R. S., Bonn, im April

Der Präsident der Republik Guinea hat amtlich festgestellt, daß sein Land keine diplomatischen Beziehungen zu der „DDR“ unterhalte. Das Auswärtige Amt hat damit einen beachtlichen Erfolg errungen. Es hat sich gelohnt, daß die zuständigen Leute in der Koblenzer Straße Geduld übten und auf eine sonst nicht übliche Art recherchierten – daß also der Ministerialdirektor von Etzdorf eine abenteuerliche Autofahrt 700 Kilometer quer durch Guinea unternahm.

Die Verlautbarung, die Sekou Touré nach der Unterredung mit von Etzdorf herausgab, läßt keinen Zweifel an dem Verhältnis seines Landes zu der „DDR“: Guinea hat keine Beziehungen zu Ostberlin aufgenommen. Der Hallstein-Doktrin blieb der Säuretest erspart.

Die Bundesrepublik wünscht und braucht freundschaftliche Beziehungen zu den afrikanischen Ländern im allgemeinen und zu Guinea im besonderen. Es liegt nun an uns, den guten Worten Tourés rasche Taten folgen zu lassen. Das bedeutet Kredite, Instruktoren, kurz: eine gute Zusammenarbeit zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes.

Blamiert aber ist Pankow, das einen „Erfolg“ in die Welt hinausposaunt hat, der nicht existiert. Die unmißverständliche Berichtigung der sowjetzonalen Darstellungen erfolgte durch Sekou Touré selbst.