„Wer zuerst schießt, hat mehr vom Leben“

Freiwillige Selbstkontrolle – das Wort kommt daher wie das personifizierte Sittengesetz. Schreitet so nicht die Tugend, die ihren Wert in sich selber weiß und eines Gängelbandes von Verboten nicht mehr bedarf? Kant lebt noch – in der freiwilligen Selbstkontrolle.

Es gibt auch Institutionen, die diesen Namen führen, lobenswerte Institutionen, deren Satzungen manchmal so schön sind, daß sie in der UN-Charta stehen könnten. Und es gibt auch Männer, die für diese Institutionen arbeiten, ehrenwerte Männer, aber vielleicht nicht immer ganz so vollkommen wie die Prinzipien, nach denen sie arbeiten sollen.

Beim letzten „Hamburger Gespräch“ – einer Diskussion über die gefährliche Wirkung der Kriegsgroschenhefte auf die Jugendlichen – stellten sich zwei Vertreter der Selbstkontrolle vor:

Herr Beissel vom „Remagener Kreis“. In diesem Kreis sind „eine Anzahl von Verlagen zusammengeschlossen, die sich selbst Richtlinien gegeben haben, nach denen sie ihre Publikationen ausrichten“. Auch der Pabel-Verlag in Rastatt – führend unter den deutschen Kriegsgroschenheft-Produzenten – gehört dazu. Herr Beissel berichtete, daß er in den letzten zwei Jahren etwa zweitausend Roman-Manuskripte geprüft hat. Das sind – niedrig gerechnet – drei Manuskripte pro Tag. Wenn Herr Beissel ein Buch genehmigt hat, „ist wahrscheinlich nichts mehr drin, was unter den Begriff der Jugendgefährdung fällt“.

Herr Möbius vom „Bremer Kreis“. Diese Gruppe hat Bilder, Zeichnungen und Manuskripte, darunter auch 16 Kriegshefte, geprüft. „Die Arbeit hat“ – laut Herrn Möbius – „eine Mannschaft von 142 Personen geleistet.“

Es mag sein, daß die Freiwillige Selbstkontrolle ihre Arbeit erst aufgenommen hat, als schon einige Unfälle passiert waren; es mag auch sein, daß manche Hefte und Bücher nicht genau gelesen wurden (bei drei Manuskripten pro Tag können Ermüdungserscheinungen auftreten) – betrübliche Tatsache aber bleibt, daß manches „stehen blieb“. So etwa in dem Pabel-Band „Hölle Monte Cassino“, Seite 63: