Die Auswirkungen der südafrikanischen Politik der „Apartheid“ auf die Wirtschafts- und Finanzlage haben in den vergangenen Wochen zu pessimistischen Spekulationen über die Zukunft der Südafrikanischen Union geführt. Die meisten Mutmaßungen und Gerüchte stehen jedoch zu den Tatsachen im Widerspruch. Die südafrikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren ganz offensichtlich konsolidiert; sie kann mit Sicherheit noch schwerere Störungen überwinden als die gegenwärtigen.

Die akute Spannung im Verhältnis zwischen den beiden Rassen wirkt sich in zweierlei Hinsicht auf die internationale Posititon der südafrikanischen Wirtschaft aus.

Erstens vermindert sich die Bereitschaft der ausländischen Kapitalanleger, in der Südafrikanischen Union zu investieren.

Zweitens wird fremdes Kapital, das bereits in Südafrika investiert worden ist, durch die Gläubiger zurücktransferiert, soweit diese Möglichkeit besteht.

Die Unruhen werden sich also in der Weise auswirken, daß Südafrika einerseits das Entwicklungskapital, welches das Land benötigt, nicht erhält, während andererseits bereits vorhandenes Auslandkapital zurückgerufen wird.

Bereits jetzt haben ausländische Kapitalgeber ausgesprochene Hemmungen, Kapital in die Union zu exportieren, und bereits ist auch ein bemerkenswerter Abfluß von kurzfristigen Mitteln zu beobachten. Wenn sich die südafrikanische Regierung einer solchen Situation vor einigen Jahren gegenüber gesehen hätte, dann wäre das ein Anlaß für schlimmste Befürchtungen gewesen. Ungefähr bis zum Jahr 1955 waren die Währungsreserven Südafrikas nur sehr mager. Die Wirtschaft war damals auf Gedeih und Verderb von einem anhaltenden Zustrom ausländischen Kapitals abhängig, der zur Förderung der industriellen Entwicklung und zur Überbrückung der Devisenlücke unerläßlich war.

Inzwischen hat sich die Lage grundlegend geändert. Seit Mitte der fünfziger Jahre hat die südafrikanische Volkswirtschaft große Fortschritte gemacht. Zwar importiert das Land immer noch mehr Waren als es exportiert, und die Ertragsbilanz ist daher immer noch defizitär, aber diesem Passivsaldo steht heute der Aktivposten einer erhöhten Goldausfuhr gegenüber. Während der Wert der südafrikanischen Gold- und Warenausfuhr sich seit 1950 fast verdoppelt hat, ist der Wert der Einfuhr in der gleichen Zeit nur um ungefähr 50 v. H. gestiegen. Die Südafrikanische Union verdient daher gegenwärtig genügend Devisen, um ihren „unsichtbaren“ Verbindlichkeiten (Zinsen auf ausländisches Kapital und Prämien für ausländische Versicherungen usw.) nachzukommen und gleichzeitig noch die Währungsreserven etwas aufzustocken.