dollars habe, um Defizite zu decken, und daß er kein Go’d dafür zu verwenden gedenke. Nun wird das gegenwärtige sowjetische Defizit gegenüber Frankreich auf etwa 20 Mill. Dollar geschätzt. Es übersteigt daher erheblich die Kreditlinie, die im bisherigen französisch-sowjetischen Zahlungsabkommen auf 15 Mill. Dollar festgesetzt war. Dieses Ziehungsrecht ist im neuen Vertrag abgeschafft worden. Statt dessen wurde vereinbart, daß Moskau diese Schulden nach und nach in allen konvertiblen Währungen, über die es verfügt, abzudecken hat. Man wird daher bald sehen, wie Moskau das neue Zahlungsabkommen einhalten wird.

In dem kurzen Gespräch, das zwischen französischen Industriellen und sowjetischen Fachleuten zustande kam, hat man mehr oder weniger aneinander vorbeigeredet. Die Sowjets schlugen einige Großkäufe gegen langfristige Kredite vor, worauf die Franzosen nicht eingingen, weil sie mit Recht annehmen, daß Moskau derartige Kredite zur Verstärkung seiner wirtschaftlichen und politischen Aktionen in den entwicklungsbedürftigen Ländern Asiens und Afrikas verwenden würde. Außerdem liegt den Franzosen an dauerhaften Geschäftsverbindungen und nicht an Gelegenheitsgeschäften. Umgekehrt ist das sowjetische Angebot für Lieferungen an Frankreich immer noch äußerst beschränkt. Erdöl“ und Kohle, auf die bisher die Hälfte der sowjetischen Lieferungen entfiel, hat Frankreich jetzt selbst genug. All dies läßt keinen großen Spielraum für eine wesentliche Ausweitung des Handels.