T~aß Bücher in der Bundesrepublik teurer sind als in der DDR und in manchen anderen Ländern (Frankreich und England vor allem) — und daß dennoch die Buchpreise nicht künstlich hoch (oder jenseits der Zonengrenze künstlich niedrig) gehalten werden; daß der Ladenpreis eines Buches aus dem Gebiet der Schönen Literatur etwa fünfmal so hoch ist wie die reinen Herstellungskosten — und daß dennoch Verleger. Autoren und Obersetzer nur in seltenen Fällen größere Gewinne erzielen können; daß das Geld, welches der Verlag an einem Buch verdient, oft genug ein besseres, aber weniger erfolgreiches mittragen muß — das alles hatten wir in einem ausführlichen Artikel über Gründe und Hintergründe der Verlagskalkulation ("Bücher sind uns lieb und ziemlich teuer", DIE ZEIT Nr. 1160) vorgeführt und an einem Beispiel im einzelnen analysiert.

Es hieß da: Der belletristische Verleger rechnet gewöhnlich mit einem Nettoerlös von 55 v. H. vorn Ladenpreis, die restlichen 45 v. H gehen in den Vertrieb, im wesentlichen in Form von Rabatten, die dem Vertreibenden Buchhandel gewährt werden.

So wäre es also der Buchhandel, diese zweite große Relais Station auf dem Weg eines Textes vom Autor zum Leser, der dasitzt wie die bekannte Made im Speck? Und der Handel mit Geistesgütern wäre am Ende doch noch für einen Beteiligten ein einträgliches Geschäft? 45 v, H — das waren die durchschnittlichen Vertriebskosten, vom belletristischen Verleger aus gesehen (Die Materie sträubt sich hartnäckig gegen Verallgemeinerungen; manchmal sind es ein paar Prozent mehr, manchmal ein paar weniger, je nach Charakter von Verlag im allgemeinen und Buch im besonderen — 45 v. H möge als Durchschnittswert gelten ) Vom Buchhandel aus gesehen, trübt sich das auf den ersten Blick so niercedesträchtige Bild sehr rasch.

In seltenen Fällen nur kommt der Sortimenter, mein Buchladen um die Ecke, selber auf einen Rabattsatz von 45 v. H ; und kaum jemals sind es mehr als 45 v. H. Daß er sich oft, wenn er ein Buch nicht direkt vom Verlag beziehen kann, mit einer Grossobuchhandlung in den Rabatt teilen muß (etwa 12 v. H bekommt in solchem Fall der Grossist, etwa 33 v. H der Sortimenter), ist bekannt. Aber auch bei Einzelbestellungen beim Verlag (in der Schönen Literatur meistens mit 35 v. H rabattiert) senkt sich der Satz schon beträchtlich. Nur bei den frühen Bestellungen auf der Frankfurter Buchmesse oder beim Verlagsvertreter (dem der Verlag natürlich eine Provision zahlt) erhält er mehr, und dann, wenn er ganze "Partien" abnimmt.

In der Belletristik ist die Partie 1110 üblich. Das heißt: bei der Bestellung von zehn Exemplaren eines Buches liefert der Verlag ein elftes gratis; und wenn diese zehn mit 40 v. H rabattiert werden, dann allerdings bedeutet das einen Gesamtrabatt von beinahe 45 v. H, der dem Sortimenter ganz zugute kommt. Es gibt freilich nicht viele Bücher in einer Saison, bei denen es der Buchhändler riskieren kann, eine oder zwei oder gar drei Partien zu bestellen.

Kein Sortimenter, das kommt hinzu, hat ausschließlich mit Schöner Literatur zu tun. In mittleren Städten gibt es Buchhandlungen, bei denen jedes dritte verkaufte Buch ein Schulbuch ist — und Schulbücher werden nur mit 25 v. H rabattiert.

Nicht viel günstiger fährt ein "normales" Sortiment beim Bezug von Fachbüchern. FachbuchHandlungen — als ständige und gute Kunden wissenschaftlicher Verlage — erreichen zwar oft einen Rabattsatz, der sich dem ihrer Schwestern von der Belletristik nähert; bei vereinzelten Bestellungen jedoch erhält der Buchhandel gewöhnlich auch nur 25 v. H.