Von Johannes Jacobi

Zehn Jahre nach dem Tode des Komponisten in New York veranstaltete die Frankfurter Oper einen „Weill-Abend“. 1933 hatte das deutsche Schicksal Kurt Weill, den Sohn eines Dessauer Synagogenkantors, dessen Familie seit dem 14. Jahrhundert in Deutschland ansässig war, zuerst nach Paris und dann in die Vereinigten Staaten getrieben.

In der alten Heimat sind seine Songs zur „Dreigroschenoper“ nach wie vor populär. Doch denkt wohl jeder, der sie hört, zunächst an Brecht‚ den Textautor. Unaufgeführt war bisher in Deutschland das letzte gemeinsame Werk von Brecht und Weill geblieben, das Ballett mit Gesang: „Die sieben Todsünden“. In Paris hatte mit der Choreographie von Georges Balanchine und dank einer eigens für dieses Unternehmen gegründeten Gesellschaft die Uraufführung stattgefunden. In englischer Übersetzung hat Weills Witwe, Lotte Lenya, „Die sieben Todsünden“ inzwischen auch in New York gesungen. Für die deutsche Erstaufführung war sie jetzt als Hauptdarstellerin nach Frankfurt gekommen.

Die konsequente Brecht-Pflege des Frankfurter Generalintendanten Harry Buckwitz hat jetzt also auch die Oper mit einbezogen.

Vor dem „Ballett mit Gesang“ wurden zwei Opern-Einakter aus einer früheren Schaffensperiode Weills wieder vorgestellt: „Der Protagonist“ und die opera buffa „Der Zar läßt sich photographieren“. Bei beiden stammt der Text von Georg Kaiser.

Durch die Gegenüberstellung der Kaiser- und Brecht-Epochen Weills, der „richtigen“ Oper als ursprünglichen Ziels des Komponisten und des Songspiels als musikalischer Brecht-Frucht, durch diesen geradezu musikhistorischen Aufriß war der Frankfurter Opernabend geeignet, die Revision des Urteils über Kurt Weill voranzutreiben.

Intendant Buckwitz hatte zu diesem Zweck noch etwas erreicht, woran vor zwei Jahren die damals schon festgesetzte deutsche Erstaufführung des Balletts in Hamburg gescheitert war. Er hatte den Streit der Witwen über die Tantiemenrechte an den „Sieben Todsünden“ durch ein praktisches Übereinkommen zu schlichten vermocht.