H. W., Kiel

ein Wadle, Generalobmann und Betriebsrats-, mitglied der Kieler Howaldts-Werke, ehemals führendes Mitglied der Kommunistischen Partei in Schleswig-Holstein, muß sich nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen. Er hat seinen Prozeß gegen den bundeseigenen Werftbetrieb in Kiel verloren. Das Arbeitsgericht in Kiel hat entschieden, daß Wadles fristlose Kündigung rechtswirksam ist. Wadle habe durch seine Aufforderung an die Belegschaft, in einem einstündigen Warnstreik gegen die Krankenversicherungsreform zu protestieren, den Arbeitsfrieden in der Werft gebrochen.

Wadle hatte auf der Sitzung der Betriebsvertrauensmänner am 9. Februar die Streikparole ausgegeben. Die Vertrauensmänner hatten seinen Streikvorschlag mit knapper Mehrheit gebilligt, aber bei der IG Metall zuckte man zurück. Wahrscheinlich lag den Gewerkschaftlern noch der folgenschwere Metallarbeiterstreik in Schleswig-Holstein in den Knochen. Auf jeden Fall distanzierte sich sowohl die Gewerkschaft als auch der Betriebsrat in aller Form vom Streikbeschluß der Vertrauensmänner und erklärten den Streik für illegal.

Trotz der fehlenden Rückendeckung durch die Gewerkschaft ließ Wadle seinen Streikaufruf vervielfältigen und an den Zähluhren anbringen. Er benachrichtigte auch die Presse. Die Betriebsleitung allerdings erfuhr erst am 10. Februar aus den Morgenzeitungen, daß die Arbeit am 12. Februar niedergelegt werden sollte. Sie erklärte, daß sie den Streik auf keinen Fall dulden werde. Der Betriebsrat warnte alle Arbeiter vor einer Teilnahme an dem Proteststreik. Hein Wadle mußte klein beigeben. Der Streik fand nicht statt.

Vier Tage später war der Generalobmann der Howaldts-Werke – trotz zehnjähriger Betriebszugehörigkeit – fristlos entlassen. In der Zonenpresse wurde sein „heroischer Kampf“ gefeiert. Hein Wadle aber klagte vor dem Arbeitsgericht.

Nach zweistündiger Verhandlung stellte das Gericht fest: Wadles Verhalten ist ein schwerer Verstoß gegen seine Pflichten als Arbeitnehmer und als Mitglied des Betriebsrates. Deshalb ist die Entlassung gerechtfertigt, auch seine Stellung als Betriebsratsmitglied schützt ihn davor nicht. Nur die Gewerkschaft ist berechtigt, einen Streik auszurufen und für legal zu erklären.