DIE ZEIT

Das Ende der freien Bauern

Es gibt keine freien Bauern in Mitteldeutschland mehr – so mußten wir in den Ostertagen vernehmen. Der Bezirk um Chemnitz, das heute Karl-Marx-Stadt heißt, habe sich als letzter von vierzehn Bezirken der allgemeinen Kollektivierung angeschlossen.

Ulbrichts Propagandabrief

Das SED-Zentralkomitee hat einen „Deutschlandplan des Volkes“ verkündet, dessen Ziel „die Wiedervereinigung zu einem friedliebenden demokratischen Staat auf dem Wege der Konföderation“ sein soll.

Apropos Berlin

Auch Staatsmänner sind Männer; auch Männer sind Menschen; alle Menschen aber können irren. Konrad Adenauer irrte, als er seinen Einfall „Volksabstimmung in Berlin vor der Gipfelkonferenz“ für eine gute Idee hielt.

Schüsse in Seoul

Radio Seoul spielte Beethovens „Mondschein-Sonate“, als Zehntausende von Demonstranten – vornehmlich Studenten–am Dienstag zum Sturm auf den Sender, auf den Palast des Präsidenten und auf die Polizeiwache antraten.

ZEITSPIEGEL

Der beurlaubte Bundesvertriebenenminister Oberländer steht in seinem Ministerium und seiner Wohnung wie bei all seinen Ausfahrten und Ausgängen unter besonderem polizeilichem Schutz.

Recht, aber falsch

Aus einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Berlin: Wer in der Sowjetzone politische Witze erzähle, handele leichtsinnig und unüberlegt.

Sie leben seit Jahren in der Erde

Vierzig Millionen Menschen haben seit dem zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen müssen, fünfzehn Millionen haben noch immer keine dauernde Bleibe gefunden.

Freigesprochen

Die Justiz hat ihr Urteil über Blankenhorn korrigiert: Das Bundesgericht sprach ihn wegen erwiesener Unschuld frei. Ein Teil der Presse freilich denkt nicht daran: Sie hält ihn noch immer für moralisch schuldig.

Blue-Streak für die Katz?

Großbritannien hat seine Verteidigungspolitik radikal geändert. Den Beschluß der Regierung, die Blue-Streak-Rakete nicht weiterzuentwickeln, wertet man an.

Fehlschlag einer Mission

Rußlands Handlungsreisender Nr. 1, der stellvertretende Ministerpräsident Anastas Mikojan, hatte wenig Glück bei seinem Besuch im Irak.

Ehren-Jungfrau

Außer für Modekönige, Parfümschöpfer und Weinbrenner haben sich die Amerikaner nur für wenige Franzosen begeistern können: Für die Jungfrau von Orleans, für den General La Fayette der ihrem Nationalheros Washington siegen half, für den Mitsieger im Weltkrieg II, den General de Gaulle, und für den Staatspräsidenten der Fünften Republik, General de Gaulle.

Heckenschützen

Italiens Staatspräsident Gronchi gibt seiner Lieblingsidee, das politische Schwergewicht nach links zu verlagern, eine neue Chance.

Inder und Chinesen sind keine Brüder

In Indiens Hauptstadt sprechen Nehru und Tschu En-lai über den Grenzstreit zwischen ihren beiden Ländern, der nach dem tibetanischen Aufstand im letzten Jahr die außenpolitische Bühne Asiens verwandelt hat.

Neue Bärte in der Sierra

In den Dschungelwäldern der bergigen Provinz Oriente kämpfen wieder Kubaner gegen Kubaner. Hier hatte Dr. Fidel Castro 1957 seinen Guerillakampf gegen den Diktator Batista begonnen; in der Sierra Maestra war seine Handvoll bärtiger Anhänger zu jener mächtigen Bewegung gewachsen, die im Januar 1959 den Tyrannen aus dem Lande jagte.

