Unter den Liederkomponisten des vorigen Jahrhunderts hat Hugo Wolf das engste Verhältnis zum Text, Die Einheit, zu der bei ihm Musik und Wort verschmelzen, bildet seine Originalität. Ein virtuoser, gelegentlich sogar den Vorrang beanspruchender Klavierpart ist im musikalischen Gesamtbild gleichberechtigt.

Die Klavierstimme hilft, aus Wolfs Liedern Miniaturen voller subtiler Atmosphäre und intensiver Ausdrucksfähigkeit zu entwickeln. Diese Lieder setzen Vorbilder für eine musikalische Deklamation und psychologisch geleitete Tonsprache, wie sie nie wieder erreicht worden sind –

Hugo Wolf: Das Italienische Liederbuch; Irmgard Seefried und Dietrich Fischer-Dieskau, am Flügel Erik Werba und Jörg Demus. Aus dem Spanischen Liederbuch; Irmgard Seefried und Eberhard Waechter, am Flügel Erik Werba (alles Deutsche Grammophon Gesellschaft).

Das Italienische Liederbuch führt (in 46 Gesängen) eine Reihe von Männern und Frauen in den verschiedensten Stadien und Situationen der Liebe vor. Zartheit, Pathos, Inbrunst und Hingebung, aber auch Herzeleid und Melancholie, selbst Ärger und Verdruß bilden den Inhalt dieser kleinen Dramen, die so konzentriert sind, daß sie in den meisten Fällen zwei Notenseiten nicht überschreit ten. Sie sind jedesmal für eine weibliche oder eine männliche Person gedacht, Irmgard Seefried und Dietrich Fischer-Dieskau, die wir längst zur höchsten Klasse der Lied-Interpreten -zählen, singen sie auf zwei klanglich hervorragenden Platten. Das praktische Einsteckalbum bringt die Texte.

Das Spanische Liederbuch, von dem die Deutsche Grammophon Gesellschaft jetzt eine reiche Auswahl bietet, enthält von allen Liedern Hugo Wolfs die eindringlichsten. Sie haben teils geistlich-mystischen, teils weltlichen Inhalt. Musikalisch verwenden sie die Chromatik in hervorstechender Weise zum Ausdruck der Ekstase. Geschickt ist ihr oft zwiegesprächartiger Inhalt auch in diesem Fall auf eine Sängerin (wiederum Irmgard Seefried) und einen Sänger (Eberhard Waechter) verteilt.

Eberhard Waechter ist hier die eigentliche Entdeckung. Eine junge, frische Baritonstimme von intensiver Kraft, die auch bei zarter Verwendung ihre stillen Reserven verrät, leuchtet in Farben, die von dunklem Ebenholz und tiefem Purpur bis zu schimmerndem Silbergrau reichen.

Wir kannten Eberhard Waechter bereits von Opernaufnahmen. Auf dieser Platte überrascht er uns als vollendeter Liedersänger. Chr,