Zwischen Parteilinie und Sex-Kurven

Nein, er sieht nicht aus wie ein Sowjetmensch, und schon gar nicht wie einer der vielen sauertöpfischen Sowjetjournalisten, die der Kreml mit Vorliebe ins Ausland schickt.

Parteichinesisch ohne Kreml-Akzent

Rotchinas. Ministerpräsident Tschu En-lai mußte sich, ehe er letzte Woche seine Reise nach Burma und Indien antrat, noch einer peinlichen Aufgabe unterziehen: Er mußte versuchen, die chinesisch-sowjetischen Differenzen auszubügeln, die Anfang April deutlicher als je zuvor sichtbar geworden waren.

Zustände wie in Brasilien

Brasilien hat eine neue Hauptstadt. Mitte der Woche wurde aus einem Traumprojekt Wirklichkeit: Staatspräsident Kubitschek übergab den neuen Regierungssitz Brasilia seiner Bestimmung.

Hans Röttiger

Als Inspekteur des Heeres war der Ende letzter Woche verstorbene General Hans Röttiger einer der höchsten Offiziere der Bundeswehr, In der Öffentlichkeit war er dennoch nur wenig bekannt: Der wortkarge Mann mied den äußeren Schein.

Wilhelm Gülich

Nach langer Krankheit ist in der Nacht zum Karfreitag der SPD-Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gülich gestorben, Professor für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Kiel und Direktor der Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft.

Baden-Württemberg: Sehr in der Luft hängend

Stuttgarts kampfesfroher Oberbürgermeister Dr. Klett verficht gegen die „ewig Gestrigen“, wie er bei anderer Gelegenheit einmal gesagt hat, ein neues Projekt, bei dem es sich um eine in jeder Beziehung schwebende Angelegenheit handelt: eine Schwebebahn nämlich, von der Bahnhofsgegend auf den Killesberg.

Bremen: Wenn ein Politiker Amok fährt

Mit dem Respekt vor den staatlichen Institutionen, den ich mir während meiner vierzehnjährigen Tätigkeit im öffentlichen Leben erworben habe, beuge ich mich dem Entscheid des Gerichts.

Schleswig-Holstein: Ein Leutnant spielte Winnetou

Ein Leutnant der Bundeswehr muß sich vor einem Lübecker Gericht wegen eines Vergehens verantworten, das bei einem Mann seines Metiers nicht gerade alltäglich ist: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben ergeben, daß er sich eines Angriffs auf einen „Posten unter Gewehr“ schuldig machte.

Geschäftsschädigung?

Der Lübecker Handwerkskammer hat es der Postsportverein von Bad Oldesloe zu verdanken, daß er seine Hoffnungen auf einen vereinseigenen Sportplatz nun vorerst begraben muß.

Feuilleton: Eine Universität für Europa?

Trotz dem Widerspruch vieler unmittelbar Be-Trotz des Widerspruchs vieler unmittelbar Behebung eines Projektes, das die Universitäten zu Werkzeugen der Politik machen möchte.

Persönlichkeit voll Milde und Schroffheiten

Joachim Maass ist Lyriker und Prosaist. Er wurde 1901 in Hamburg geboren, emigrierte in die USA, wo er Lektor für deutsche Literatur (in South Hadley, Massachusetts) war, kam nach Deutschland zurück und – lebt jetzt in New York.

Gralsburg meiner Träume

Im Sanatorium muß man viel Licht und Luft haben – das ist die Vorbedingung für jegliche Therapie. Wir sind mit Licht und Luft aufs reichlichste ausgestattet, denn wir bestehen nur aus lauter Glasfassade, die von einem Minimum an Mauerwerk gestützt wird.

Der Katastrophen-Roman

Unter den vielen Rekordleistungen unserer Tage wird eine allzuleicht übersehen: das ungeheure Tempo der Illustrierten-Autoren.

Gesellen des Hephaistos

Überraschend sind die jüngeren englischen Bildhauer in den letzten Jahren bei den verschiedensten internationalen Treffen nach vorn gerückt.

Unser Recht:: Wie nennen wir das Kind?

Die Freude der Eltern über ein neugeborenes Kind wird manchmal beim Standesamt gedämpft. Das geschieht in den unerquicklichen Fällen, in denen Neugeborene mit unzulässigen Vornamen beschenkt werden sollen.

ZEITMOSAIK

„Alles Mist“, urteilte der irische Dramatiker Brendan Behan („Geisel“) über „Posterity be Damned“ (etwa: „Zum Teufel mit der Nachwelt“), das jüngste Drama seines Bruders Dominic, nachdem er die Generalprobe in London miterlebt hatte.

Mein Gedicht

Diese Verse hat Franz Steiner in Oxford, wo er am Institut für soziale Anthropologie Dozent war, vier Jahre vor seinem Tod geschrieben.

Negerschicksal

Die Biologie und die Rassenkunde wissen von grundlegenden Unterschieden im Seelenleben und in den Verhaltensweisen von Weißen und Farbigen, und wir müssen es ihnen wohl glauben.

Ehrenrettung für Enthauptete

Historische Ehrenrettungen an Damen gewinnen mit der Schönheit und dem Unglück der Betroffenen an Reiz und an Beliebtheit...

Die Idylle wird zur Reportage

Gibt es eine Liebe auf den ersten Blick, die alle Schicksalswendungen der Jahrzehnte überdauern kann? Im Leben kaum, und im durchschnittlichen Unterhaltungsroman läßt sie kalt.

Der Dragoneresprit der Dumas

Die „drei Dumas“, die André Maurois zum Gegenstand seiner jüngsten biographischen Darstellung gewählt hat, umschließen mit ihrem Leben ein volles Jahrhundert.

Asien-Potpourri

Seit Jules Vernes „Reise um die Welt in achtzig Tagen“ ist die Welt zwar nicht kleiner geworden, aber achtzig Reisetage heute, das wären mindestens achthundert der alten Observanz.

Liebe Helferin in Seelennöten

Eines Tages sei ein Eingesandt gekommen, das eine ältere, alleinstehende Frau geschrieben hatte. Sie existierte von einer bescheidenen Rente, geriet in immer größere Not und beschloß schließlich, ihrem Leben ein Ende zu machen.

NICHT GEFALLEN

Ein hartes Urteil, wenn man bedenkt, daß das Buch, wie alle ‚Bücher dieser Reihe, mit viel Liebe und Sorgfalt hergestellt ist; daß es den Text so darbietet, wie wir Texte einer fremden Sprache (und das Mittelhochdeutsche ist ja den meisten von uns fremd) am liebsten dargeboten sehen: Original links – Übersetzung rechts; daß wir schließlich dem Herausgeber und Übersetzer Helmut de Boor, Senior unter den deutschen Altgermanisten, einen aufschlußreichen Kommentar zum Nibelungenlied in seiner Bearbeitung der Karl-Bartsch-Ausgabe (erschienen 1940 bei Brockhaus) verdanken.

Dem Nerv der Zeit ins Gesicht

Sie wissen, wie viele Kriege ich seit mehr als sieben Jahren unter der Feder hatte, wie manchen Feind ich aufs Papier warf. Manchen Bogen Papier bedeckte ich mit Leichen, und oft genug habe ich die eisernen Würfel kein Auge schließen lassen.

Keine Angst vor dem Labyrinth

Bei der Machtergreifung des argentinischen Diktators Perón sollte ein Dichter und Gelehrter, der damals als Volksbibliothekar im öffentlichen Dienst seiner Vaterstadt Buenos Aires stand, durch Versetzung in ein anderes behördliches Ressort gedemütigt werden.

Wovon die City spricht: Eine Diskonterhöhung droht

Hätte sich der britische Schatzkanzler in der Budgetvorlage vom 4. April damit begnügt, lediglich seine fiskalischen Vorschläge vorzutragen, dann wären Londons Aktienkurse jetzt höchstwahrscheinlich wieder in flottem Anstieg.

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